EBIDAT - Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstitutes
Burgen an Rhein und Donau

Menu

Aggstein

Geschichte:

Vor dem 13. Jahrhundert gibt es keine urkundlichen Nachrichten zur Burg. Die bis heute kolportierte Gründungszeit "um 1100" oder "vor 1113" geht auf eine im 19. Jahrhundert noch innerhalb der Kapelle sichtbare Jahreszahl zurück, die als erneuertes Baudatum der Burg oder eines Vorgängers der Kapelle gedeutet wurde, bei der es sich aber vermutlich um ein fehlerhaft gelesenes Weihedatum aus dem 16. Jahrhundert handelt. Kanonisch geworden ist die Auffassung der Gründung Aggsteins durch den Edelfreien Manegold III. von Aggsbach-Werde (nach Büttner), der zwischen 1115 und 1125 in einigen Melker, Göttweiger und Klosterneuburger Urkunden als Zeuge belegt ist. Ab 1181 erscheinen die Edelfreien von Aggswald-Gansbach, sie werden (von Büttner) als Burgbesitzer in der Nachfolge der Manegolde angesehen. Nach dem Aussterben der Linie dürften sie von den Kuenringern beerbt worden sein, zu denen wohl verwandschaftliche Beziehungen bestanden (Wappengleichheit). Hadmar III. von Kuenring (genannt 1204-1233) kann als erster historisch erschließbarer Besitzer von Aggstein gelten. 1231 und 1295/96 soll die Burg im Zuge der von den Kuenringern angeführten Ministerialenaufstände eingenommen und gebrochen worden sein. Mit dem Aussterben der Dürnsteiner Linie der Kuenringer 1355 kam Besitz in Aggstein über die Erbtochter Anna an Heidenreich von Maissau, der gemeinsam mit seiner Frau die Kartause Aggsbach als Familiengrablege gründete. Die Burg selbst ist durch eine Kuenringerin an die Liechtensteiner gekommen, wie aus einer Urkunde von 1408 hervorgeht, in der "daz purgstal Akxstain" als Liechtensteiner Besitz aufscheint (Urk. Vaduz). 1429 vergibt Herzog Albrecht V. das "öd Haws genant Akstain in Wolfstainer Lantgericht gelegen das etwenn von untat wegen zebrochen worden ist und noch also oed ligt" an seinen "getrewn lieben Jörg der Schekh von Wald unser Kamermaister", der die Burg ausbauen ließ und sich auch in den Besitz nahe gelegener Güter und Rechte brachte. Nachdem sich der "Schreckenswald" gegen den Kaiser gestellt hatte, verlor er 1463 die Burg. Auch seine Nachfolger, Georg von Stein (1463-1476) und Ulrich von Grafenegg (1476/77) gerieten in Gegensatz zum Landesfürsten und fielen in Ungnade. Die Habsburger ließen die Burg forthin durch Pfleger verwalten, mussten sie aber auch wiederholt verpfänden. Anna von Polheim, die Witwe des letzten Pfandinhabers Andreas Wolf von Polheim, kaufte die Burg 1606 und ließ die "Mittelburg" erweitern. Sie vererbte den Besitz an ihren Vetter Otto Max von Abensberg-Traun. Nach ihrem Tod wurde die Burg stark vernachlässigt. 1685 verkaufte Gräfin Isabella Constantin von Kronegh die Herrschaft Aggstein an die Grafen Starhemberg, die Aggstein mit ihrer Herrschaft Schönbühel vereinigten und die Baulichkeiten dem Verfall überließen. Mit der Herrschaft Schönbühel kam Aggstein 1819 an die Grafen Beroldingen, die sich um die Erhaltung der Ruine bemühten, und schließlich 1930 an die Grafen Seilern zu Aspang-Schönbühel. (M.K., G.R.)

Bauentwicklung:

Der hochmittelalterliche Bestand kann mangels engerer Datierung mit keiner der frühen Besitzerfamilien in Verbindung gebracht werden. Unter Georg Scheck v. Wald erfolgt 1429-1436 der große Ausbau zu gestaffelten Abschnittsbefestigung mit mehrfachen Schildmauern sowie dem Ausbau der Wohnbauten unter Einbeziehung hochmittelalterlicher Mauern. (G.R.)

Baubeschreibung:

Die bekannte Burgruine liegt weithin sichtbar ca. 2 km nördl. von Aggsbach-Dorf bzw. 1 km nordöstl. des Dorfes Aggstein auf einem aus dem Massiv des Dunkelsteiner Waldes gegen das Donautal vorspringenden Felssporn. Die Lagestelle liegt 320 m über dem Tal, die ausgesetzte und innerhalb des gesamten Bundeslandes kaum Vergleiche bietende Topographie bot sich als Bauplatz für eine hochmittelalterliche Burg wohl geradezu an, die Herausforderungen, die an die Erbauer – und nicht zuletzt an die Bewohner – gerichtet waren, werden bei einem Besuch deutlich. Bestimmend für die Ausdehnung und die strukturelle Entwicklung der Burg waren die beiden, den O-W-verlaufenden Sporn dominierenden Felsköpfe. An der westl. Talseite über der Donau liegt der so g. „Stein“, die östl. Zugangsseite wird vom so g. „Bürgel“ dominiert. Beide Felsköpfe waren bereits in die Gründungsanlage einbezogen und bebaut. Der übrige Bauplatz, der sich sowohl zwischen den Felsköpfen als auch nördl., östl. und südl. des „Bürgels“ befindet, musste teilw. mühsam, unter Errichtung gewaltiger Substruktionen, dem Gelände abgerungen werden. Die letztlich bebaute Fläche erreicht eine Länge von über 140 m und eine maximale Breite von 40 m. Die aufgrund der Ausdehnung entsprechend stark gegliederte Anlage besteht vereinfacht dargestellt aus dem Wohnbereich auf dem „Stein“, der östl. bis zum „Bürgel“ sich erstreckenden „Mittelburg“ mit Wohn- und Wirtschaftsbereichen sowie dem „Bürgel“ selbst, an dem sich nördl. und östl. die als Abschnittsanlage gestaltete und stark befestigte Zugangssituation anschließt. Die erhaltene Anlage geht äußerlich auf den massiven Neubau ab 1429 zurück, strukturell liegt jedoch in hohem Maß die hochmittelalterliche Burg zugrunde, von der bedeutende Bauteile in den Neubau integriert wurden oder deren Fundamente die Basis der jüngeren Mauern bilden. Der „Stein“ war vermutlich von Anfang an wohnlicher und repräsentativer Mittelpunkt. Hier ist schon im Hochmittelalter ein kleinräumiger, gesonderter Bereich mit Wohnbau und Kapelle zu rekonstruieren, deren Reste die Basis für die spätmittelalterlichen Bauteile bilden bzw. innerhalb derer noch erhalten sind. Hochmittelalterliche Fundamente sind auch an der Außenseite des Berings zu beobachten, der den „Stein“ im W umschließt und im S die Basis für den späteren „Frauenturm“ bildet. Die hochmittelalterlichen Mauern bestehen hier teilweise aus einem lagigen, blockigen Bruchsteinmauerwerk mit häufigen opus spicatum-Einschüben, an weniger prominenten Stellen wurde jedoch einem kleinteiligen, lagerhaften Bruchsteinmauerwerk der Vorzug gegeben, das anhand opus spicatum-artiger Einschübe entsprechend zu datieren ist. Eine weitere hochmittelalterliche Bebauung befand sich rund 75 m östl. auf dem rund 27 m hohen „Bürgel“, hier lässt sich ein durchschnittlich 24 x 10 m großer Bau über abgewinkeltem Grundriss erschließen, wobei das rund 1,50 m starke Mauerwerk einen mehrgesch. Saal- bzw. Wohnbau vermuten lässt. Der urspr. Zugang lag an der W-Seite, die Lage erforderte bis zur Errichtung des spätmittelalterlichen Treppentürmchens wohl eine kühne Holzkonstruktion, von der sich noch Ausstemmungen an der S-Seite des Felsens finden. Das Mauerwerk zeigt hier besonders ausgeprägte, aus riesigen Steinplatten bestehende opus spicatum-Einschübe. Trotz der Höhe des Felsens setzt an der SO-Ecke des Baus ein Rest des hochmittelalterlichen Berings an, der vermutlich entlang der gesamten S-Front bis zum „Stein“ lief. Die Mauer besteht entgegen dem sonst eher plattigen Material der hochmittelalterlichen Teile aus kleinen, teilw. hammerrecht bearbeiteten Blöcken, was auf eine zeitliche Differenz hinweist. Ein hochmittelalterlicher Beringabschnitt ist weiters an der N-Seite zwischen dem spätmittelalterlichen „Türnitz“ und dem zum „Stein“ aufsteigenden Fels erhalten. Ähnlich wie die Teile im S ist auch hier ein lagiges, hammerrechtes Bruchsteinmauerwerk zu beobachten. Die über 5 m starke Schild- bzw. Tormauer zur „Mittelburg“ markiert wohl die Baulinie der hochmittelalterlichen Zugangssituation, denn sie integriert einen weiteren Mauerrest mit opus spicatum und pietra rasa-Putz. Die Situierung dieser Beringabschnitte lässt erschließen, dass während der frühesten Bauphasen nicht nur die beiden Felsköpfe, sondern bereits die gesamte „Mittelburg“ in die Bebauung einbezogen war. Da auch keine indirekten Quellen die Errichtung der Gründungsanlage zeitlich eingrenzen, bleiben nur die Mauerwerksbefunde, die eine Diskussionsgrundlage zur Datierung der ältesten Burg bieten. Eine relative Einordnung ist nur zwischen dem Gebäude auf dem „Bürgel“ und dem sekundär angebauten südl. Bering möglich, die weiteren hochmittelalterlichen Bauteile lassen keinen direkten Bezug zueinander erkennen. Die als hochmittelalterlich zu wertenden Mauerstrukturen zeigen eine große Bandbreite in der Ausbildung, wofür Bauphasen, Baufortschritte und Wertigkeiten verantwortlich sein können. Die Bauteile auf dem „Stein“ und auf dem „Bürgel“ zeigen Mauerwerksstrukturen aus Bruchsteinen, die prinzipiell noch als lagig gesehen werden können, die jedoch material- und wertigkeitsabhängig oft zu einem lagerhaften bis überraschend regellosen und kleinteiligen Bruchsteinmauerwerk wechseln. Ein Indiz für die hochmittelalterliche Zeitstellung ist jedoch das in allen Bereichen präsente, nur auf die Wertigkeit reagierende opus spicatum. Die Mauerstruktur des sekundär errichteten Berings zeigt sich durch das blockige bzw. würfelige, hammerrechte Material durchaus qualitätsvoller, was verm. an der urspr., heute nur im Fundament erhaltenen S-Front eine Steigerung erfuhr. Aufgrund des Mauerwerksbefunds ist für den Bering eine Errichtung im späten 12. Jh., spätestens um 1200 anzunehmen, der Baubeginn dürfte nicht wesentlich früher, wohl im letzten V. d. 12. Jhs. anzusetzen sein. Für die auf breiter Basis postulierte Errichtung im frühen 12. Jh. fehlt jeder Befund. Die S-Front der „Mittelburg“ wird vom so g. „Kanzleitrakt“ bestimmt, dessen Keller angeblich erst aus dem 15. Jh. stammt und in der Neuzeit erweitert wurde. Nach dem Mauerwerksbefund geht der gesamte Trakt jedoch auf einen gewaltigen Saal- bzw. Hallenbau des Hochmittelalters zurück. Entsprechend einzuordnendes Mauerwerk ist in den Kellern, wo Einschübe mit opus spicatum auftreten, sowie in oberen Ebenen zu beobachten, wo es teilw. pietra rasa-Putz mit Kellenstrich trägt. Nach dem Aufmaß erreicht der auffallend regelmäßige und bereits primär mit Binnenmauern unterteilte Bau eine Länge von 52 m und eine Breite von über 12 m. Aufgrund des Mauwerks datiert der Bau in die 1. H. d. 13. Jhs. In den Kellern ist zu beobachten, dass die Binnenmauern jedoch in den äußeren Bering laufen, der sich von außen betrachtet eindeutig als spätere Baumaßnahme zeigt. Offensichtlich wurde nahezu der gesamte Bering, mglw. aufgrund einer – quellenmäßig nicht belegbaren – Zerstörung oder eines Bauschadens, neu errichtet. Die Schartenformen und das feldseitig sichtbare, zu deutlichen, durchlaufenden Kompartimenten zusammengefasste Bruchsteinmauerwerk lassen eine Errichtung im späten 13. Jh. vermuten. Lediglich an der äußeren Basis sind örtlich Lagen großer, hammerrechter Blöcke erhalten, die mglw. vom Fundament des hochmittelalterlichen Berings stammen. Beim Neubau fanden großteils hammerrechte Blöcke, wohl Spolien des urspr. Berings, Verwendung, es bleibt jedoch unklar, ob der Saalbau an diesen angebaut war oder ob bereits bei dessen Errichtung der gesamte Bering neu gebaut wurde. Bislang wurde übersehen, dass auch im Bereich des „Steins“ Mauerabschnitte vorhanden sind, die zwischen den großen Bauphasen des Hoch- und Spätmittelalters anzusetzen sind. Entsprechende Abschnitte finden sich am westl. Bering oder im Bereich des so g. "Schatzturms", besonders ausgeprägt jedoch zwischen dem Kapellensockel und dem Hocheinstieg zum „Stein“, wo das lagerhafte Bruchsteinmauerwerk noch sorgfältig „gelegt“ erscheint. Daraus ist zu schließen, dass es ab dem späten 13. Jh. und während des (frühen) 14. Jhs. zu weiteren Baumaßnahmen kam, die jedoch gegenüber dem Neubau des 15. Jhs. in den Schatten treten. Aktuelle historische Untersuchungen liefern Indizien, wonach die Gründung der Kartause Aggsbach 1380 durch die Maissauer restriktiv auf die Baugeschichte der Burg gewirkt haben könnte. Die wohl schon früher eingesetzte Mindernutzung schloß mglw. spätere Bautätigkeiten aus und führte bis A. d. 15. Jhs. zur Verödung der Burg. Nachdem Georg Scheck von Wald 1429 das „öde Haus“ übernahm, begann er mit dem ungewöhnlich stark und innovativ befestigten, repräsentativen und wohl auch entsprechende Finanzmittel verschlingenden Wiederaufbau. Unter Einbeziehung der ruinösen Bauteile des Hoch- und Spätmittelalters entstand binnen weniger Jahre die noch heute erhaltene Burganlage. Über den hochmittelalterlichen Fundamenten des „Steins“ wurde eine neue Kernburg errichtet, die im N aus dem „Schatzturm“ und der Kapelle besteht. Die gotische Kapelle, die ein 2-jochiges Kreuzrippengewölbe besaß, benutzt die Substruktionen ihres hochmittelalterlichen Vorgängers, wobei Teile dieses ehem. Apsidensaales auch im aufgehenden Mauerwerk erhalten sein könnten. In der Südost-Ecke entstand ein großvolumiger, wohnturmartiger Bau, der „Frauenturm“, der heute wohl nicht mehr in seiner ursprünglichen Höhe erhalten ist. Dort befanden sich die eigentlichen privaten Wohnräume, darunter 2 ofenbeheizte Stuben, während der kaminbeheizte „Schatzturm“ mglw. als herrschaftlicher Rückzugsort konzipiert war. Entsprechend aufwändig war der Zugang zu diesem angelegt, der vom Obergeschoß des „Frauenturms“ zu einer, nur über den westl. Wehrgang erreichbaren, kleinen Tür im Obergeschoß führte. Im N und O des „Bürgels“ gruppierte man die als Abschnittsanlage konzipierte Vorburg mit 2 äußeren Toranlagen und einer auch den „Bürgel“ im S umfassenden Ringmauer. Der innere Torbau mit dem im Untergeschoß eines turmartigen Ausbaus gelegenen "Verließ" geht verm. auf ein älteres, isoliert angelegtes Vorwerk des 14. Jhs. zurück. Der äußere Torbau zeigt hingegen ein sehr charakteristisches, eher für die Zeit um 1500 denkbares Netzmauerwerk. Das dritte Tor, das den Zugang zur „Mittelburg“ vermittelt und das wohl anstelle des hochmittelalterlichen Burgtores liegt, durchbricht die ungewöhnlich massive und bis zu 5,25 m starke Mantelmauer, an die westl. die weit in den Abgrund vorgeschobene Gebäudegruppe von Küche und „Türnitz“ anschließt. Der im S der Mittelburg situierte Saalbau wurde durchgreifend adaptiert. Nach dem Baubefund wurde bereits im 15. Jh. der heutige Zustand hergestellt, die für das frühe 17. Jh. angenommene „Errichtung“ ist lediglich in Form geringfügiger Ergänzungen bzw. Adaptionen vorhanden. Der östl. anschließende „Brunnenturm“, dessen N-Seite an den „Bürgel“ angebaut ist und von dem ein schmaler, östl. situierter Hof mit Wirtschaftsgebäuden zu betreten ist, ist ein späterer Ausbau. Das hofseitig angebrachte Kreuzstockfenster datiert mit seiner charakteristischen Verstäbung bereits in das frühe 16. Jh., ist aber, wie eine Bildquelle des 19. Jhs. zeigt, erst später an dieser Stelle eingesetzt worden. Die spätmittelalterlichen Bauteile, die hauptsächlich ab 1429 entstanden, aufgrund der Befunde jedoch auch späteren Bauphasen zuzuweisen sind, zeigen generell ein sehr sorgfältiges, homogenes Zwickelmauerwerk und zeichnen sich durch einen ungewöhnlichen Detailreichtum und hohen Qualitätsstandard aus. Über dem Tor zur "Mittelburg" findet sich der Wappenstein Schecks, der das Jahr 1429 als Beginn der Bauarbeiten nennt. Die Stiftung einer Messe in der Kapelle 1436 indiziert die (weitgehende) Vollendung des Werks. Dem Wiederaufbau Schecks ist nicht nur aufgrund seiner gesicherten Datierung, sondern auch typologisch höchste Bedeutung beizumessen, da hier eine frühe, praktisch singuläre Lösung vorliegt, die als Reaktion auf die zunehmend ausgereifte Belagerungsartillerie jener Zeit zu sehen ist. Spätere Konzepte waren bereits offensiv zur Verteidigung mit Feuerwaffen eingerichtet, hier suchte man defensiv hinter den gewaltigen Mauerstärken der Mantelmauer zur „Mittelburg“ Schutz. Die bereits angesprochene Bautätigkeit des frühen 16. Jhs. hängt wohl mit der nur indirekt erschließbaren „Zerstörung“ durch die Türken 1529 zusammen, verbrieft ist aber lediglich, dass dem damaligen Inhaber Wilhelm v. Roggendorf 1531 Finanzmittel zur Befestigung der Burg zugesprochen wurden. Damals entstanden neben umfänglich kleineren Erweiterungen auch der „Brunnenturm“ und die östl. angeschlossenen Wirtschaftsgebäude, aber auch der gerundete Abschluss der um den „Bürgel“ laufenden Zwingermauer der Vorburg verweist auf eine Baumaßnahme des frühen 16. Jhs. Dieser Zeit ist verm. auch der auf Felsabtreppungen vor der Burg liegende Meierhof zuzuordnen, von dem stark ruinöse Bauteile erhalten sind. Eine 1542 datierte Zeichnung Wolf Hubers zeigt verm. den Zustand vor 1529 im spätmittelalterlichen Maximalausbau. Neben einigen Widersprüchlichkeiten ist dort zusätzlich eine weit ins Vorfeld gelegte Vorbefestigung mit tiefem Graben zu sehen, die in dieser Form topographisch nicht möglich ist. Reste von Futtermauern im Abhang östl. und südl. der Burg lassen jedoch eine ehem. Vorburg rekonstruieren, die wohl auch den Meierhof aufnahm. Die Bautätigkeit der frühen Neuzeit, für die das punktuell vorhandene Ziegelmauerwerk nicht zwingend als Indikator zu sehen ist, führte nicht zu tiefgreifenden äußerlichen Veränderungen, sie beschränkte sich in erster Linie auf unbedeutende Zubauten und Adaptionen des Inneren. Erst in dieser Zeit, frühestens ab 1531, kam es zur Anlage des berühmtesten Teils der Burg, des so g. „Rosengärtleins“, das erst nach dem Umbau einer spätmittelalterlichen Fensteröffnung zu einer kleinen Tür betreten werden konnte. Vischers Abbildung von 1672 zeigt die Burg noch intakt, aufgrund der Besitz- und Nutzungsverhältnisse ist jedoch anzunehmen, dass in dieser Zeit kaum mehr Bauarbeiten stattfanden. Ab dem 18. Jh. wurde die im Verfall stehende Burg als Materialspender genutzt. Erst unter den Starhemberg, verstärkt unter den Gfn. v. Beroldingen setzten im frühen 19. Jh. Erhaltungs- und Erschließungsmaßnahmen ein. Die Erforschung Aggsteins bildete das Lebenswerk des Architekten Eduard Reithmayer (1844–1931), der seine Ergebnisse 1911 veröffentlichte. Die von ihm erstellten Rekonstruktionen, bereichert durch zahlreiche romantische Bezeichnungen, wie "Frauenturm", "Schatzturm" oder „Türnitz“, sind vielfach präsent und prägen bis heute die Vorstellungen über das ehem. Aussehen der Burg. Das damalige, von historistischen Idealen geprägte Verständnis, das die Burg zudem als funktionelle „Kriegsmaschine“ präsentierte, ließ jedoch ein Übermaß an phantasievollen und überhöhenden Elementen entstehen. Die vor der Burg rekonstruierte, mehrtorige und einen serpentinenförmigen Torweg umfassende, wohl von Wolf Huber abgeleitete Vorburg ist wie der 7-gesch. „Frauenturm“ oder der riesige Turm auf dem „Bürgel“ ins Reich der Phantasie zu verweisen. Auch o

Arch-Untersuchung/Funde:

Streufunde im Zuge von Baumaßnahmen im ersten Burghof um 2005 (14. bis 19. Jh.).