EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Weitenegg

Geschichte:

Um 1150 gelangt das Gebiet, zuvor im Besitz der Gfn. v. Peilstein-Tengling, an die Gfn. v. Pernegg. Um 1180 ist Gf. Eckbert v. Pernegg im Besitz der Burg Weitenegg nachweisbar. 1218(?) - 1235 war Weitenegg in Händen der älteren Lengenbacher, nach deren Aussterben kam es an die Babenberger. 1263 erscheint ein Heinrich Steiner als Bgf. auf Weitenegg. Vorübergehend sind die Kuenringer mit Weitenegg belehnt, die Hft. fällt jedoch nach dem Aufstand Leutholds v. Kuenring an die Habsburger zurück. In der Folge wird die Burg von Bgfn. verwaltet, so von dem 1318 genannten Ludwig v. Offing. 1301 - 1364 gehört Weitenegg zur Witwenrente der Königin Agnes v. Ungarn, der Tochter Hzg. Albrechts I. Albrecht III. und Leopold III. verpfänden Weitenegg ihrer Schwägerin, der Herzogin Violanta Visconti. Ein Hans v. Liechtenstein erscheint bis 1395 als Pfandinhaber. 1452 wird die Burg durch ein ständisches Aufgebot erobert, 1457 gelangt sie in die Hand des Ladislaus Posthumus und ist vorübergehend Wolfgang Holzer, Bürgermeister von Wien, anvertraut. Jörg v. Seisenegg erobert auf landesfürstlichen Befehl die Burg, die folglich an Kaspar v. Rogendorf und 1492 den Prüschenk verpfändet wird. 1513 überlässt K. Maximilian I. Weitenegg im Tausch mit Wimberg den Hrn. v. Seisenegg, die 1531 an die Hrn. v. Lappitz verkaufen. Weitenegg wird mit Leiben vereinigt und ist seit 1796 im Besitz des Kaiserhauses. Die ab dem 16. Jh. festungsmäßig ausgebaute Burg wird 1645 von schwedischen Truppen erfolglos belagert. Vischer zeigt die Burg 1672 noch als bewohnbare Anlage, erst E. d. 17. Jhs. wird sie als Wohnsitz aufgegeben. 1832 stürzen donauseitige Bauteile ab, um 1870 wird der mittelalterliche O-Turm zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen. 1918 gelangt der Besitz an den Kriegsgeschädigtenfonds, später an die Österr. Bundesforste. Seit 1983 im Besitz der Fam. Wipplinger.
(G.R.)

Bauentwicklung:

Große Teile der Burg mit 2 Türmen, einem Saalbau mit Beringabschnitten datieren in die 1. H. d. 13. Jhs. und könnten daher unter den Lengenbachern bzw. unter den Babenbergern errichtet worden sein. Neben zahlreichen Um- und Ausbauten des späteren 13.-15. Jhs. Adaptierungen zum Burg-Schloss erfolgen im 16. u. 17. Jh., auch diese sind mit keinen überlieferten Baunachrichten in Verbindung zu bringen.

Baubeschreibung:

Der schmale Sporn, der den Weitenbach zu einer scharfen Abwinkelung zwingt, bietet durch die vom westl. Vorgelände weitgehend isolierte Lage für die 110 m lange und max. 25 m breite Burganlage ausreichenden natürlichen Schutz.
Die der Topographie folgende Anlage weist ein überaus stark gegliedertes, durch die stark ineinandergeschachtelten Bauteile des Mittelalters und der Neuzeit geprägtes Erscheinungsbild auf. Durch die massive spätmittelalterliche und neuzeitliche Überarbeitung lässt sich die Burg des Hochmittelalters nur noch partiell erfassen. Als ältester erhaltener Bauteil ist der bereits von A. Klaar als "Palas" bezeichnete, etwas unregelmäßig ausgebildete Rechteckbau im Zentrum der N-Seite erkennbar. In Bereichen der NO-Ecke zeigt der ca. 20 x 7 m große Bau sehr lagerhaftes, quaderartiges Mauerwerk mit stark betonter Eckausbildung. Der hier stark hinter das Gebäude versetzte Bering verzahnt mit der östl. Stirnseite, während die hofseitige Palaswand sekundär angestellt erscheint. Eine Putzfehlstelle im Inneren der O-Wand zeigt primären, quaderhaften Mauerverband mit Kellenstrich. Mehrere zugesetzte, hochmittelalterliche Öffnungen des Baues legen durch umgebendes Bruchsteinmauerwerk eine sekundäre Entstehung bzw. eine spätere Umgestaltung nahe. An der gegenüberliegenden S-Front lässt sich durch vermindert lagerhafte Strukturen und zugesetzte Rundbogenöffnungen ein noch dem 13. Jh. angehörender, 32 m langer und ca. 6 m tiefer, saalbauartiger Bau rekonstruieren, der offensichtlich durch mehrere Querbögen gegliedert war. Während der spätrom. Ausbauphasen, in der 1. H. d. 13. Jhs., entstanden die beiden endbetonenden Bergfriede. Der zugangssichernde O-Turm, ein 11,40 x 10 m großer Bau mit 2,60 m Mauerstärke, lässt durch seine noch sehr lagerhaften, der Einzellage verbundenen Strukturen einen geringen zeitlichen Abstand zum 10 x 10 m großen W-Turm vermuten, der über das Mauerwerk eine spätere Errichtung vermittelt. Der von G. Seebach als früher Bauteil rekonstruierte "Saalbau" im O der N-Front ist sekundär an den O-Turm angestellt, durch das grobblockige, lagerhafte Bruchsteinmauerwerk aber noch dem 13. Jh. zuzuweisen. Die darüber hinaus von Seebach gegenüberliegend rekonstruierte Gebäude- und Beringsituation, die im Zuge des stark gekrümmt verlaufenden S-Berings einen sekundär überbauten "Turm" bildet, ist durch Baunähte nachvollziehbar, jedoch kaum vor 1300, mglw. in das 14. Jh. zu datieren. Das Burgtor des 13. Jhs. rekonstruiert Seebach an der SW-Ecke des somit stark vortretenden, flankierenden O-Turmes.
Im Spätmittelalter wurden westl. Teile des N-Berings neu errichtet, dabei im W des "Palas" ein Küchenbau mit pyramidenförmigen Rauchabzug und an der N-Seite des W-Turmes eine massive, keilförmige Verstärkung gebaut. Eine gleichzeitige Aufhöhung des Turmes war mit einem umlaufenden hölzernen Wehrgang versehen, der im frühen 16. Jh. durch den auf Konsolen ruhenden, vorkragenden Umgang ersetzt wurde. Die zunehmende Bebauung freier Beringfronten ist im Spätmittelalter begonnen und in der Neuzeit, ab dem 16. Jh. vorangetrieben worden. Dem 16. Jh. entstammt der kleine Küchenbau, der gegenüber der großen Küche dem Saalbau des 13. Jhs. vorgestellt wurde. Im 16., vor allem im 17. Jh. wurde der Bau zeitgemäß schlossartig umgestaltet, wobei es zu tieferen, massiven Eingriffen, Überbauungen und Adaptierungen an der hoch- und spätmittelalterlichen Substanz kam. Die Baumaßnahmen heben sich durch Mischmauerwerk und die großen, stuckierten Fensteröffnungen deutlich ab. Zwischen "Palas" und "Saalbau" wurde nahe der beiden Küchenbauten ein bogengetragener Quertrakt über den Hof gebaut, der im Obergeschoß anhand der Reste stuckierter Gewölbe einen großen Saal erkennen lässt. Diese Überbauung wiederholte man weiter östl. zwischen "Saalbau" und S-Bering, wodurch der ehem. durchgängige Hofraum in 3 Abschnitte gegliedert wurde. Die nunmehrige, durchwegs 3-gesch., repräsentativ gestaltete Bebauung ist im letzten Ausbaustand auf dem Vischer-Stich von 1672 erkennbar. Durch den guten Bauzustand, aber nicht zuletzt durch die Felslage, konnte die Burg trotz des Fehlens bastionärer Befestigungen noch 1645 gegen schwedische Truppen gehalten werden.
Die dem O-Turm vorgelagerte Vorburg kann auf Bauteile des 13./14. Jhs. zurückgehen, wird aber bis in das 16./17. Jh. ausgebaut. Hierher mündet der donauseitige Aufgang zur Burg, der mit einem kleinen, ab dem Spätmittelalter anzusetzenden Vorwerk gesichert wurde.
Die nach Absturz div. Teile bereits sehr gefährdete Anlage wurde in jüngster Zeit durch den Eigentümer, dem Betreiber der benachbarten Farbenfabrik, mit Liebe und großem Einsatz tlw. gesichert und mit der nötigen Infrastruktur für kleine private Feste versehen. Dabei wurde auch der W-Turm mit einer neuen Stiegen- und Dachkonstruktion versehen.
(G.R., P.S.)