EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Rheinbach

Geschichte:

Die Anfänge der Burg zu Rheinbach reichen bis in das ausgehende 12. Jh. zurück. Als Initiatoren der Burggründung kommen die 1178 erstmals urkundlich erwähnten Herren von Rheinbach in Betracht. Eine Datierung der Burganlage in die zweite Hälfte des 12. Jh.s stützt u. a. die dendrochronologische Datierung eines im runden Hauptturm befindlichen Abortsitzes aus Eichenholz in das Jahr 1175. Die bei der Burg an einer Kreuzung der mittelalterlichen Aachen-Frankfurter Heerstraße mit einem Abzweig der römischen Straße Köln-Trier gelegene Siedlung Rheinbach wird 1299 als Stadt "oppidum" bezeichnet und erhielt unter Einbeziehung der Burg eine steinerne Stadtbefestigung. Den Erzbischöfen von Köln gelang schließlich 1342/43 der Erwerb von Burg und Stadt Rheinbach. Der in der territorialen Auseinandersetzung zwischen Jülich und Kurköln in der Swistniederung bedeutende Ort wurde Sitz eines kurkölnischen Amtes. Von 1446 bis 1627 fungierten die Grafen von Sayn als Pfandherren von Rheinbach und 1666-1741 war das Amt an die Freiherren Schall zu Bell versetzt. Bei der Belagerung und Einnahme durch den Prinzen von Oranien 1672 scheinen Burg und Stadtbefestigung keine größeren Schäden genommen zu haben. Ende des 18. Jh.s und zu Beginn des 19. Jh.s wurden die Befestigungsanlagen der Stadt und der Burg teilweise niedergelegt. 1913 erwarb die Stadt Rheinbach die Burgruine und ließ 1913 den runden Bergfried mit einer Kegelhaube und den rechteckigen Torturm mit einem Walmdach versehen. In den 1980er Jahren wurde die Anlage grundlegend saniert. (J.F.)

Bauentwicklung:

Die Erkenntnisse zur baulichen Entwicklung der Burg stützen sich sowohl auf die wenigen erhaltenen Schriftquellen sowie bauhistorische Beobachtungen und einen in das Jahr 1175 dendrochronologisch datierten Abortsitz im runden Hauptturm. Im 13. Jh. scheint die Anlage durch eine Vorburg verstärkt und in die Stadtbefestigung eingebunden worden zu sein. Im Zuge der teilweisen Niederlegung der städtischen Befestigungsanlagen in den 1780er Jahren wurde die Burg schließlich zur Ruine, ehe die Anlage 1807 durch die Französische Domänenverwaltung 1807 parzellenweise veräußert wurde. Die Stadt Rheinbach ließ 1913 als neuer Eigentümer der Burg den runden Bergfried (Hexenturm) und den Torturm wieder unter Dach bringen. 1980 erfolgte eine Instandsetzung des Hauptturms mit geringfügigem Ausbau. Im Zuge der Maßnahmen wurden eine Kaminanlage und zwei Aborte innerhalb der Außenmauer saniert. 1982/83 befreite man den Ostturm der ehemaligen Vorburgmauer von Bewuchs. Ferner erfolgte eine Instandsetzung und Aufmauerung um Gewölbe- und Brüstungshöhe nach Einbau über eine außen angelegte Treppe. Im Zuge weiterer Sanierungsmaßnahmen wurde 1985 der Abschnittsgraben vor der Torburg freigelegt und 1986/87 eine neue Mauer auf den Fundamenten der Grabenmauer zwischen Torbau und Vorburg aufgeführt. (J.F.)

Baubeschreibung:

Von der am südöstlichen Rand der Stadt gelegenen Niederungsburg blieben im Wesentlichen der runde Bergfried (Hexenturm), ein Torturm mit Kapelle (?) sowie Reste der Umfassungsmauer und Teile der Vorburgmauer mit halbrundem Flankenturm erhalten. Der etwa 25 m hohe, seit 1913 mit einem Kegeldach versehene, fünfgeschossige Hauptturm steht im Zentrum der über polygonalem Grundriss errichteten Burg. Den um 1900 noch erkennbaren Zinnenkranz verdeckt das Kegeldach. In der Literatur wird der Turm pauschal in die Zeit um 1200 datiert. Aufgrund einer dendrochronologischen Untersuchung eines Abortsitzes ist das Jahr 1175 als Bauzeit denkbar. Sofern diese Datierung zutrifft (Erstverwendung des Holzes), wäre der Turm noch vor den französisch beeinflussten Rundtürmen im Rheinland entstanden. Etwa in die gleiche Zeit wie der runde Bergfried datiert vermutlich der noch erhaltene, querrechteckige Torbau der Burg, dessen Obergeschoss vermutlich die Burgkapelle beherbergte. Den Abschluss des Raumes bildeten ursprünglich spitzbogige Kreuzrippengewölbe, die auf vier Ecksäulen ruhten. Erhalten blieb eine Freisäule mit attischer Basis und kräftig verjüngtem, etwa 90 cm hohen Schaft aus Trachyt und einem Würfelkapitell. Die Säule gibt einen Hinweis auf die Entstehungszeit um 1200 (vgl. Kapitellplastik der Bonner Münsterapsis). (J.F.)