EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Siegenstein

Geschichte:

Die Erbauer und ersten Besitzer der inmitten von wittelsbachischem Territorium gelegenen Burg waren die Siegensteiner, die zur Ministerialität der Regensburger Bischöfe gehörten.1253 erscheint als erster Vertreter der Familie ein "dilectus fidelis noster Ulricus de Sigenstein". Allerdings reichen die Nachweise der Familie nur bis 1265. Die Burg scheint bald pfandweise in andere Hände gekommen zu sein, denn während noch 1281 Herzog Ludwig II. der Regensburger Kirche das "castrum Sigenstein" bestätigt, verpfändet er die von Heinrich Seman um 237 Pfd. Pfennige erworbene Anlage selbst schon im Folgejahr für 197 Pfd. Pfennige an Konrad von Ehrnfels. Doch noch 1282 verkauft der Herzog die Burg wieder an den Bischof. Heinrich Seman scheint jedoch hier wohnhaft geblieben zu sein, da ihn noch 1297 der Herzog auffordert, die Anlage endlich dem Bischof zu übergeben. 1307 erhielt Reinboto von Schwarzenburg Siegenstein pflegweise, 1327 war Heinrich von Hauzendorf Pfleger. Bald darauf scheinen die Bischöfe Siegenstein wieder verpfändet zu haben, da 1329 Ulrich von Lichtenberg die Burg von Dietrich Auer erhält und Kaiser Ludwig d. Bayern öffnet. Damit beginnt eine ganze Reihe von Öffnungsverpflichtungen, die sich durch 14. und 15. Jh. ziehen. Auf der Burg saßen meist Pfleger. Seit 1352 gehörte sie den Pfälzer Wittelsbachern, die sie vor 1366 den Zengern verschreiben. 1368 löst Albrecht Closner von Arnsdorf die Pfandschaft um 950 Pfd. Regensburger Pfennige. 1369 scheint es um S. eine kriegerische Auseinandersetzung gegeben zu haben, da die Closner dem Pfalzgrafen einen Revers über entstandene Schäden ausstellen und Urfehde schwören. 1370 löst der Pfalzgraf Siegenstein wieder ein und lässt es wieder von Pflegern verwalten, doch ist erschon 1389 zum erneuten Verkauf an Andre Zenger gegen Zusicherung der Öffnung und des Wiederkaufsrechts gezwungen, doch starb der Zenger schon 1390. Zwischen 1394 und 1411 wird Siegenstein an Konrad Pulsdorfer verpfändet, dann an die Herzöge von Niederbayern-Straubing-Holland, die hier ebenfalls Pfleger einsetzen. Bei der Teilung des Straubinger Erbes 1429 fällt Siegenstein zunächst an Bayern-Ingolstadt, dann an Bayern-München. Kurz darauf lösten die Pfalzgrafen Siegenstein wieder ein, verpfändeten es aber 1431 wieder an die Herzöge Ernst und Wilhelm III. von Bayern-München. Letzterer verpfändete die Burg im gleichen Jahr um 600 fl. an Dietrich Mooshammer. Ab 1446 blieb die Pfandschaft unter Vorbehalt der Öffnung bis ins frühe 17. Jh. in Händen der Prackendorfer. Zwischen 1600 und 1620 löste das Bistum Regensburg die Pfandschaft an der bereits 1606 stark ruinösen Burg endgültig ein. Die Anlage wurde im Dreißigjährigen Krieg endgültig zerstört, der Besitz wurde jedoch als hochstiftische Hofmark weitergeführt. (B.E.)

Bauentwicklung:

Die Burg wurde in einem Zug im mittleren 13. Jh. erbaut, etwas später folgte die außerhalb gelegene Kapelle. 1368 wurde Albrecht Closner von Arnsdorf verpflichtet, auf die Burg die Pfandsumme von 950 Pfd. Regensburger Pfennigen zu verbauen. Möglicherweise stehen damit die im Befund erkennbare Aufstockung von Wohnbau und Ringmauer in Zusammenhang. 1431 sollten die Herzöge Ernst und Wilhelm III. von der Pfandsumme von 700 Pfd. Regensburger Pfennigen nach dem Willen des Pfalzgrafen 300 Pfd. auf die Burg verbauen. Den erhaltenen Resten nach zu urteilen scheint Siegenstein im 15./16. Jh. aber nicht mehr verstärkt und ausgebaut worden zu sein. Die bereits 1606 ruinöse Burg wird dann im Dreißigjährigen Krieg endgültig zerstört und aufgegeben. (B.E.)

Baubeschreibung:

Die kleine Kernburg beschreibt ein unregelmäßiges Trapez von 26 x 19,5/15,5 m. Nach Westen, wo ein Torturm gestanden zu haben scheint, übernahm ein kurzer Halsgraben die Sicherung, während nach Osten ein natürlicher Einschnitt im Fels offenbar lediglich vertieft wurde. Die Ringmauer ist in ihrem Verlauf gut erkennbar. Am höchsten Punkt in der Nordostecke deutet ein Schutthaufen auf den wohl quadratischen Bergfried hin, den auch historische Ansichten zeigen. Zumindest im Süden waren Wohngebäude direkt an die Ringmauer angebaut, was der hier erhaltene 10 m hohe Reste aus 1,6 m starkem Quadermauerwerk zeigt, der offensichtlich einmal aufgestockt wurde. Der Mauerrest weist zwei Schlitzfenster und eine Sitznische auf. Die Kernburg war zumindest nach Süden von einer Vorbefestigung umgeben, die möglicherweise die Wirtschaftsgebäude schützte. Davon sind aber im Gelände nur wenige Spuren wie ein zwischen die Felsen geschlagener Tordurchlass erkennbar. Ob sich diese Befestigung auch weiter nach Osten und Nordosten erstreckte und auch die Kapelle und den Brunnen umfasste, lässt sich nicht sagen. Die Burgkapelle St. Georg steht 30 m östlich der Kernburg jenseits des felsigen Einschnitts. Der flachgedeckte Saalbau mit eingezogener überwölbter Apsis weist noch Teile der originalen Ausstattung auf. Der Zugang erfolgte von Westen über ein kleines Spitzbogenportal. Die Westempore verfügt über einen zusätztlichen Außenzugang. Die Belichtung des Inneren besorgen zwei Spitzbogenfenster in der Apsis, drei in der nördlichen Schiffswand und eine Dreiergruppe aus zwei Spitzbogenfenstern und Oculus mit Vierpaß in der Westwand. Unmittelbar westlich der Kapelle befindet sich ein offenbar auf einen Quellhorizont zielender Brunnenschacht.(B.E.)