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Schwertberg

Geschichte:

1327 wird erstmals ein Heinrich der Oeder aus Schwertberg genannt. Die Herrschaft ist zunächst ein Lehen der Kuenringer, ab 1355 der Capeller. Nach ihrem Aussterben 1406 folgen die Liechtensteiner. Um 1412 gelangt das halbe Lehen an Konrad dem Schaffer, 1433 gelangt es durch Heirat an Thomas Wurm. Durch Heirat fällt 1491 das gesamte Lehen an die Familie Hauser, bereits 1496 kommt es an die Zeller. Das inzwischen landesfürstliche Gut wechselt nun von den Wolframsdorf über die Tannberg bis 1563 an Hans von Tschernembl, der es mit der Herrschaft Windegg vereinigt. Unter seinem Sohn, einem bedeutenden Protestantenführer, wird das Schloss um 1600 großzügig ausgebaut, ehe sein Besitz 1620 beschlagnahmt und an Helrich Gf. Meggau vergeben wird. Nach seinem Tod fällt Schwertberg 1644 an die Gf. Starhemberg, 1676 an die Kuefstein. Nach ihrem Aussterben 1748 fällt das Erbe an Josef Gundaker, 1899 wird der Besitz an Baron Ludwig August Switter verkauft, schließlich erwirbt 1911 Alexander Gf. Hoyos das Schloss.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Die bauhistorische Einordnung der Kernburg mit rundem Bergfried, Palas und Bering um 1300 korresspondiert mit der urkundlichen Erstnennung um 1327. Diverse Ausbauten des 14.-frühen 16. Jhs. können keiner Besitzerfamilie gesichert zugewiesen werden. Ab 1563 wird in der Vorburg unter den Hrn. v. Tschernembl ein schlossartiger Baukörper mit 2 Rundtürmen errichtet, um 1600 erfolgen unter derselben Familie Umbauten der Kernburg zum Burg-Schloss. Im 19. Jh. finden letzte, historistische Adaptierungen statt.

Baubeschreibung:

Einst bot der zentrale, allseits isolierte Felskopf in einer Flussschleife einen hervorragenden topographischen Verteidigungsplatz. Heute wird der kleine Kernbau landseits von einem angegliederten wehrhaften Schlossgeviert sowie vorgelagerten Wirtschaftstrakten und Gärten verdeckt, vom Fluss hat sich jedoch der mittelalterliche Eindruck weitgehend erhalten.
Aufgrund des Grundrisses und des außen frei liegenden Mauerwerks lässt sich die Bauentwicklung gut ablesen. Demnach zeichnet sich ein homogener, komplett erhaltener Erstbau ab, der aus einem leicht verzogenen rechteckigen Bering von maximal 32 x 32 m sowie einem bergseits zentral eingestellten runden Bergfried besteht. Die hohen, geschlossenen Mauern mit Stärken um 1,5 m zeigen trotz des ovalen Felsplateaus das Bestreben nach möglichst geradlinigen, rechtwinkeligen Fronten. Der noch heute dominante Bergfried beschützt mit 11 m Durchmesser die gesamte Burg effektiv zum ansteigenden Berghang, der wohl seit Beginn durch einen tiefen Halsgraben getrennt war. Die imposanten, bis zur späten Aufstockung durchgehend 4 m starken Mauern erlauben nur einen 3 m breiten Innenschacht, in dem ein vermauertes Portal auf einen ehemals zentralen Hocheinstieg deutet, darüber liegt ein kleines Sitznischenfenster. Von der inneren Bebauung der Burg haben sich die Grundmauern eines großen Palas erhalten, der die zum Bergfried gegenüber liegende Talfront besetzte und eine innere Größe von etwa 9 x 18 m (Verhältnis 1:2) aufwies. Durch spätere Ausbauten stark überformt deutet sich ebenerdig eine primäre ausmittige Binnenteilung an. Ein zweites, deutlich kleineres Gebäude ist im Norden des Hofs direkt am Palas erhalten. Eine Rundbogentür und ein Rechteckfenster zeigen breite Gewändefasen mit herzförmigen Anläufen. Ein deutlicher Mauerversprung im Obergeschoß indiziert, dass dieser Bau zunächst nur ebenerdig war. Demnach lässt sich rekonstruieren, dass der Erstbau aus Bergfried und Palas sowie kleinem Hofeinbau bestand. Das außen weitgehend frei liegende Mauerwerk besteht aus grob blockhaftem Bruchstein in homogenen Kompartimenten mit großformatigem Eckverband. Die mantelartig geschlossenen Flankenmauern zeigen keinerlei Öffnungen, lediglich im Keller des Palas haben sich hohe, konische Lichtscharten erhalten. Der charakteristische Mauerverband, die Scharten, Tür und Fenster des Hofeinbaus sowie ein spitzbogiger Abortausgang weisen homogen in die Zeit um 1300, damit entstand die Burg wohl kurz vor der Erstnennung von 1327.
Aufgrund der Mauerstrukturen zeichnet sich bereits im 14. Jh. eine Erhöhung des Beringes bis zur Wehrplattform des Bergfriedes ab. Zu diesem Zeitpunkt muss die Burg den Eindruck eines bemerkenswert homogenen, turmartigen Baukörpers gemacht haben, sämtliche Gebäude und Dächer waren offenbar dahinter verborgen.
Östlich unterhalb des Bergfriedes haben sich im Schloss Reste einer Vorburg erhalten. Bis zu 18 m lange parallele Mauern deuten auf ein ehemaliges schmales Gebäude, das wohl zu einer größeren, im Süden gelegenen Wirtschaftsanlage gehört haben wird. Das Mauerwerk ist mit großen Blöcken in ausgezwickelten Einzellagen dem 15. Jh. zuzuordnen. Bereits im frühen 16. Jh. wurde westlich ein weiterer Trakt angestellt, der mit Wendeltreppe und zierlichem Pfeiler noch spätgotische Elemente aufweist.
Aufgrund der urkundlichen Daten lässt sich nach 1563 (Inschrift, Erwerb durch die Familie Tschernembl) ein kompletter Neubau der Vorburg nachvollziehen, der sich fast unverändert bis heute erhalten hat. Auf einer rechteckigen Grundfläche 20 x 50 m legte man einen dreiflügeligen Rechteckbau mit zwei runden Ecktürmen an. Bei Merian wird ein bereits bei Vischer nicht mehr sichtbarer dritter Eckturm im NW dargestellt. Reste eines Grabens sowie Zugbrückenrollen im bossierten Schlossportal weisen weiterhin auf betonte Wehrhaftigkeit. Der Innenhof wird von einem eleganten Arkadengang geprägt, die Räume mit teilweise durch Putzgrate reich ornamentierten Kappengewölben und Malereiresten deuten auf eine einst repräsentative Ausstattung. In der Kernburg wurde der Palas ebenerdig durch einen Einstützenraum auf schlankem, spätgotischen Mittelpfeiler als gewölbte Halle modifiziert.
Bereits um 1600 erfuhr das Schloss einen weiteren Großausbau. Der Kernburg setzte man die charakteristischen kleinen Ecktürmchen auf, der Bergfried erhielt seinen dünnwandigen Aufbau als Glockenturm. In den Palas setzte man eine nüchterne Kapelle, deren heutiger Barockaltar noch Teile des Renaissance-Säulenretabels enthält. Weite Teile des Schlosses erhielten im frühen 17. Jh. ihre bis heute erhaltenen qualitätvollen Fenster- und Türgewände. Parallel wurde der bereits 1563 urkundlich genannte vorgelagerte Meierhof durch große Gewölbehallen auf Steinsäulen erweitert. Nach historischen Abbildungen war er in die Verteidigung einbezogen und nur über einen Graben erreichbar.
In einem letzten großen Umbau des 19. Jhs. wurden die Turmuhr eingesetzt, die Burgbrücke historistisch angelegt, in der südlichen Kernburg ein romantischer Wehrgang aufgesetzt und im SO-Eckturm zum neu gestalteten Landschaftsgarten eine illusionistische Steingrotte gemalt.
(P.S.)