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Windischbergerdorf

Geschichte:

Ob bereits für das 12. Jh. mit einer diepoldingischen Ministerialenburg zu rechnen ist, bleibt offen. Zwischen 1282 und 1298 sind Pergerdorfer als Ministerialen der Puchberger, stets als "miles" bzw. "dominus" bezeichnet, genannt. Die weitere Überlieferung ist lückenhaft. So ist offen, ob der 1337 genannte "Laetwein" von Windischbergerdorf., der 1390 erwähnte "Chunrad der Chelnnar zu Pergendorf" und der 1407 auftauchende "Dietreich der Hofmair von Pergendorf" als Besitznachfolger auf die Anlage zu beziehen sind. 1450 wird lediglich ein "Gut Pergerdorff" erwähnt. 1488 wird "Hilprant von Wonsiedl" als Inhaber des Landsassengutes genannt, das von 1503-1532 in Händen der Lauterer war. Weitere Besitzer waren Jörg Prenner und 1544 Hans Wenstl, dessen Sohn den 1605 zur Hofmark erhobenen Besitz 1608 an Sebastian Berghofer veräußert, der als Protestant 1628 auswandern mußte. Seine Nachfolger wurden bis 1652 Christoph Hörl, bis 1663 die Familie Mair, bis 1677 Simon Kellner, bis 1680 Mathias Koch, bis 1742 die Familien Vischl bzw. Rabl, bis 1778 Johann Martin Obersberger, bis 1794 Max Carl von Rechthaler und bis 1809 Joseph von Bugniette. Der neue Besitzer Anton Saxl mußte wegen Brandschäden Windischbergerdorf bis 1857 vollständig an Georg Lankes verkaufen. Dieser nahm 1881 die bis heute bestehende Besitzteilung der Anlage vor. (B.E.)

Bauentwicklung:

Aus dem späten 13. Jh. dürften die erhaltenen Reste des Bergfrieds stammen. Über die Größe und das weitere Ausehen der Anlage lassen sich nur Vermutungen anstellen. Wohl im 15. Jh., möglicherweise unter Hilprant von Wonsiedl wurde der große Wohnbau errichtet. Diesen baulichen Zustand zeigt auch die älteste Ansicht von 1568. 1633 und 1641 soll die Anlage stark beschädigt worden sein. Unter Michael Vischl soll vor 1693 eine erste Kapelle erbaut worden sein. Aber noch 1754 wird W. als "...in älteren Kriegszeiten schon sehr ruinieret..." bezeichnet. Auch M. Wening beschreibt Windischbergerdorf als "...geringes Landsessen=Guetl", stellt aber eine zweigeschossige Vierflügelanlage mit Eckturm, aber ohne Bergfried dar. Dabei könnte es sich auch lediglich um einen geplanten Bauzustand handeln. Doch bestand der Eckturm noch 1842, so dass auch der weitgehende Abbruch einer wohl im 16. Jh. entstandenen Anlage im 18. Jh. denkbar ist. Johann Martin Obersberger ließ nach 1756 die Anlage erneuern und eine neue Kapelle einrichten. 1828 fiel W. einem Großbrand zum Opfer, wurde aber wieder aufgebaut. Um 1860 bestanden Bergfried und Wohnbau wieder in alter Form. Um den rechteckigen Hof, dem nun jegliche Wehrhaftigkeit fehlt, gruppierten sich Wirtschaftsgebäude. 1876 wird der Bergfried um zwei Stockwerke reduziert. 1881 erfolgt die besitzrechtliche Teilung der Anlage, die sich noch immer in unterschiedlicher Farbgebung am Wohnbau spiegelt. Umbauten erfolgten dabei bis in jüngste Zeit. (B.E.)

Baubeschreibung:

Die Anlage wird beherrscht vom seit 1881 in Vorderes und Hinteres Schloss geteilten Hauptwohnbau, einem großen rechteckigen Bau mit zwei Vollgeschossen und hohem Satteldach. Der Westgiebel wurde nach einem Einsturz erneuert. Das heute weitgehend leerstehende Gebäude mit tiefen, stichbogig überwölbten Fensternischen weist im 1. OG noch eine barocke Raumeinteilung auf. Im östlichen Teil befand sich die Kapelle. Unter dem Dach befindet sich ein durchgehender Speicherraum. An der Nordseite des Baus erheben sich die Reste des Bergfrieds. Er ist nach der Abtragung von zwei Stockwerken und dem hohen Walmdach 1876 noch zwei Stockwerke hoch. Da er mit dem aufgestockten früheren Pferdestall unter einem gemeinsamen Dach zusammengefaßt ist, ist er als Turm kaum noch erkennbar. Lediglich die mit Buckelquadern gesetzte Nordwestecke lässt noch den ursprünglichen Charakter erkennen. Die Wirtschaftsgebäue, die um den nördlich anschließenden rechteckigen Hof gruppiert waren und sich wohl an die Ringmauer anlehnten, sind weitgehend verschwunden. Lediglich ein Gebäude trägt noch die inschriftliche Datierung 1780. Der Zugang dürfte im Nordwesten gelegen haben. Auch der Graben, der die Anlage nach Norden und Osten schützte, ist verfüllt. Zudem existiert die legendenhafte Überlieferung eines Ganges zur Burg Buchberg. (B.E.)