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Manderscheid, Niederburg

Geschichte:

Bei der eindrucksvollen Ruine der Niederburg handelt es sich höchstwahrscheinlich um die jüngere der beiden Manderscheider Burgen. Ihre Entstehung konnte bislang noch nicht zufriedenstellend geklärt werden. Ob die Anlage bereits in der 2. H. des 12. Jh. entstand und zum Besitz der Brüder Albero und Theoderich von Manderscheid gehörte, die bereits in Urkunden des Trierer Erzbischofs Arnold (1169-83) in Erscheinung treten, ist unsicher. Theoderich von Manderscheid wird 1201 als "dominus minoris castri de Manderscheid" erwähnt. Noch vor 1300 erlosch das Geschlecht der Edelherren von Manderscheid und um 1250 begründeten die Herren von Kerpen eine Seitenlinie, die sich nach Manderscheid benannte. Mitglieder dieser Familie beerbten 1435 bis 1445 bzw. 1468 die Häuser Schleiden und Blankenheim samt der dazu gehörenden Herrschaften und Burgen, zu denen u.a. Jünkerath, Kasselburg, Neublankenheim und Geroldstein zählten. In der Mitte des 15. Jhs. erlangten die Herren von Manderscheid schließlich den Grafentitel. Die namengebende Burg bildete den Mittelpunkt der gleichnamigen Grafschaft. Seit dem beginnenden 14. Jh. war die Niederburg Lehen derr Grafen von Luxemburg, während es sich bei der benachbarten Oberburg um eine kurtrierische Landesburg handelte. Durch die Stadtrechtsverleihung an den Ort Manderscheid 1332 wurde die kurtrierische Position im Tal der Lieser weiter ausgebaut. 1346 kam es unter dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg zu einer Belagerung der Niederburg Manderscheid. Auf der Seite des rheinischen Kurfürsten standen Graf Wilhelm von Jülich sowie der Erzbischof von Köln. Angeblich währte die Belagerung mehr als zwei Jahre. Die teilweise beschädigte Burg wurde vermutlich erst 1427/28 unter Dietrich I. von Manderscheid wiederhergestellt. Im 16. Jh. erlangte die Familie, die sich in mehrere Zweige geteilt hatte, ihren Höhepunkt. Verschiedene Linien des Hauses finden sich Mitte des 16. Jh. in Manderscheid, Neuerburg, Blankenheim, Kail, Geroldstein und zeitweise auch in Kerpen. Mit Dietrich VI. starb die zu Manderscheid ansässige Linie aus. Der Besitz fiel an die Grafen aus dem Hause Manderscheid-Geroldstein und schließlich an Manderscheid-Kail. Infolge der Einführung der Reformation und des Vorwurfs der Unterdrückung des katholischen Glaubens, wurde 1618 auf Befehl Kaiser Ferdinands II. Niedermanderscheid durch den Erzherzog Albrecht, Statthalter der Niederlande, belagert. In der Folgezeit setzte der Verfall der Niederburg ein, die jedoch in Teilen noch bis zum Ende des 18. Jhs. bewohnt wurde. Infolge des Erlöschens der Linie Manderscheid-Kail 1742 und des Zweiges Manderscheid-Blankenheim, fiel Niedermanderscheid 1780 an Augusta, die Tochter des Johann Wilhelm Franz von Manderscheid-Blankenheim und ihren Gatten Graf Philipp Christian von Sternberg. Durch die französischen Truppen vertrieben, begab sich das Ehepaar Ende des 18. Jhs. auf seine böhmischen Besitzungen. Die Niederburg gelangte in bürgerliche Hände und fiel 1870 vorübergehend an einen Nachkommen der Grafen Sternberg. 1899 konnte der Eifelverein die Burg käuflich erwerben und ließ Instandsetzungs- und Aufäumungsarbeiten vornehmen. Dem Architekten Gustav Krause oblag schließlich ab 1914 eine gründliche Instandsetzung der Ruine unter größtmöglicher Wahrung der vorhandenen Substanz. Die eindrucksvolle Burgruine befindet sich bis heute im Besitz des Eifelvereins und ist ganzjährig für Besucher geöffnet. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Ungeachtet ihrer burgenkundlichen Bedeutung ist die Niederburg Manderscheid bis dato noch nicht hinreichend bauhistorisch untersucht worden. Die Baugeschichte ist weitgehend unklar. Zu den ältesten noch erhaltenen Teilen der Anlage gehören mit Sicherheit der auf dem höchsten Punkt des Berges gelegene quadratische Bergfried, Teile der Ringmauer und der Palas, während große Teile der zum Tal hin orientierten Bauten erst im 14. und 15. Jh. hinzutraten. Vorburg und Tal werden 1437 urkundlich erwähnt und könnten im Zusammenhang mit der für 1427/28 belegten Instandsetzung der Anlage entstanden sein. Unter anderem wurde ein neuer Burgweg angelegt, das ursprüngliche Tor im Süden am Fuß des Burgberges zugemauert und dahinter ein Rundturm aufgeführt. Ein neuer Zugang entstand in der Südwestecke. Weitere bauliche Veränderungen erfuhr die Burg im 16. Jh. Die Sanierungsgeschichte der vermutlich bereits im 17. Jh. in Teilen ruinösen Burg setzt mit der Übernahme der Anlage durch den Eifelverein 1899 ein und erreicht mit der Tätigkeit des Architekten Gustav Krause 1914 einen ersten Höhepunkt. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die Niederburg beeindruckt durch ihre Lage auf einem isolierten, von einer Flussschleife der Lieser begrenztem steilen Felsgrat, auf den sich die Bauteile von Süden nach Norden staffeln. Ein mit der Spitze nach Norden gerichtetes gleichschenkliges, dem Felsen angepasstes Dreieck auf der Grundrisslinie von 80 x 90 m bildet die Grundform der Burg. Zu den ältesten Bauteilen zählt der auf der Spitze des Burgberges befindliche quadratische Bergfried, der noch drei Geschosse aufweist, während das vierte nur noch in Ansätzen erkennbar ist. Der Turm erreicht noch eine Höhe von 18 m und weist einen Hocheingang acht Meter über dem Hofniveau auf. Südlich unterhalb des Bergfrieds auf der zweithöchsten Hangterrasse befinden sich die Mauerreste des Palasgebäudes, der ursprünglich einen Hauptsaal von 9 x 15 m aufwies. 1427/28 und im 16. Jh. erfolgten bauliche Veränderungen an dem Hauptgebäude. An der Westseite des Palas befindet sich ein rechteckiger Turm, dessen Anfänge wohl ins 12. Jh. zurückreichen und der im 14. Jh. umgestaltet wurde. Unmittelbar an einer Kehre zum Tor des Hofs vor dem Palas befindet sich die 1433 urkundlich bezeugte Kapelle, ein annähernd quadratischer Bau mit halbrunder Apsis. Hinter das an der Südostecke gelegene ehemalige erste Tor setzte man im Zuge der Erweiterung der Vorburg und der Befestigung der Talsiedlung vor 1437 einen mächtigen Rundturm. Das Tor wurde zur Seite verlegt. Einen weiteren Zugang schuf man auf der Südwestseite. Das dort befindliche Gebäude beherbergt heute die Kasse und den "Burgladen". Etwa gleichzeitig mit dem Ausbau der Vorburg erfolgte vermulich die Befestigung der Talsiedlung Niedermanderscheid, von der sich erhebliche Reste erhalten habe. Wie in Neuerburg in der Südeifel (Kreis Bitburg-Prüm) führte man auch in Niedermanderscheid auf einem der Burg gegenüber liegenden kleinen Felssporn einen halbrunden Schalenturm auf. (Jens Friedhoff)