EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Neuhaus bei Schorndorf

Geschichte:

Als erster Besitzer erscheint 1254 in einer Reichenbacher Urkunde ein "Otto de novo castro". Unklar bleibt, ob es sich um ein Mitglied einer eigenständigen Familie oder eines Geschlechts aus der Umgebung wie der Buchberger oder der Sattelboger handelt. Teilweise angenommene Ursprünge der Anlage im 11./12. Jh. entbehren jeder Grundlage. Ein Zusammenhang mit den Sattelbogern bereits bei Gründung der Burg könnte dadurch an Wahrscheinlichkeit gewinnen, daß sich diese ab dem 14. Jh. als Besitzer nachweisen lassen. Einen indirekten Hinweis darauf gibt die Zeugenschaft von "Milot und Jacob von dem Newnhaus" für Friedrich Sattelboger 1320. 1351 ist dann Konrad Sattelboger als Burgherr gesichert. Die Burg war in verschiedene Anteile unterteilt. Eines davon besaß auch Friedrich Sattelboger, der sein Drittel 1373 an Seitz Puchberger veräußert. 1403 erscheint als Inhaber eines weiteren Anteils "Hainreich der Tanperger". 1421 ging der letzte Besitzanteil der Sattelboger an Christoph Schönsteiner. Siegmund der Puchberger ist als letzter des Neuhauser Familienzweiges hier von 1439-71 nachzuweisen. Nach seinem Tod 1481 kam Neuhaus an Bernhardin und Hieronymus von Stauf, unter denen 1488 der Status als Hofmark bezeugt ist. Aufgrund deren Beteiligung am Löwlerkrieg verloren sie den Besitz zeitweise. 1518/26 erwarb Marschall Ludwig von Pienzenau die Anteile der Brüder. Ab 1541 war Michael von Preysing Hofmarksherr, von dem Neuhaus 1570 an seinen Schwiegersohn Hieronymus von Seiboltsdorf und dessen Bruder Achatz überging. Über die Witwe des Letzteren kam N. 1599 an den Freiherrn Ferdinand Khuen von Belasi. Nach dessen Tod 1618 ehelichte seine Witwe Dietrich von Maxlrain, auf den 1629 Heinrich von Haslang und 1644 die Grafen von Törring- Jettenbach folgten. In deren Händen blieb die wohl 1641 zerstörte Burg bis 1829. Von 1829 bis 1918 gehörte Neuhaus dem Haus Thurn und Taxis, seither der Brauerfamilie Schauer aus Sattelpeilnstein. (B.E.)

Bauentwicklung:

Zwischen dem mittleren 13. Und dem beginnenden 14. Jh. ist der Kern des mächtigen Wohnturms anzusetzen. Wohl in der 2.Hälfte des 14.Jh.s entstand die Mantelmauer mit dem angebauten zweiten Wohnbau im Norden der Anlage. In die 1.Hälfte des 15.Jh.s fällt die Errichtung der Zwingermauer um den Hügelfuß mit ihren Schalentürmen. Zeitlich nicht näher einzuordnen sind der Rundturm an der Nordspitze der Anlage und der rechteckige Bau innerhalb des Zwingers an der Südseite. (B.E.)

Baubeschreibung:

Der gesamte Burgfelsen war von einem bis zu 20 m breiten Graben umzogen, der unter Wasser gesetzt werden konnte und feindseitig mit einer Futtermauer versehen war. 1906 noch weitgehend sichtbar, ist er heute nur noch im Osten auf eine Breite von 6-7 m und einer Tiefe von 1 m erhalten. Jenseits des Grabens verlief die nur im Norden und Osten erhaltene, 0,4-0,6 m starke Zwingermauer von noch 2 m Höhe mit noch zwei halbrunden Schalentürmen mit Schlitzscharten im Osten. Im Bereich des heutigen Zugangs im Süden steht am Hang ein rechteckiger Baukörper, bei dem offen ist, ob es sich um einen Turm zur Sicherung des Aufgangs oder um ein nachträglich eingefügtes Gebäude evtl. in Zusammenhang mit einem Bierkeller im Burgberg handelt. Der ursprüngliche Zugang zog vermutlich entlang der Westseite zu einem etwas tiefer gelegenen Plateau an der Nordspitze. Hier stehen die Reste eines in ein Häuschen integrierten Rundturmes von 6,5 m Durchmesser. Teilweise wird an dieser Stelle ein Zugang über einen Felseinschnitt zum gegenüberliegenden Hang angenommen. Vom Turmplateau führte der Zuweg zu einer höheren Terrasse an der Westseite der Burg. Hier ist in der völlig abgebrochenen Ringmauer das Tor zur Kernburg anzunehmen, doch könnte es auch an der nördlichen Schmalseite gelegen haben. Die Oberburg beschreibt ein im Osten zum Fünfeck erweitertes Rechteck von 50 x 25 m. Diese wurde von einer 1,7 m starken und 6 m hohen Mantelmauer umzogen, die aber nur noch in einem Rest im Anschluss an den Wohnturm erhalten ist. Von einem L-förmigen Wohnbau im Westen bzw. Norden der Oberburg sind ebenfalls nur Fundamentreste erhalten. Dagegen sind vom Wohnturm an der Südostecke umfangreiche Reste vor allem der Süd- und Ostwand des 20 x 13 m messenden Baus erhalten. Von den die Geschossen wurde das unterste als dreiräumiger Keller genutzt. Das 1.OG war das Hauptgeschoss. Es weist fünf stichbogige Fensteröffnungen mit Sitznischen auf. Deren gemauerte Sitzbänke waren mit Holzbrettern abgedeckt. Einige Nischen weisen hölzerne Wandschränke auf. Das 2.OG zeigt deutlich schmälere Öffnungen mit Rechteckfenstern. Von hier aus erfolgte der Übergang zum Wehrgang der Mantelmauer, an dem Reste eines Abtritts erhalten sind. (B.E.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bei Bauarbeiten fanden sich 1925 im Bereich des Grabens drei Hufeisen und Keramik. Weitere Bodeneingriffe wurden in Zusammenhang mit den Burgfestspielen vorgenommen, doch erfolgte keinerlei Dokumentation. (B.E.)