EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Cham1

Geschichte:

Die Ersterwähnung der als "Schwedenschanze" bezeichneten Burgf erfolgt 976 bei Thietmar von Merseburg, als sich Kaiser Otto II. "ad civitatem suam, quae Camma dicitur" zurückzieht. 1040 dient das "castrum Kamb" als Sammelpunkt des Heeres Heinrichs III. gegen den böhmischen Herzog. Unter Heinrich III. wird die Burg zum Mittelpunkt der Markgrafschaft Cham, die in der Hauptsache das als "pagus Campriche" bezeichnete Königsland umfasste. Bereits unter Heinrich II. war hier eine Münzstätte eingerichtet worden. Als Markgrafen fungierten bis zu ihren Aussterben 1204 die Diepoldinger (Rapotonen), beginnend mit Rapoto III. als "comes de Chambe". Unter ihnen war die Burg mit einer größeren Anzahl Burgmannen belegt, die sich in mehrere Familien untergliedern lassen. Nach dem Ende der Diepoldinger gingen Markgrafschaft und Burg an Herzog Ludwig I. über. Die Burg wurde zwar offenbar bald danach aufgegeben, doch wurden Teile des Areals noch bis ins 15. Jh. genutzt. (B.E.)

Bauentwicklung:

Als älteste Umwehrung konnte eine Holz-Erde-Befestigung wohl der Zeit um 800 nachgewiesen werden, welche die Anlage vollständig umzog. In Phase II (10./11. Jh.) tiefte man in das verflossene Erdmaterial eine 2,0 m starke Trockenmauer mit Anschüttungen ein. Spätestens jetzt wird vor einer Berme der breite Sohlgraben angelegt. Zu dieser Befestigung gehörte eine Poterne auf der Südseite. In Phase III (11. Jh.) wurde der obere Teil der Mauer gekappt und darüber ein 15 m breiter und 7,5 m hoher Wall geschüttet, der mit einer Lehmpackung befestigt wurde. Zu Phase I gehört ein kleiner Apsidensaal , der von einem ausgedehnten Friedhof umgeben war. In Phase II wird die Kapelle zu einem einfachen Rechtecksaal umgestaltet. Später (Phase III) wird diese in einen größeren Gebäudekomplex integriert und erhält im 12. Jh. einen Backsteinboden. 1210 wird sie als St. Georgskirche genannt. Von der weiteren Innenbebauung ist nur ein Steinkeller freigelegt worden. Zur Burg gehörte eine Außensiedlung mit Handwerksbetrieben und eigener Kirche sowie wohl ein Hafen. (B.E.)

Baubeschreibung:

Ovale, nach Südwesten spitz auslaufende Gesamtanlage von 180 x 300 m. Nach Norden besteht ein teils noch gut erkennbarer Sohlgraben gegen das leicht ansteigende Gelände. Im Norden besteht auch das besterhaltene Teilstück des Walles auf noch 50 m Länge mit 18 m Breite und 7,5 m Höhe. Ansonsten ist dieser innen meist ganz abgetragen und nur noch nach außen als bis zu 4,5 m hohe Kante erkennbar. Im Süden ist der Verlauf durch Steinbruchtätigkeit und Wegebau stark gestört. Von der Innenbebauung gibt es keine obertägig erhaltenen Spuren. (B.E.)

Arch-Untersuchung/Funde:

1938 wurde mit zwei Schnitten der Aufbau der Befestigungen untersucht, 1976 erfolgten Nachuntersuchungen sowie die Anlage von vier kleineren Sondagen im Inneren und im Südosten der Befestigung. Aus den Grabungen sowie als Lesefunde existiert umfangreiches Fundmaterial, zumeist Keramik des 9.-12. Jh.s Neben zahlreichen Eisenfunden sind Glasschlacke und Bleirohlinge als Beleg für handwerkliche Tätigkeit zu nennen. Hinzu kommen Münzen und ein zur Brosche umgearbeiteter Ohrring der 2. H.des 10. Jh.s / 1. Drittel des 11. Jh.s (B.E.)