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Lipporner Schanze

Geschichte:

Zur Schanze selbst keine; es lassen sich aber historische Nachrichten und die Gründungssage des nahegelegen Klosters Schönau (später Strüth) hiermit in Verbindung bringen; danach soll Herzog Hermann von Schwaben seinem Vasallen Drutwin v. Lipporn zwischen 940 und 947 Reliquien des Hl. Florian für eine Kapelle bei Lipporn überlassen haben; im Jahre 959 wird ein Drutwin als erster Zeuge (in der Reihenfolge noch vor dem Pfalzgrafen Hernbert und dem Engersgau-Grafen Waldbert) in einer Urkunde genannt, die anläßlich der Weihe einer Steinkirche in Humbach (später Montabaur) durch Erzbischof Heinrich von Trier ausgestellt wird; dieser Drutwin ist wohl identisch mit jenem Drutwin, den Dudo von Laurenburg (s. d.) 1117 anläßlich der Übereignung von Ort und Kirche zu Lipporn an das Kloster Schaffhausen als seinen Vorfahren bezeichnet; als geeigneter Sitz dieses Drutwin (von Lipporn) kommt eigentlich nur diese Schanze in Betracht (Reinhard Friedrich)

Baubeschreibung:

Erhalten haben sich nur die verschliffenen Reste einer rechteckigen Ringwallanlage mit deutlich abgerundeten Ecken, die ein unregelmäßig-trapezförmiges Areal von ca. 65 m x 110 m Innenfläche umschließen. Diese eher unscheinbare Anlage ist dennoch von hohem Interesse, ist sie doch im Rhein-Lahn-Gebiet die einzige dieser Art und zudem die älteste, die somit Einblicke in die frühmittelalterliche Befestigungsweise gewährt. Sie ist besonders schützenswert. Der Wall hat heute noch eine Höhe von ca. 0,5 bis 1,2 m, ihm ist ein zwar verschliffener, aber meist noch deutlich erkennbarer Graben vorgelagert. Wie Untersuchungen 1912 zeigten, war er ursprünglich spitz eingetieft (sog. Spitzgraben). Die zweischalige Holz-Erde-Umwallung bestand aus einer noch 0,5-0,6 m hohen und ca. 1 m starken Trockenmauer. Vor diese war wohl als zweite Phase in 1 bis 1,5 m Abstand eine zweite, bis 3,5 m starke Trockenmauer (d. h. ohne Mörtel errichtet) auf Steinfundamenten vorgesetzt. Der ca. 1-1,15 m breite Zwischenraum wurde mit Lehm aufgefüllt und durch Längsbalken verstärkt.
Mittig in der nördlichen Schmalseite ist auch heute noch ein ca. 2,9 m breites Tor mit bis zu 6 m nach innen einziehenden Torwangen gut zu erkennen (sog. Zangentor). Es war innen durch mehrere Pfostenpaare verstärkt, die die eigentliche Torkonstruktion trugen. Ein das Tor angehender Feind konnte so von den beiden seitlich vorziehenden Flanken bekämpft, also "in die Zange genommen" werden. Vor dem Tor war im Graben eine Erdbrücke stehen gelassen worden, um den Zugang zu ermöglichen. Angeblich konnten bis zu drei weitere, schmale Durchlässe anhand von Erdbrücken im Graben festgestellt werden, von denen aber nur noch an der gegenüberliegenden südlichen Schmalseite einer ansatzweise zu erkennen ist. Trotz der Anlage mehrerer Schnitte konnten im Innern keinerlei Bebauung oder Siedlungsreste ausgemacht werden. Es wurde lediglich eine kleine Grube entdeckt, in deren Verfüllung sich Holzkohle und Eisenschlacken fanden, was immerhin Hinweis auf Verhüttung bzw. Metallverarbeitung liefert. An Funden weisen wenige Scherben vorgeschichtlichen Materials auf eine ältere Nutzung des Platzes hin, während die sog. "pingsdorfartige Keramik" anzeigt, das die Anlage sicher im 10./11. Jh. existierte. In die gleiche Zeit weisen auch zwei Bruchstücke skulptierter Bauplastik. Von ihrer Gesamtart und Konstruktionsweise könnte die Lipporner Schanze möglicherweise sogar noch älter sein (karolingerzeitlich, also 9. Jh.), jedoch gibt es dafür bisher keinen Beleg im Fundmaterial. (Reinhard Friedrich)

Arch-Untersuchung/Funde:

Grabung durch E. Brenner 1912; es wurden verschiedene Schnitte insbesondere zur Klärung des Wallaufbaus angelegt; Funde: wenig vorgeschichtliches Material, pingsdorfartige Keramik wohl des 10./11. Jhs., 2 Bruchstücke skulptierter Bauplastik; im Innern wurde lediglich eine kleine Grube entdeckt, in deren Verfüllung sich Holzkohle und Eisenschlacken fanden (evtl. Hinweis auf Verhüttung bzw. Metallverarbeitung !);
sicherlich ottonische Nutzung, vielleicht schon karolingisch (archäologisch). (R.F.)