EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Schaunberg

Geschichte:

Nach Forster wurde die Herrschaft Schaunberg um 1150 durch das bairische Adelsgeschlecht der Julbacher gegründet, von denen sich 1161 ein "vir nobilis et potens Heinricus de Scowenberch" nennt. Familienmitglieder treten in der Folge als Zeugen in Herzogs- und Kaiserurkunden auf, gegen Ende des 12. Jahrhunderts sind eigene Schaunbergische Hofämter wie Truchsess und Marschall bekannt. Im 13. Jahrhundert wird die politische Stellung weiter ausgebaut, 1249 wird der Einflussbereich als Gerichtsherren zwischen Donau, Traun und Salletwald angegeben. Durch Erbe und Heirat fallen große Güter im Attergau und im Mühlviertel sowie Vogteien für Klöster und Bischöfe an die Familie. 1289 bezeichnet Heinrich III. seinen Herrschaftsbereich als "terra nostra", noch vor 1300 taucht in Urkunden erstmals der Grafentitel auf, 1317 setzt sich schließlich der Name "Grafschaft Schaunberg" durch. Im 14. Jahrhundert stehen die Schaunberger auf dem Zenit ihrer Karriere, sie stellen den Kämmerer von Rudolf IV., sind Rat von Albrecht III. und Leopold III. und haben 1369-1373 die Hauptmannschaft im Land ob der Enns inne. 1367 gelingt durch den Kauf der Stadt Eferding eine Abrundung des Schaunbergischen Gebietes, ein 1371 angelegtes Urbar nennt rund 1.900 Wirtschaftseinheiten.
Doch schon kurz darauf kommt es zu Spannungen. Das Streben nach Unabhängigkeit führt zu Bündnissen mit den Herzögen von Bayern und dem Salzburger Erzbischof bzw. zur Abkehr vom Österreichischen Herzog, 1380 und 1383 kommt es im Rahmen der so genannten "Schaunberger Fehde" zu offenen Kampfhandlungen, bei denen die Hauptburg Schaunberg trotz dreimonatiger Belagerung nicht erobert werden kann. Nach einer politischen Einigung kommt es 1388 zur endgültigen militärischen Niederlage mit großen Gebietsverlusten, 1388 wird die Reichsunmittelbarkeit der Schaunberger zwar noch einmal bestätigt, 1390 müssen sie sich jedoch der Hoheit Österreichs unterwerfen. Im frühen 15. Jahrhundert stabilisiert sich die Situation, 1400 wird im Auftrag der Habsburger der abgesetzte König Wenzel von Böhmen auf Schaunberg gefangen gehalten. Um 1416 wird jedoch Eferding als neue Residenz ausgebaut, die Stammburg verliert ihre überregionale Bedeutung.
1559 stirbt der letzte männliche Schaunberger aus, es folgen längere Erbschaftsstreitigkeiten, die Herrschaft Schaunberg fällt schließlich an die Starhemberger, denen die Burgruine noch heute gehört. Noch 1594 zählt die Burg zu den festen Wehranlagen des Landes in Kriegszeiten, im 17. Jahrhundert treten jedoch merkliche Bauschäden auf, 1670 wird eine bemerkenswerte Bauanalyse zur Behebung der Schäden angelegt und diese offenbar auch durchgeführt, zeigt doch der Vischerstich von 1674 die Burg im guten Zustand. In der Folge kommt es zum raschen Verfall, 1809 wird die Burg bereits als "altes zerfallenes Schloss" beschrieben, das nicht mehr ohne Gefahr besucht werden kann, 1825 stürzt der Bergfried teilweise auf den Palas, 1830 beschreibt Pillwein bereits den Charme der Ruinen. Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert werden an den Torbauten Notdächer versetzt, seit 1957 führt der "Verein Schaunbergfreunde" umfangreiche Konservierungsmaßnahmen durch.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Von der ab der M. d. 12. Jhs. indirekt erschließbaren Burg des hochadeligen Geschlechts der Schaunberger haben sich keine obertägigen Reste erhalten. Der Bergfried des 13. Jhs. sowie der großartige Ausbau der Burg des späten 13.-14. Jhs. stammt aus der Blütezeit des Geschlechts. Nach der Verlegung des Stammsitzes der Schaunberger in die nahe Stadtburg in Eferding um 1400 sind keine bedeutenden Baumaßnahmen mehr auf der Burg feststellbar, trotz einer Sanierungsphase um 1670 schreitet der Verfall der Burg in der Neuzeit stetig voran.

Baubeschreibung:

Die umfangreichen Befestigungsanlagen von Schaunberg umfassen ein Areal von 17.500m², Schaunberg zählt damit zu den größten Burgruinen Oberösterreichs. Das über einen längeren Zeitraum entstandene Ensemble besteht aus einer ovalen Kernburg am äußersten Hügelsporn, der bergseitig eine große Vorburg sowie eine isolierte Toranlage vorgestellt sind. Aufgrund exakter Bauaufnahmen und Analysen von Götting bzw. Aigner, Reichhalter sowie Forster lässt sich die Baugeschichte der Burg gut rekonstruieren:
Ältester erhaltener Teil ist demnach der Bergfried, der nach dem Teileinsturz 1825 heute zur Hälfte aufrecht steht. Sein fünfeckiger Grundriss bildete einen stumpfen Keil, der bugförmig zum Angreifer gerichtet war und der somit den Zugang zur Kernburg beherrschte. Der Turm besteht aus zwei Bauphasen, die sich durch das Mauerwerk aber auch durch einen vermauerten Zinnenkranz deutlich abgrenzen. Die Mauerstärke beträgt ebenerdig 3.5 m bzw. durch den quadratischen Innenraum am Keil fast 8 m. In etwa 7 m Höhe liegt der Hocheinstieg ins gewölbte Hauptgeschoß, eine Stiege in der Mauerstärke führt ins nächste Geschoß, die Gesamthöhe betrug zunächst etwa 22 m. Das für Österreich einzigartige Mauerwerk zeigt zu den Angriffsseiten großformatige "Megalithblöcke" sowie an den Kanten Buckelquader. Hofseitig finden sich jedoch kleinere, grob blockhafte Strukturen in lockeren Einzellagen. Ähnliches Megalithmauerwerk ist vor allem in der Schweiz und Süddeutschland zu finden, hierzulande jedoch unbekannt. Die Bautechnik, die Betonung der Schauseiten sowie das ausgefeilte Erschließungssystem erlauben eine Datierung jedenfalls ins 13. Jahrhundert, das eher schlampige Steingefüge deutet wohl in die Mitte des Jahrhunderts.
Noch im ausgehenden 13. Jahrhundert wurde ein Großteil der polygonalen Ringmauern (wohl auf älterem Grundriss) mit maximal 70 m Durchmesser errichtet. Auf diese Zeitstellung deuten die charakteristischen hohen Scharten und das niedrige Kompartimentmauerwerk. Mit der Mauer waren zwei randständige Gebäude verzahnt: Westlich stand hinter dem Bergfried ein etwa 15 x 22 m großer Bau, von dem sich nur spärliche Reste erhalten haben. Aufgrund seiner Größe ist er wohl als ehemaliger Palas anzusprechen. Gegenüber haben sich stark überformte Teile eines ca. 13 x 15 m großen Gebäudes mit kleinteiliger Innengliederung erhalten, die wohl als Wohnbau zu interpretieren sind.
Im frühen 14. Jh. setzte ein gewaltiger Ausbau der Burg ein, der in mehreren Etappen zur übersteigerten Monumentalisierung der Baukörper führte. An der Kernburg wurde zunächst die Eingangsfront mit doppelter Toranlage neu errichtet. Dabei verwendete man den regional unüblichen Typus der Wippbrücke, bei dem die Zugbrückenachse in der Mitte liegt und somit beidseitige Gräben möglich werden. Steinmetzzeichen verraten nach Hainisch Beziehungen zur Dombauhütte von St. Stephan in Wien. Der Ostbering der Kernburg erhielt eine innere Maueraufdoppelung, die die nicht von der Vorburg geschützte Talseite verstärken sollte.
Parallel bzw. kurz danach entstand die Vorburg, die auf einem unregelmäßigen Areal von etwa 80 x 150 m einen vorgelagerten Geländehochpunkt einschloss. Dort riegelte man den Hügelgrat durch einen tiefen Graben ab und errichtete eine Sperre aus zwei Flankentürmen sowie zentralem Fünfeckturm, der dem Bergfried der Kernanlage nachempfunden scheint. Das Mauerwerk zeigt enge Kompartimente aus Bruchstein, nur die Kanten sind aus großen behauenen Blöcken gearbeitet. Den Zugang zu dieser Vorburg sicherte ein hoher Torturm, der einst innen frei stand und im Schalentypus zum Hof hin offen war. Der Aufbau des Tors gleicht dem der Kernburg. Ein spitzbogiges, profiliertes Hauptportal wird von einer kleineren Fußgängerpforte begleitet, beide waren über Wippbrücken zu erreichen, von denen sich die Auflagersteine sowie die Mauernischen erhalten haben. Die gewölbte Halle zeigt seitlich Sitznischen mit Konsolbögen, die Steinmetzzeichen passen zum Tor der Kernburg. Im großen Hofgelände finden sich Ruinen von ehemaligen Stallungen sowie Wirtschaftsbauten und Reste eines Teichs. Überliefert ist weiters eine Mühle, so dass sich die Vorburg als bemerkenswert gut integrierter Wirtschaftshof rekonstruieren lässt.
Parallel zu diesem fortifikatorischen Ausbau der Burg wurde auch die Kernburg repräsentativ ausgestaltet. In der 1. Hälfte des 14. Jhs. entstand die 17 m lange, hochgotische Burgkapelle, deren polygonaler Chor weit aus dem Bering vorspringt. Diese Lage war nicht durch die Ostung vorgegeben, vielleicht orientierte man sich an entsprechenden Lösungen in den Burgen von Hardegg und Wien (Hofburg). Vom ehemaligen dreijochigen Kreuzrippengewölbe zeugen heute noch qualitätvolle Wandkonsolen mit Engelplastiken, ein Aquarell aus dem Jahr 1867 zeigt an der heute eingestürzten Hoffront ebenfalls große Engelsfiguren. Spärliche Reste zeugen von der einstigen Freskierung aus der Erbauungszeit.
In der 2. Hälfte des 14. Jhs. entstand der große Palasbau, der heute die Kernburg dominiert. Auf einer Fläche von 18 x 30 m weist er Wandstärken bis zu 3.7 m auf, wodurch sich schon der Anspruch dieses Gebäudes manifestiert. Hervorragend gearbeitete Gewände, unter anderem ein reich profiliertes Spitzbogenportal, und ein ausgeklügelter Grundriss mit Dienergängen und Stiegen deuten auf eine Planung und Ausführung durch hoch stehende Fachkräfte. Über einem später als Festsaal umgebauten Erdgeschoß lag der Hauptsaal, der durch einen Laubengang zu erreichen war und einst von großen, fortschrittlichen Kreuzstockfenstern belichtet wurde, darüber lag ein Wohngeschoß. Im Norden war dem Palas ein kleiner turmartiger Bau angesetzt, der nach Reichhalter Hinweise auf eine ehemalige kleine Bohlenstube birgt. Trotz üblicher ehemaliger Zimmermannskonstruktion aus Balken und Bohlen deutet das riesige Fensterkreuz auf einen übersteigerten Repräsentationswillen, der der eigentlichen Nutzung als heizbare Winterstube widerspricht. Nach historischen Ansichten dürfte es einen ähnlichen Turm auch an der Nordfront des Palas gegeben haben. Der eigentliche Wohnbereich blieb hingegen im östlich anschließenden älteren Wohnbau erhalten, der mit Gewänden und Gewölben neu adaptiert wurde. Der große Palas diente demnach als repräsentativ-öffentlicher Prunkbau, dessen monumentale Ausmaße als theatralische Geste zu deuten sind.
Parallel dürfte der Bergfried auf insgesamt neun Geschoße aufgestockt worden sein, so dass seine Gesamthöhe einst etwa 45 m umfasste. Der oberste Zinnenkranz sitzt auf sorgfältig gearbeiteten Dreipassbögen auf, die auch am Bergfried der Schaunbergischen Burg Neuhaus an der Donau wiederzufinden sind.
Der monumentalisierende Ausbau der Burg im 14. Jahrhundert ist wohl auf eine Manifestation der gesellschaftspolitischen Bedeutung der nunmehrigen Grafen zurückzuführen, zeigt aber auch bemerkenswerte Parallelen zu gleichzeitigen Bauten der Grafen von Hardegg sowie im Dienst des Landesfürsten stehenden Herren von Wallsee, so dass hier von einem architektonischen Wettstreit ausgegangen werden kann. Zudem belegen die steinmetzmäßigen Details direkte Kontakte zu sakralen Baustellen, was in dieser Deutlichkeit an Burgen ebenfalls selten zu finden ist.
Aus dem späten 14. bzw. frühen 15. Jh. datieren einige Verstärkungen, die wohl als Antworten auf die Belagerungen von 1380 und 1383 zu deuten sind. An der gefährdeten Angriffsseite der Vorburg wurde der Bereich zwischen den Ecktürmen durch eine 40 m lange und fast 6 m breite Schildmauer verstärkt. Dies mag als Reaktion auf die ständig verbesserten Geschütztechniken zu verstehen sein, vielleicht gab es auch Kriegszerstörungen. Zudem erhielt die nicht durch die Vorburg geschützte Osthälfte der Kernburg eine neuerliche innere Mauerverdoppelung, die zu Stärken bis über 4 m führte. Dadurch etstand um die Kernburg ein starker, hohen Mauermantel, wie er zeitgleich etwa auf Burgen der Wallseer zu finden ist. Auch einige Einbauten im Bereich der Kapelle können dem frühen 15. Jh. zugeordnet werden. 60 m außerhalb der Vorburg entstand ein gut erhaltener Torbau, der einst ähnlich einer Barbakane zu einem isolierten Vorgelände führte. Der rechteckige Bau zeigt einen ausgeklügelten Grundriss, die zentrale Torhalle wird angriffsseitig durch massive Wände geschützt, während talseitig kleine Räume als Wärterbereich dienten. Direkt über dem Torweg wurde die Vorburg durch eine schildähnliche Mauer und einen Batterieturm erneuert. Eingemauerte Kanonenkugeln und eine Schlüssellochscharte deuten auf eine Zeitstellung im fortgeschrittenen 15. Jh. In der Folge verlagerte man die Residenz nach Eferding, in Schaunberg sind offenbar keine größeren Ausbauten mehr erfolgt.
(P.S.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Streufunde des 14.-16.Jhs.