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Zandt

Geschichte:

Nennungen von Mitgliedern einer Familie von Zant in den Reichenbacher Traditionen im 1.Drittel des 12.Jhs. sind auf Zanthof bei Reichenbach zu beziehen. Auch der in einer auf 1160-1163/69 datierten Tradition des Klosters Rohr genannte "Wernherus de Zant" kann nicht gesichert auf diesen Platz bezogen werden. Eine vielfach für das 12. Jh. hier angenommene diepoldingische Ministerialenburg dürfte also auszuscheiden sein. In einer zwischen 1216 und 1223 datierten Urkunde des Klosters Oberaltaich werden Heinrich und Friedrich "de Zant" genannt. Diese sind mit größter Wahrscheinlichkeit hier anzusiedeln. Dabei ist durchaus an eine Verwandschaft mit der Regensburger Patrizierfamilie der Zante anzunehmen. Nach dem Aussterben der Familie, die ihren Besitz als Lehen des Bistums Regensburg innehatte, werden Hans I. Sattelboger und sein Vetter Friedrich 1382 mit der "hoffmarch ze Sant" belehnt, wobei bis 1439 Dorf und Sitz als getrennte Lehen vergeben wurden. Nach dem Tode Konrads II. Sattelboger kam der gesamte Besitz zu Z. an seinen Schwiegersohn Christoph Schönsteiner, der ihn 1424 an Jörg Ramsperger veräußerte. Schon 1425 wird die Hofmark wieder geteilt, wobei Hans II. Sattelboger zu Geltolfing mit dem "Sitz zu Szannt" belehnt wurde. Zu einem unbekannten Zeitpunkt kommt Niklas Ramsperger in den Gesamtbesitz von "Sitz, Dorf und Hofmark", die er 1439 an Friedrich III. Thierlinger verkauft. Die Thierlinger blieben bis 1536 im Besitz von Zandt, als Georg I. die Hofmark unbeschadet der Lehensrechte des Bischofs an Michael von Gleißenthal verkaufte. Die Familie blieb nun, abgesehen von mehreren Scheinverkäufen der protestantischen Familie im zeitlichen Umfeld des Dreißigjährigen Krieges, in verschiedenen Linien bis 1851 im Besitz von Zandt. Damals erfolgte der Verkauf an Emanuel Ritter von Lenk auf Dietersberg. Ab 1887 erlebte die Anlage rasche Besitzerwechsel. 1949 wurde sie vom BRK übernommen. (B.E.)

Bauentwicklung:

Über das Aussehen der für das 13. Jh. anzunehmenden ältesten Anlage gibt es keine Anhaltspunkte. Spätestens für das 14. Jh. ist von einer burgartigen Anlage auszugehen. 1399 wird für deren Kapelle eine Wochenmesse durch Konrad II. Sattelboger gestiftet. 1425 wird erstmals ein "Sitz" explizit genannt, der 1441 als "Schloss" bezeichnet wird. Ins 15. Jh. dürften auch die ältesten Teile des heutigen Baus gehören. 1527 werden "ein gemauertes Schloss" und dazu "Capelle, Tafern, Schmidt vnd Pökkenstatt" genannt. Vorausgegangen war offenbar eine Wiederherstellung der wohl im Landshuter Erbfolgekrieg beschädigten Anlage durch Ebo V. von Thierling. Dieser ließ auch die Kapelle neu ausstatten. Ob die Anlage damals noch befestigt war, ist nicht sicher zu sagen. Es ist am ehesten von einer nur einfach ummauerten Wohnburg auszugehen. Die ältesten Ansichten aus der Zeit um 1550 zeigen das vom achteckigen Treppenturm überragte Hauptgebäude von Norden mit flachem Satteldach und dem nordwestlichen standerkerartigen Eckturm, neben dem sich ein noch bestehendes Wirtschaftsgebäude erhebt. Nach den Zerstörungen 1633 oder 1641 wurden wohl durch Hans Ludwig von Gleißenthal Wiederherstellungsmaßnahmen und umfangreiche Neubauten im Wirtschaftshof, der über ein großes Torhaus zu betreten war, durcheführt. Im späten 18. bzw. 19. Jh. wurde das Hauptgebäude um das Doppelte nach Süden verlängert.Nach 1851 wurde die gesamte Anlage neugotisch umgestaltet, wobei die Ecktürme auch heute wieder vermauerte Schlüsselscharten erhielten. Im 19. / 20.Jh. wurden vor allem die Baulichkeiten des Wirtschaftshofes vielfach abgebrochen bzw. umgebaut. 1950-52 und 1980-82 wurde das Hauptgebäude massiv umgestaltet. (B.E.)

Baubeschreibung:

Die Baulichkeiten der Anlage umschlossen einen längsrechteckigen, Nord-Süd gerichteten Hof, an dessen Nordostecke das Hauptgebäude stand. Dieses ist ein langgestreckter zweigeschossiger Bau von 46,5 x 13,5 m. Der tiefer am Hang gelegene Nordteil ist über einem hohen Sockel errichtet. Die Giebel werden von neugotischen Treppengiebeln bekrönt. Auch der nordöstliche der beiden übereck gestellten Türme wie auch deren Zinnenkranz geht erst auf den Umbau von nach 1851 zurück. Dies gilt auch für die heute wieder vermauerten Schlüsselscharten im Sockelgeschoss beider Türme. In der Mitte der westlichen Traufseite erhebt sich der sechsgeschossige 18 m hohe achteckige Treppenturm mit ebenfalls neugotischem Zinnenkranz. Er besitzt noch die originale, mit einer flachen Halbtonne überwölbte Wendeltreppe um eine dicke Mittelspindel. Er markiert den Übergang vom älteren zum neueren Teil des Hauptbaus. Er wird z.T. fälschlich als Überrest der Burg des 13. Jhs. angesehen. Im teilunterkellerten Nordteil des Hauptbaus befinden sich im EG zwei tonnengewölbte Räume, im 1.OG eine eine einfache Balkendecke des 16. Jhs. Der Südteil, dessen Fenster teils noch die originalen Empiregitter aufweisen, befinden sich im EG zwei parallele Längstonnen mit Stichkappen. Der südwestlich anschließende Hof war allseitig umbaut und über einen dreigeschossigen Torturm an der Nordseite zugänglich. Gut erhalten ist lediglich der zweigeschossige Bau mit hohem Walmdach zwischen Schloss und Torturm, der bereits 1550 bestand. Die anderen Gebäude sind abgebrochen oder stark verändert. (B.E.)