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Rötz

Geschichte:

Die Anfänge einer möglicherweise der Ministerialität der Schwarzenburger zuzurechnenden Familie reichen mit dem quellenmäßig allerdings etwas unsicheren "Pabo de Rehsce" scheinbar bis ins 12. Jh. Die Familie, für die 1331 in Rötz eine "hawsung" genannt ist, kann bis 1345 nachgewiesen werden. Nach dem Aussterben der Rötzer kam die Anlage angeblich an die Satzenhofener. Vom ausgehenden 15. Jh. bis 1522 war sie Besitz der Familie Henkelmann, dann von Wolfgang Eittenharter, 1522-24 von Anna von Bernklau, dann bis 1536 von Georg von Rornstett. Bis 1545 sind die Muracher hier belegt, dann bis 1565 Elisabeth Hofer, bis 1597 die Familie Halbritter, bis 1616 der Pfleger Lukas Hartlieb. Der eigentliche Amtssitz war aber offiziell die Schwarzenburg bzw. deren Bauhof. Die Pilgl als neue Besitzer mussten wohl 1629 als Lutheraner Rötz verlassen. Erst 1652 ist mit dem Pfleger Engelbert von Hirschau ein neuer Bewohner bekannt. 1656 erfolgte die Erwerbung durch en Schönthaler Klosterschreiber Hanns Ruprecht. Ab 1669 wurde das Pflegamt hier untergebracht, zwischen 1716 und 1720 ist auch eine Nutzung als Kaserne belegt. Nach Aufhebung des Pflegamts 1803 diente die Anlage bis 1840 als Schule und seit 1832 zudem bis heute als Brauerei. (B.E.)

Bauentwicklung:

Der Sitz der Rötzer wird allgemein im späteren Schlossbereich angenommen, doch muss offen bleiben, ob es sich tatsächlich um eine befestigte Anlage gehandelt hat. Der älteste Teil der heutigen Baulichkeiten, der Nordflügel, dürfte noch auf das 15. Jh. zurückgehen. Nach 1507 wurde die Anlage in die neu angelegten Stadtbefestigung einbezogen und erhielt mit deren südwestlichem Eckturm einen zusätzlichen Wehrturm. Im 16. Jh. scheint sie aus zumindest drei zweigeschossigen Flügeln bestanden zu haben. Im Hof erhob sich ein diese deutlich überragender Turm. Diese bauliche Gestalt bestand noch 1616. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde wohl 1641 die Anlage stark beschädigt, da sie 1644 nur noch aus der Ummauerung mit dem Eckturm und dem Nordflügel mit Treppengiebel bestand. Für 1669 sind umfangreiche Baumaßnahmen belegt. Möglicherweise gehen der heutige West- und Südflügel auf diese Zeit zurück. Der Ostflügel ist weitgehend ein Bau des 19. Jh.s, doch weisen Eckquader auf integrierte ältere Bauteile hin. Nach einem verheerenden Brand 1842, dem auch die Erker und Treppengiebel des Hauprflügels zum Opfer fielen, erhielt die Anlage weitgehend ihr heutiges Aussehen. (B.E.)

Baubeschreibung:

Die Baulichkeiten umschließen als rechteckige Vierflügelanlage einen Innenhof, dessen Nordostecke unbebaut ist und als Zufahrt dient. Der zweigeschossige Hauptflügel im Norden mit 7:3 Fensterachsen und überwölbter mittiger Durchfahrt besitzt heute ein Walmdach. Die zweigeschossigen Gebäudeflügel im Westen und Süden stammen hauptsächlich aus dem 17./18.Jh. Ersterer bewahrt im Inneren zahlreiche barocke Gewölbe, letzterer lehnt sich an die Stadtmauer an. Der dreigeschossige Ostflügel dient heute als Sudhaus. Er stammt hauptsächlich aus dem 19. Jh., doch lassen Quader im EG der Hofseite ältere Bausubstanz erkennen. Insgesamt läßt das Innere der Baulichkeiten mit teils sehr starken Mauern, zahlreichen Mauerversätzen und den weitläufigen Kellern eine komplizierte Bauentwicklung erahnen. (B.E.)