EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Linz an der Donau

Geschichte:

Auf dem Areal einer spätantiken Höhensiedlung entstand wohl kurz nach der Mitte des 8. Jahrhunderts ein bairisch-herzoglicher Sitz, von dem sich Reste eines dem hl. Martin geweihten Zentralbaus erhalten haben. Nach dem Sturz des Herzogs Tassilo III 788 durch Karl den Großen fiel der Besitz an den Passauer Bischof, der hier einen geistlichen Stützpunkt mit Marktcharakter anlegte. 799 werden erstmals urkundlich Kirche und castrum genannt, worunter keinesfalls eine klassische Burg zu verstehen ist. In der Folge schwindet die politische Bedeutung von Linz, auch der Weiterbestand einer Befestigung ist nicht nachweisbar. 1210 wird die Herrschaft Linz von Gottschalk II. von Hausberg an den Babenberger Herzog Leopold VI. verkauft. Daraus lässt sich schließen, dass es einen Adelssitz gegeben haben muss, der jedoch bisher nicht eindeutig lokalisiert wurde. Unter Leopold wurde Linz zur regelmäßigen Gründungsstadt ausgebaut, an deren Nordostecke ein hoch gelegener Sporn des alten Burgberges wohl als Nukleus des heutigen Schlosses diente. 1236 widerstand diese Burg nach Büttner einer Belagerung durch den Herzog von Bayern und dem Bischof von Passau, 1286 ist sie erstmals urkundlich fassbar, als die Verlegung der Pfarre von der Burg in die Stadt bestätigt wurde. In der Folge wurde die landesfürstliche Burg von den Wallseern verwaltet, die mit kurzen Unterbrechungen fast zwei Jahrhunderte lang als Landeshauptleute ob der Enns fungierten. Unter Erzherzog Albrecht VI. (1458-1463) wurde die Burg wieder in landesfürstliche Obhut genommen und ein umfangreicher Ausbau begonnen, der von seinem Bruder Friedrich III. (1458-1492) unter Aufwendung beträchtlicher Mittel fortgeführt wurde. In der Kunsttopographie sind zahlreiche Akten und Verfügungen gesammelt, die den Ausbau von Stadt und Burg zur geschütztauglichen Landesfestung dokumentieren. Linz diente ab nun als zeitweilige kaiserliche Residenz und wurde entsprechend oft erweitert. 1599 gab Rudolf II. den Auftrag, die alte Kernanlage abzureißen und 1604 durch einen großen homogenen Block im Stil der Renaissance zu ersetzen. Dieser Bau prägt noch heute die Silhouette des Schlosses, das jedoch 1800 nach einem Brand die östlichen Trakte verlor.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Von dem 799 genannten "castrum" fehlen bislang eindeutige archäologische Belege, nur die am Schlossberg gelegene St. Martinskirche erbracht bislang frühmittelalterliche Reste. Auch die hoch- und spätmittelalterliche Burg fiel einem 1599 im Auftrag von K. Rudolf II. erfolgten Abriss für das 1604 begonnene Schloss zum Opfer. Allerdings haben sich umfangreiche Außenbefestigungen erhalten, die zu den urkundlich gut überlieferten Ausbauten zur Festungsresidenz unter Erzhg. Albrecht VI. (1458-1463) sowie K. Friedrich III. (1458-1492) gehören.

Baubeschreibung:

Der westliche Schlossberg präsentiert sich noch heute inmitten der Großstadt als teilweise unbebaute Hochfläche der spätantiken bzw. frühmittelalterlichen Siedlung. Hier hat sich die höchst bemerkenswerte Martinskirche erhalten, die trotz eingehender Forschungen bislang nicht letztgültig datiert werden konnte. Nach Koch sind Fundamente eines rechteckigen Saalbaus, zu dem ornamentierte Schrankenplatten gehört haben, als die agilolfingische Martinskirche des 8. Jhs. zu deuten, die 799 urkundlich genannt wird. Teilweise noch aufrecht steht darüber ein ehemals großer Zentralbau mit vier Kreuzarmen, drei Apsiden und zentralem Vierungsturm. Diese Kapelle könnte noch in karolingische Zeit, zumindest aber in ottonische Zeit datieren und stellt somit einen der wenigen noch zumindest teilweise erhaltenen Bauten dieser Zeit in Österreich dar. Im 11. Jh. wurde daraus ein länglicher Saalbau geschaffen, der in der Gotik durch einen polygonalen Chor ergänzt wurde.
Nach 1210 wurde die Burg wohl im Rahmen der neuen Stadtanlage an den benachbarten östlichen Schlossbergsporn verlegt, wo eine rechtwinkelige Stadtecke eine kastellförmige Zitadelle ermöglichte. Der Bereich dieser ehemaligen hochmittelalterlichen Burg ist heute durch das neuzeitliche Schloss überbaut, wodurch kaum ältere Bauteile erhalten blieben. Zudem fehlen bislang Bauforschungen, die eventuell noch vorhandene Mauerreste nachweisen könnten. Neue Ergebnisse sind bei geplanten Grabungen für einen neuen Südflügel zu erwarten. Heute lässt sich nur aus historischen Abbildungen und Beschreibungen konstatieren, dass es innerhalb einer mehrteiligen Anlage einen großen Palas ("Hoher Stock") sowie möglicherweise einen dominanten Bergfried gab. Große Befestigungen sind hingegen aus dem ausgehenden 15. Jh. erhalten. Unter Friedrich III. entstand zum ansteigenden Schlossbergplateau eine gewaltige geschütztaugliche Bastionierung, die aus vorgelegten Wällen sowie tiefem Graben und turmflankierten Kurtinen besteht. Ein Rondell beschützt das erste Tor, dahinter führt der abgewinkelte Weg durch das spitzbogige Friedrichstor, über dem ein Wappenstein die Jahreszahl 1481 trägt. Im Westhof wurden kürzlich weitere Bastionen und ein kasemattierter Brunnenturm ergraben, die eine ältere bzw. ehemalige dritte Verteidigungslinie belegen. Das homogene Mauerwerk besteht aus großen blockhaften Formaten, die durch kleine Zwickel netzartig ausgefüllt sind.
Im 17. und 18. Jh. entstand das heutige Schloss, dessen große gerade Fronten durch hohe Substruktionen bzw. Geländeveränderungen ermöglicht wurden, die sämtliche potentielle Reste der Kernburg verdecken.
(P.S.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Baubegleitende archäologische Untersuchungen durch das Bundesdenkmalamt sowie durch das OÖ Landesmuseum seit 1995.