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Chamerau

Geschichte:

Die Anfänge der Burg sind aus historischer Sicht problematisch, was aus der alten Bezeichnung "Lengau" für den Ortsteil auf der linken Regenseite herrührt. Nach Lengau nennt sich zwischen 1170 und 1204 eine wichtige Ministerialenfamilie der Diepoldinger mit dem Leitnamen Otto. Bereits ab 1180 sind aber wohl auch die Chamerauer fassbar. Ein oft angenommenes zeitliches Nacheinander beider Familien auf der Anlage auf der rechten Regenseite scheidet so aus. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es am Ort noch einen zweiten befestigten Sitz gab, der, nachdem die Chamerauer die Lengauer beerbt hatten, aufgegeben wurde. Die Chamerauer lassen sich dann quellenmäßig ab 1299 durchgängig in mehreren Zweigen ("Landherren des Bayerischen Waldes") verfolgen. Wohl in der Mitte des 14. Jh.s verlegten sie ihren Hauptsitz auf die Burg Haidstein. Nach Fehden mit dem Landesherrn und zeitweisen Herabsinken zum Raubrittertum musste Chamerau dem Herzog Albrecht III. 1444 geöffnet werden. Sie wurde meist nur noch von Pflegern verwaltet. Im Rahmen des wirtschaftlichen Niedergangs der Familie 1452 Veräußerung an die Gläubiger Peters V. von Chamerau. Sie kam aber nochmals in Familienbesitz (Öffnungsverpflichtung 1468). 1476 kam die Burg auf dem Erbweg an Hans II. Therlinger, 1500 an einen Herren von Hund und nach dessen Tod an die Landesherren. Da diese für Chamerau keine Verwendung mehr hatten, verfiel die Burg, die Herrschaft wurde im ausgehenden 16. Jh. als landesherrliche Hofmark dem Kastenamt Kötzting angegliedert. Im 18. Jh. wird die Herrschaft nochmals an einen Herren von Weichs zu Sattelpeilnstein verliehen. 1737 Bezeichnung als "zerstörtes Schloß". Seit 1811 in Privatbesitz. (B.E.)

Bauentwicklung:

Zum Aussehen der hochmittelalterlichen Anlage fehlen weitgehende Informationen. Für die spätmittelalterliche Anlage gibt es zwei Beschreibungen von 1566 bzw. 1571. Danach besaß die Hauptburg mehrere Gebäudeflügel und vier Türme an den Ecken. Vorgelagert war eine rechteckige Vorburg mit Torturm, die damals bereits als landwirtschaftliches Anwesen genutzt wurde. Eine Grenzkarte von 1611 zeigt als Hauptgebäude einen großen Satteldachbau mit Ecktürmen. Eine differenzierte Darstellung der baulichen Entwicklung verbieten fehlende archäologische Untersuchungen. 1811 war der Burghügel durch Steinraub bereits weitgehend abgeräumt, doch waren noch Reste von Mauern und Gewölbe zu sehen, die 1817 eingeschlagen und verfüllt wurden. (B.E.)

Baubeschreibung:

Von der ehemals zweiteiligen Anlage ist die rechteckige bis trapezoide Vorburg heute vollständig verschwunden bzw. überbaut. Nach Norden schließt sich, durch einen 8 m tiefen und 15 m breiten Graben getrennt, die Hauptburg an. Im Grabenbereich führten Bodeneingriffe zu deutlicher Erosion. Die rechteckige Hauptburg läuft bei einer Länge von 42 m und einer Breite von 11-17 m im Nordwesten in einer Spitze aus. Auf dem Plateau haben sich neben dem mutmaßlichen Schutthügel eines Turmes lediglich überwachsene Reste der 1,7 m starken Außenmauer erhalten. (B.E.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bei den Abbrucharbeiten 1817 kamen angeblich zahlreiche Pfeile und Steinkugeln zutage, 1958 fand man bei Wegebauarbeiten einen Radsporn, Keramik und Skelettreste. (B.E.)