EBIDAT - Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstitutes
Burgen an Rhein und Donau

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Falkenstein im Bayerischen Wald

Geschichte:

Falkenstein wurde von den Regensburger Domvögten, einer Seitenlinie der Grafen von Bogen, welche dieses Amt zwischen ca. 1050 und 1148 innehatte, erbaut, vermutlich unter Domvogt Friedrich II. durch eine ihm unterstellte Ministerialenfamilie. Die schriftliche Überlieferung zu den Falkensteinern setzt 1129/30 ein. Sie sind bis 1210 nachweisbar. 1130 wurde die Anlage von Herzog Heinrich d. Stolzen erobert, doch musste er sie schon 1132 wieder an Bischof Heinrich I. bzw. Domvogt Friedrich IV. zurückgeben. Die Burgmannen versahen nach dem Aussterben der Domvögte 1148 bruchlos ihren Dienst weiter, doch bleibt offen, wer die Besitzer wurden. Möglicherweise waren dies zeitweise die Landgrafen von Stefling, doch ist 1182 Falkenstein sicher wieder in Händen des Bischofs. Ende des 12. Jh.s fiel die Region Falkenstein dann zeitweise an die Grafen von Bogen. Ab 1232 sind die Hohenfelser als Domvögte und Burgherren belegt. 1323 musste Heinrich von Hohenfels nach Verhängung der Reichsacht die Burg an Kaiser Luwig d. Bayern verkaufen. Über dessen Gläubiger Landgraf Ulrich von Leuchtenberg kam sie an Herzog Heinrich XV. von Niederbayern und wurde in der Folge von Pflegern verwaltet, fiel aber 1340 zurück an die oberbayerischen Wittelsbacher, wurde aber wieder mehrfach verpfändet. Ab 1425 wieder herzoglich, wurde sie erneut Pflegersitz. 1514 schenkte sie Herzog Wilhelm IV. seinem Hofmarschall Hieronymus von Stauf, dessen Sohn die Burg 1526 an Herzog Ludwig X. veräußerte, der sie seinem Hofmarschall Ludwig von Pienzenau überließ. F. wurde in der Folge als Adelsherrschaft etabliert, welche die Preysing (1550-65), Seyboldsdorf (1565-90), Nothafft zu Wernberg (1590-1607), Khuen von Belasy (1607-25), Maxlrain (1625-29) und Haslang zu Haslangkreit (1629-64) in rascher Folge innehatten. Seit 1664 gehörte F. den Grafen von Törring, wurde aber seit Anfang des 18. Jh.s kaum mehr bewohnt. 1829 ging Falkenstein an die Fürsten von Thurn und Taxis über, welche die Burg 1976 der Gemeinde schenkten. (B.E.)

Bauentwicklung:

Von der ältesten Burg des frühen 12. Jh.s sind keine Baureste bekannt. In der 1. H. des 13. Jh.s entstanden unter den Grafen von Bogen oder den Hohenfelsern die ältesten Teile der Anlage, d. h. die Oberburg mit Bergfried und Wohnbau ("Heimlicher Leiten") sowie die Kernsubstanz der Unterburg mit Ringmauer und einem Wohnbau im Norden. Vor 1428 erfolgten Baumaßnahmen in einigem Umfang, die mit den Hussitenkriegen in Zusammenhang stehen dürften. Sie betrafen wohl die Anlage eines Zwingers am Bergfried und eine Verstärkung der Vorburgummauerung. Im 15. Jh. fanden weitere Baumaßnahmen statt. Dazu sind zu rechnen Gebäude in der Unterburg sowie der Anbau östlich des Tores. 1568 wird Falkenstein als "castrum ... munitissimum" bezeichnet. Wohl um 1619 wurde die Burg mit der Anlage von Laubengängen und Erkern schlossartig umgebaut. Teilweise wurden die Gebäudeflügel der Unterburg aufgestockt und neu befenstert. Nach 1634 wurde die teilzerstörte Anlage wiederhergestellt. Auch die große Kapelle entstand im 17. Jh. Wegen Kümmernutzung und Verfall der Hauptburg wurde ab 1769/80 der Kastenbau in der Vorburg als herrschaftlicher Wohnsitz genutzt. Im 19. Jh. wurden die steilen Satteldächer der Unterburg und weite Teile des 3. Obergeschoss abgetragen und durch die bestehenden flachen Pultdächer ersetzt. 1975-78 wurde die gesamte Anlage grundsaniert. (B.E.)

Baubeschreibung:

Die zweiteilige Anlage wird über die Vorburg mit einem einfachenTor und dem großen ehem. Zehntkasten betreten. Die Ringmauer ist hier meist nur noch als Futtermauer erhalten. Zwischen Vor- und Hauptburg befindet sich ein Zwinger (sog. "Weiberwehr" mit der als Halbruine erhaltenen Küche. Die fünfeckige Hauptburg ist allseitig umbaut. Man betritt sie über einen geknickten Torweg im Südflügel mit vorgesetztem Standerker. Die Unterburg besteht aus drei drei- bis viergeschossigen, an die Ringmauer angelehnten Gebäudeflügeln mit zumeist modernisiertem Inneren. Im Südflügel hat sich im 1.Obergeschoss ein kreuzgewölbter Saal erhalten. An den Südflügel schließt sich nach Osten ein über die ursprüngliche Ringmauer vorspringender dreigeschossiger Anbau mit ebenfalls noch teils kreuzgewölbten Räumen an. Seine Südostecke ziert ein noch zweigeschossiger polygonaler Erker. Ein schmaler, einmal gebrochener Gebäudeflügel begrenzt den Hof nach Osten bzw. Nordosten.Am Knick erhebt sich ein quadratischer Treppenturm. Der 20 x 9 m messende Nordwestflügel war der ursprüngliche Hauptwohnbau. Die beiden Obergeschoss weisen jeweils einen Saal mit Vorraum auf. An der Nordostecke springt über einem fünfeckigen Unterbau ein quadratischer Erker vor. Den Hof prägt heute vor allem der noch zweigeschossige Arkadengang des Nordwestflügels. Im Westen erhebt sich auf einem Felsriff die Oberburg, die über einen kleinen Verbindungsbau an den Nordwestflügel angeschlossen ist. An den Bergfried schließt sich ein kleiner wehrhafter Wohnbau mit Hocheingang nach Norden an. An dessen Außenmauer bindet der Chor der außerhalb der Hauptburg auf einem Felsen stehenden Kapelle, eines gewölbten Saalbaus mit Westturm an. (B.E.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die wenigen, nicht stratifiziert geborgenen Funde des 13.-16. Jhs. vom Parkplatz, aus der Kapelle und vom "Schanzl" bringen wenig Erhellendes zur Baugeschichte. Hinzu kommt der Fund einer steinernen Kanonenkugel. (B.E.)