EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Gossam

Geschichte:

Die Gründung der Burg ist wahrscheinlich in Zusammenhang mit einer örtlichen Herrschaftsgründung durch die Grafen v. Pernegg zu sehen. Mehrere, tlw. mit Vorbehalt anzuführende Nennungen eines Ulrich "de Gosheime" treten in den 70er und 80er Jahren des 11. Jhs. auf. Ulrich II. nennt sich zwischen 1084 und 1140 sowohl nach Pernegg als auch nach "Gossisheim". Ulrich III., zwischen 1130 und 1170 als Gf. v. Deggendorf, Pernegg und Weitenegg nachweisbar, nennt sich 1130/38 nach "Gossisheim". Nach 1200 dürfte Goßam im Zuge der Besitznachfolge der Pernegger an die Babenberger gekommen sein. Nach Verlust der Sitzfunktion und dem vermutlichen Verfall der Burg erlangt die Kirche im 14. Jh. Bedeutung als Wallfahrtsort, was im 15. Jh. seinen Höhepunkt erreicht. Die Reformationszeit ab dem 16. Jh. leitet den langsamen Verfall der Anlage ein. Letzte Gottesdienste werden noch 1780 gehalten. Pläne für eine Rettung der um 1900 noch unter Dach befindlichen Kirche werden verworfen, nach temporären Sicherungsarbeiten werden erst 1988/94 umfassende Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt.
(G.R.)

Bauentwicklung:

Der umfangreiche Baubefund sowie das keramische Fundmaterial bestätigen den schriftlich überlieferten frühen Bestand eines örtlichen Herrschaftssitzes der Gfn. v. Pernegg. Auch das frühe Ende nach Herrschaftsübernahme durch die Babenberger konnte archäologisch bestätigt werden.

Baubeschreibung:

Bis zur 1988 - 1994 erfolgten Freilegung durch den Verein für Dorferneuerung und Kulturinitiativen Goßam und einer einhergehenden archäologischen Untersuchung unter Aufsicht des Bundesdenkmalamtes war ausschließlich die Ruine der ehem. Burg- und späteren Wallfahrtskirche Hl. Pankraz vorhanden. Die vordem nur geringen, überwachsenen Mauerreste am Burghügel ließen nach den Untersuchungen den ehem. Bestand einer relativ frühen, durchaus komplexen Burganlage erkennen. Die meist nur im Fundamentbereich erhaltenen Mauerzüge der Burg wurden bei der abschließenden Sicherung rezent nachgebildet, wobei das Geschick der ausführenden Maurer hervorgehoben werden muss, das sehr nahe an die Tradition spätmittelalterlicher Mauertechnik heranreicht.
Im zentralen Bereich des Hügels bildete ein kleinräumiges Bering-Polygon einen Kernbereich der Burg. Mehrere Mauerzüge bildeten einen gegen N und NO hangabwärts situierten Vorburgbereich aus, der folglich auch die zugangsseitig gestellte Burgkapelle einschloss. Diese lässt sich anhand in den späteren Kirchenbau integrierter, aufgehender Mauerteile als nahezu quadratischer, nach NO orientierter Apsidensaal rekonstruieren. Das kleinteilige, hammerrechte und streng lagerhaft verlegte Mauerwerk, das sich partiell auch im Sockelbereich der Beringteile findet, lässt sich allgemein in die 1. H. d. 12. Jhs. datieren. Die an der N-Wand der Kapelle erhaltenen Teile einer rom. Freskenausstattung um 1120 wurden 1961 abgenommen und werden derzeit im Museum Krems aufbewahrt. Die Teile der Burgkapelle wurden ab dem 14. Jh. als O-Bereich in einen erweiternden Kirchenbau einbezogen, der sekundär einen auf dem Fels des Kernbereiches aufsitzenden W-Turm mit polygonalem Glockengeschoß und einen gemauerten, 8-eckigen Spitzhelm erhielt. Im späten Mittelalter erhielt der als Wallfahrtskirche dienende Bau ein über die volle Länge reichendes S-Schiff, das jedoch in späterer Zeit durch Vermauerung der offenen Verbindungsbögen außer Funktion gesetzt wurde. Div. weitere Bauteile im Burgbereich, vor allem im N der Kirche, sind in Zusammenhang mit der Funktion als Wallfahrtsort zu sehen.
Die anlässlich der Untersuchungen zutage getretenen Keramikfunde lassen eine Besiedlung ab dem 10. Jh. vermuten, die nach einem Höhepunkt im 12. Jh. ein jähes Ende im 13. Jh. fand. Eine dementsprechend frühe Bebauung ließe sich nur als Holzbau deuten, die heute erkennbaren frühen Bauteile sind wegen der Mauerstruktur und Freskenausstattung ab dem frühen 12. Jh. zu datieren, wobei die bereits durchaus mehrteilige Verbauung Ausbauphasen im 12. Jh. nahe legt. Ein Abbild der sozialen Verhältnisse ab dem 17. Jh. geben die etwa 31 festgestellten, nicht offiziellen Bestattungen von Früh- oder Totgeburten im ehem. Burgbereich nahe der Kirche.
(G.R., P.S.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Grabungen durch das Bundesdenkmalamt (Gustav Melzer), Funde des 10.-13. Jhs.