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Persenbeug

Geschichte:

Bereits 970 ist ein "Otker de Persinpiugin", ein Gefolgsmann der Grafen von Sempt-Ebersberg, genannt. Der Name lässt sich über weitere 70 Jahre im Traditionsbuch des Klosters Ebersberg nachweisen, was auf mindestens zwei Generationen dieses Geschlechts hindeutet. Für diese Zeit ist bereits ein namengebender Sitz anzunehmen. 1029-1041/44 tritt ein ritterlicher Vasalle namens Wernher als Zeuge in Erscheinung. Persenbeug war Eigen der Grafen von Ebersberg, die Herren von Persenbeug hatten nach Weltin (NÖUB 1) die Burg entweder zu Lehen oder waren Burggrafen. Es dürften jedoch seitens des Klosters Ebersberg Ansprüche auf die Burg bestanden haben, da noch im klösterlichen Urbar von ca. 1300 Persenbeug als klösterlich-eberbergisches Lehen des Landesfürsten genannt wird. Überliefert ist der Aufenthalt Kaiser Heinrichs III. auf der Burg im Jahre 1045, im Zuge seiner Ungarnreise, als nach dem Tod des letzten Grafen von Ebersberg, Adalbero, dessen Erbe geregelt werden musste. Bei den Festlichkeiten stürzte der Boden der "domus" zur darunterliegenden Badestube ein, wobei mehrere hochrangige Personen des kaiserlichen Gefolges getötet wurden. Aus dem Bericht ist für diese Zeit ein bereits repräsentativer, gut ausgestatteter Sitz zu erfassen. 1051 ist ein weiterer Aufenthalt Kaiser Heinrichs III. auf Persenbeug urkundlich belegt. Ende des 11. Jahrhunderts ist Persenbeug Besitz der Kaiserinwitwe Agnes, durch sie gelangt der Besitz an Markgraf Leopold III. Seit dieser Zeit wird Persebeug durch Burggrafen verwaltet, die 1240 genannt werden, später seit dem Edne des 14. Jahrhunderts durch verschiedene Pfandherren. Ein älterer Georg von Seisenegg ist 1432 Pfandinhaber von Persenbeug, ab 1491 sind die Prüschenk-Hardegg in dieser Position. 1495-1519 behält sich Kaiser Maximilian I. Die Herrschaft als persönlichen Besitz und nutzt das Schloss als Jagdsitz. Unter Kaiser Ferdinand I. wird Persebeug an die Roggendorf, Tschintl, und Hans von Prösing verpfändet. 1571 wird die gute Erhaltung und Ausrüstung des Schlosses mit Waffen und Munition beschrieben. Kaiser Rudolf II. verkauft 1593 die Herrschaft als freies Eigen an die Grafen Hoyos, die bis 1800 im Besitz verbleiben. In diesem Jahr kauft Kaiser Franz I. Schloss und Herrschaft. Seither befindet es sich im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen sowie Waldburg-Zeil. (T.K., G.R., A.H.Z.)

Bauentwicklung:

Während aus historischen Quellen der Bestand eines überregional bedeutenden Hochadelssitzes seit dem 10. Jh. erschließbar ist, reichen die heute befundbaren Bauteilen nicht vor die Zeit um 1300 zurück. Unter den Gfn. Hoyos erfolgt ab 1620 der Aus- und Umbau zum Schloss, unter welchen die in Barock-Gotik ausgestattete Schlosskapelle von 1621 besonders hervorzuheben ist.

Baubeschreibung:

Zum sanft ansteigenden Berghang ist die Terrasse durch tiefe künstliche Felseinschnitte getrennt, die zumindest teilweise durch hier laufende Straßenanlagen verändert sein dürften. Ein östlich folgender Hügelsporn könnte im Spätmittelalter in die Verteidigung einbezogen gewesen sein, nördlich schließt außerhalb ein wuchtiger Schüttkasten an.
Das Hochschloss besteht aus 4 relativ homogenen 3-geschoßigen Trakten, die einen annähernd rechteckigen Innenhof umschließen. Da bis auf vereinzelte Stellen sämtliche Mauern verputzt sind und mittelalterliche Baudetails fehlen, kann eine Bauanalyse weitgehend nur auf einer Auswertung des Grundrisses basieren, die keinesfalls endgültig ist. Demnach zeichnet sich entlang der Felskanten ein primärer kastellförmiger Bering ab, der auf trapezförmiger Fläche Seitenlängen von 63 x 67 bzw. 79 x 94 m zeigt. Diese bemerkenswerte Größe mag auf das sicherlich ältere Burgareal zurückzuführen sein, dennoch wurden für die relativ kompromisslos-rechteckige Anlage tiefe Fundierungen in Kauf genommen. Lediglich die nicht sicher nachvollziehbare Südseite dürfte dem Felsen folgend leicht rundlich verlaufen sein. Die Mauerstärken differieren deutlich zwischen 3 m (Bergseite) und 1.8 m (Donaufront). Die gefährdete Ecke zum ansteigenden Berg ist bugförmig gespitzt, sie wird vom ehemaligen Bergfried (Michaelsturm) besetzt, der mit Seitenlängen von fast 12 m und Mauerstärken von 3 m einst die Burg dominierte. Noch heute weist der Turm 5 Geschoße auf, wobei unter den Gewölben noch die Auflager ehemaliger Balkendecken zu erkennen sind. Das örtlich einsehbare Mauerwerk zeigt lagerhafte Bruchsteinstrukturen, die gemeinsam mit den enormen Mauerstärken eine Datierung E. 13./A. 14. Jh. nahe legen. Hinweise auf ältere, integrierte Bauteile gibt es nicht. Auch von mittelalterlichen Hofeinbauten gibt es keinerlei Reste. Lediglich im SW zeichnen sich ebenerdig vorstehende Mauern ab, sie lassen jedoch bereits die Suche nach einem möglichst rechtwinkeligen Hof erkennen und dürften daher erst nachmittelalterlich zu datieren sein.
Ab 1620 wurde der gesamte innere Burgkomplex umgestaltet. Grund dürften Plünderungen von 1619 im Rahmen des Dreißigjährigen Krieges gewesen sein. Über tiefen homogenen Kellergewölben, die wohl sämtliche älteren Bauten ersetzten, errichtete man einen frühbarocken Mehrflügelbau, der durch schwere Kappengewölbe auf mächtigen Mauern ausgezeichnet ist. Bemerkenswert ist die um 1621 (inschriftlich) datierte Burgkapelle, deren nach Westen orientierter Dreikonchenchor isoliert frühe neogotische Elemente aufweist. An der Südfront wurde sekundär ein breiter Stiegenturm mit hohem Zwiebelhelm aufgesetzt, dessen Mischmauerwerk keinerlei mittelalterliche Reste aufweist. Er ist vielmehr als typischer Stiegen- und Uhrturm des Frühbarock anzusehen, wie er regional besonders beliebt war. 1649 zeigt Merian an der Talseite eine dreifache Torzwingerfolge, von der sich heute ein stark überformter Torbau erhalten hat. Die Ausstattung der Innenräume geht im Wesentlichen auf das 17. und 18. Jh. zurück. Das Brunnenbecken im Hof stammt aus dem späten 18. Jh. Der Bau ist heute, als Wohnung und Sitz der Güterdirektion genutzt, in einem ausgezeichneten baulichen Zustand.
(P.S.)