EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Dill

Geschichte:

Die Anfänge der Burg Dill reichen bis ins erste Viertel des 12. Jhs. zurück. Bei der Gründung des Klosters Springiersbach tritt erstmals ein "Adalbertus de Dille" in Erscheinung, der dem Grafengeschlecht von Mörsberg angehörte und Dill sehr wahrscheinlich von seiner Mutter aus dem Erbe der Nellenburger erhalten hatte. Durch seine Tochter gelangte Dill bald nach 1124 an die Grafen von Sponheim. Im Zuge einer Teilung der sponheimischen Burgen und Besitzungen blieb Dill 1287 in gemeinschaftlichem Besitz beider Linien (Sponheim-Kreuznach und Sponheim-Starkenburg). Die regierenden Grafen überließen Burg Dill ihren jüngeren Brüdern bzw. ihren Witwen als Sekundogenitur bzw. Wittum. 1329 erfolgte die Belagerung und Einnahme der Burg Dill durch den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg in der sogenannten Schmidtburger Fehde. Neun Jahre später, 1338, empfingen die Grafen von Sponheim Dill als Lehen der Trierer Kirche. Der Anteil des Hauses Sponheim-Kreuznach ging 1414 an die Linie Sponheim-Starkenburg über. Unter Johann V. von Sponheim erlangte die Talsiedlung Dill Stadtrechte. Nach dem Aussterben der Sponheimer 1437 fiel Dill an die "Gemeinherren", die Markgrafen von Baden, Kurpfalz und die Grafen von Veldenz. Der Veldenzer Anteil gelangte später an die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken. Burg Dill diente als Sitz der Amtleute und wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1697 von den Franzosen zerstört. Ein 1753 auf dem Gelände der "Niederburg" errichtetes Amtshaus wurde 1804 auf Abbruch verkauft. Nach mehrfachem Besitzerwechsel gelangte die Burgruine schließlich an die Familie Castendyck aus Traben-Trabach, die sich um die Erhaltung der Anlage bemüht. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte der Burg Dill konnte bislang noch nicht hinreichend geklärt werden. Aus der Gründungsphase der Burg im frühen 12. Jh. haben sich vermutlich keine sichtbaren Mauerreste mehr erhalten. Reste von Kernmauerwerk im Fischgrätverband auf dem höchsten Punkt der Oberburg stammt vermutlich von einem Bergfried und könnten in die hochmittelalterliche Zeit datieren. Der imposante Wohnturm in der Mitte der Oberburg entstand in der Zeit nach der Eroberung von Dill durch den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg. Als Erbauungszeit kommt die zweite Hälfte des 14. Jhs. bzw. das frühe 15. Jh. in Betracht. Im Bereich der Niederburg entstand nach der Zerstörung der Burganlage 1697 im Jahr 1753 ein schlichtes Amtshaus, das schließlich 1804 auf Abbruch versteigert wurde. Teile der Anlage wurden in den 1960er und 1970er Jahren gesichert. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

In der durch eine polygonale Ringmauer (teilweise Fischgrätverband) mit Zwinger befestigten Oberburg der einfache, "kastenförmige" Wohnturm (18 m x 12 m). Östlich davor die Niederburg mit der vermutlich aus der Burgkapelle hervorgegangenen ev. Kirche von 1701. Im Süden und Westen die Vorburg, in die der Burgweg mündete, der auf der Nordflanke des Felsens entlang führte. Die Ruine des ursprünglich wohl viergeschossigen Wohnturms (4. Etage = Wehrgeschoss) weist einen mit zwei Halbkreistonnen versehenen Keller auf. Von den drei Mittelpfeilern blieb der westliche erhalten. Besondere Beachtung verdienen die als Baubefund nachweisbaren Nischen für die Holzvertäfelung einiger Räume sowie der Fund von spätgotischen Halbzylinderkacheln. Von der Niederburg, auf deren Areal sich jetzt Gärten erstrecken, blieben im wesentlichen Reste der Ringmauer erhalten. Die Wasserversorgung der Burg wurde durch zwei Brunnenanlagen sowie eine Wasserleitung, die vom gegenüberliegenden Hang zur Burg führte, sichergestellt. Bei der Unterburg handelt es sich um eine von der Ringmauer eingefasste Terrasse. (Busso von der Dollen; Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

Zu Beginn des 20. Jh.s sammelte der damalige Eigentümer der Burgruine, G. Röhrig, einige Kleinfunde (Keramik) in einem Museum, dass 1980 geplündert wurde. Reste des Fundgutes wurden 1961/65 wiederaufgefunden. Zur Datierung des Wohnturms in das 14./15. Jh. werden u. a. einige dort aufgefundene grün- und gelbglaiserte mit Maßwerkmotiven versehene spätgotische Halbzylinderkacheln herangezogen. (J.F.)