EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Bischofstein

Geschichte:

Entgegen der vielfach in der regionalgeschichtlichen Literatur vertretenen Auffassung, dass die Burg Bischofstein vom Trierer Erzbischof Arnold I. (reg. 1169-83) erbaut wurde, gelang jüngst der Nachweis, dass es sich bei Bischofstein um eine Gründung des Erzbischofs Arnold II. (reg. 1242-1259) handelt. In der zweiten Hälfte des 13. Jhs. wurde Bischofstein von dem Trierer Archidiakon Heinrich von Bolanden, Propst zu Karden, erworben, der die Burg erweiterte und 1273 dem Stift Karden zum Geschenk machte. Die Burg wurde dem Erzstift Trier zu Lehen aufgetragen. Im Kontext der Auseinandersetzungen mit König Albrecht von Habsburg besetzte 1302 der Trierer Erzbischof Theoderich von Wied die Burg, gab sie allerdings ein Jahr später an den Archidiakon Hermann von Weilnau zurück, der dem Erzstift das Öffnungsrecht einräumen musste. Dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg gelang es 1329 die uneingeschränkte Verfügungsgewalt über die Burg durchzusetzen. Ende des 17. Jhs. wurde die Burg - sehr wahrscheinlich im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges - durch französische Truppen zerstört. 1803 erfolgte die Versteigerung der Ruine an Nikolaus Artz aus Burgen an der Mosel. 1930 erwarb der Darmstädter Diplom-Kaufmann Erich Deku die Burg und ließ den Palas und die Stephanus-Kapelle wiederherstellen. Seit 1950 dient Bischofstein dem Fichte Gymnasium in Krefeld als Landschulheim. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Eine fundierte Untersuchung zur baulichen Entwicklung der Burg steht noch aus. Zu den ältesten noch erhaltenen Bauteilen der Burg zählt der untere Teil des im 13. Jh. errichteten Bergfrieds. Er gehört vermutlich mit dem Nordostteil der Burg dem hochmittelalterlichen Gründungsbau an, während die Südwesthälfte mit dem Palas und der in gotischen Formen errichteten Stephanus-Kapelle eine Erweiterung durch Heinrich von Bolanden im ausgehenden 13. Jh. darstellt. 1880 fanden Restaurierungsarbeiten an der Ende des 17. Jhs. zerstörten Burg statt. Der Palas und die gotische Stephanuskapelle wurden 1930 durch die Architekten Dötzel und Krug aus Koblenz wiederhergestellt. Einer grundlegenden Renovierung der Kapelle im Jahr 1995 folgte zwei Jahre später, 1997, die Sanierung der Turmplattform des Bergfrieds mit dem mittelalterlichen Zinnenkranz. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

In drei Terrassen erstreckte sich die Anlage von Nordwesten nach Südosten. Im nördlichen Teil befindet sich an der höchsten Stelle der stattliche Bergfried. Der vor dem Turm gelegenen gewinkelten Ringmauer ist ein Halsgraben vorgelagert. Zwischen Bergfried und Ringmauer lag das mittlerweile verschwundene sog. "Verlies". Den südöstlichen Teil des Burggeländes nehmen der 1930 modern wiederhergestellte Palas und die hochgotische Stephanus-Kapelle ein. Bei der Burgkapelle handelt es sich um einen 3,30 x 7 m großen einschiffigen Raum zu zwei Jochen mit Kreuzgratgewölben. Zum Moseltal hin ist der Kapelle eine kleine Zwingeranlage angeschlossen. Der Zugang zur Burg lag auf der nordwestlichen Längsseite. Ein schmaler Fußweg führte über den Felsgrat zu der kleineren Südpforte. (Jens Friedhoff)