EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Freienstein a.d.Donau

Geschichte:

Bereits um 1000 erscheinen die Gfn. v. Ebersberg im Raum Ybbs mit bedeutendem Besitz. Einer gefälschten Urkunde des 13. Jahrhunderts folgend kommt Freienstein um 1037 durch die Ebersberger an ihr Hauskloster Geisenfeld. In der späten Babenbergerzeit ist Freienstein landesfürstlich. 1268 erscheint "Gaidemarus de Vrienstain". Durch Kg. Rudolf I. kommt die Burg an Konrad v. Sumerau, dessen angebliche Übergriffe auf Kaufleute auf der Donau 1284 zur Eroberung durch Hzg. Albrecht I. führen. 1295 wird die Burg wegen Teilnahme des Sumerauers am Ministerialenaufstand "zerstört". Die landesfürstliche Herrschaft wird in der Folge mehrfach verpfändet, etwa an die Wallsee und Dachsberg, 1435 bis 1441 sind die Eitzinger als Pfandherren nachweisbar. 1453 erhält Pankraz v. Plankenstein die Burg zu Lehen, muss sie jedoch teilweise wieder aufbauen. Um 1500 ist Freienstein im Lehensbesitz der Toppel. 1522 urgiert Ferdinand I. wiederholt die bessere Ausrüstung der Burg mit modernen Feuerwaffen. 1522/25 gelangt der Besitz als nunmehr freies Eigen an Gabriel v. Salamanca, Gf. v. Ortenburg. 1598 folgen die Althan, 1604 Johann Linßmayr, 1612 die Zinzendorf und 1657 die Starhemberg, unter denen die Burg schließlich aufgegeben wird.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Die komplexe Bauabfolge der Ruine lässt sich trotz überlieferter Zerstörungsdaten 1284 u. 1295 nicht gesichert mit konkreten Besitzerfamilien in Verbindung bringen.

Baubeschreibung:

Aufgrund der bemerkenswert steilen Topographie gliedert sie sich in einen tief gelegenen, aber gut isolierten Felskopf, der die Kernburg trägt, einen hochgelegenen Wehrturm sowie ein langes, verbindendes Burgareal.
Die stark verfallene Kernanlage belegt eine Grundfläche von maximal 20 x 30 m. Vom Berg ist sie durch einen großteils verschütteten Graben getrennt. Darüber stand auf einem Felsplateau einst ein Wohnturm, von dessen erster Bauphase nur die 7.8 m lange Ostmauer erhalten ist. Östlich anschließend folgen ein schmaler Torbereich sowie auf 20 m die Reste des Ostberinges. Sämtliche übrigen Bereiche dieser Erstanlage dürften bald abgestürzt bzw. zerstört worden sein. Die Mauerstrukturen zeigen außen blockhafte liegende Quaderformate in homogenen Einzellagen, innen sind die Strukturen kleinformatiger und weniger sorgfältig ausgeführt. Am Turm findet sich ein größerer Eckverband. Aufgrund der großen Formate in lockerem Verband ist als Datierung die 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts zu vermuten, aufgrund einer noch romanischen Ausbaustufe vielleicht das erste Viertel. Dieser Ausbau betrifft den unmittelbaren Torbereich, wo zwischen Tor und Turm ein kleiner Zwinger vorgesetzt wurde. Seine spärlichen Reste zeigen konsequente Einzellagen grob blockhafter Formate.
Ebenfalls noch vor der Mitte des Jahrhunderts dürfte der groß angelegte Ausbau der Burg bis zum oberen Turm erfolgt sein. In etwa 100 m Entfernung und deutlich oberhalb der Kernburg wurde ein Fünfeckturm mit maximaler Länge von 12.6 m derart vorgestellt, dass seine bugförmige Keilspitze schützend zum ansteigenden Berggrat weist. Dazwischen wurde aus dem Felsen ein tiefer Graben ausgehoben. Der nicht mehr begehbare Turm hat Mauerstärken um 3 m und einen rechteckigen Hocheinstieg, der über einen Holzgang vom anschließenden Wehrgang zu erreichen war. Gemäß Balkenlöchern gab es einen weiteren, nun durch ein Dach gedeckten Holzgang, der nur unmittelbar vor den Bering führte und demnach als Abortgang zu rekonstruieren ist. Bergseitig gab es außer dem weitgehend erhaltenen Zinnenkranz demnach keine offensiven Verteidigungseinrichtungen. Das Mauerwerk besteht aus großformatigen Quaderblöcken, die mit reichlichem Mörteleinsatz zu homogenen Einzelreihen geschlichtet sind. Mit der Höhe nimmt, bis auf die Eckquaderung, die Mauerqualität merklich ab. Ein seitlicher Wasserspeier deutet auf ein seit Beginn verstecktes Grabendach. Beiderseits schließen dem Keil folgend lange Beringmauern an, die den Turm mit der Kernburg verbinden und so ein 100 m langes, aber durchschnittlich nur 15 m breites Areal umgürten. Die weitgehend erhaltenen Mauern zeigen quaderhafte Blockstrukturen, in denen örtlich ausgeprägte Lagen von "opus spicatum" eingeschlossen sind, die Innenflächen sind weniger sorgfältig gearbeitet. Aufgrund der großen, aber noch der Einzellage verpflichteten Formate können Turm und Bering noch vor die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert werden, vermutlich noch unter den letzten Babenbergerherzog, der 1246 starb.
In der Kernanlage zeichnet sich ein weitgehender Neubau des Wohnturms sowie einer Hofmauer ab, die wohl zum Palas gehört haben wird. Das homogene, blockhafte Mauerwerk mit Eckquaderung ist noch kaum ausgezwickelt. Wesentlich zur Datierung dient ein liegendes Rechteckfenster, das gemeinsam mit der Bautechnik eine Datierung um 1300 nahe legt. Damit könnte dieser Umbau in Zusammenhang mit Zerstörungen 1284 bzw. 1295 stehen.
Kurz darauf muss es zu neuerlichen Umbauten gekommen sein. So datieren eine Neuanlage des Westberinges mit örtlichen Einbauten sowie eine Aufstockung des Ostberinges und weiter Teile des langen Beringes aufgrund der charakteristischen Bruchsteinstruktur in niederen Kompartimenten noch ins frühe 14. Jahrhundert. In der Folge wurde dem oberen Turm ein kleiner Zwinger vorgestellt und im Hof kleinere Umbauten ausgeführt.
Erst im frühen 16. Jahrhundert lassen sich wieder größere Baumaßnahmen nachvollziehen. Damals errichtete man vor der Kernanlage eine rechteckige Mantelmauer, deren Flanken heute weitgehend abgestürzt sind. Lediglich die fälschlich als Schildmauer bezeichnete Gratsperre hat sich mit einer Mauerstärke von 2.2 m gut erhalten. Sie zeigt ein zentrales Segmentbogenportal sowie breite Geschützscharten. Der Steinverband besteht aus netzartigen liegenden Strukturen. Dieser Bau könnte mit der 1522 von Kaiser Ferdinand I. veranlassten Aufstellung von Geschützen in Zusammenhang stehen.
(P.S.)