EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Eferding

Geschichte:

Die auf römischer Grundlage errichtete Siedlung wird im Nibelungenlied genannt (21. Aventiure). Im 11. Jahrhundert taucht nach Forster in Eferding ein Herrenhof des Passauer Bistums auf, 1222 erhält Eferding das Stadtrecht, 1255 wird die Burg erstmals als "castrum nostrum Everdinge" genannt. 1367 wird der Besitz an die Grafen von Schaunberg verkauft, nach der Schaunberger Fehde erhalten sie Eferding 1383 als landesfürstliches Lehen. In der Folge wird ein neues Schloss errichtet, das 1416 als "neue Veste" bezeichnet wird. Nach dem Aussterben der Schaunberger 1599 fällt Eferding an die Starhemberger, die das Schloss bis auf kleine Unterbrechungen bis heute besitzen.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Vom hochmittelalterlichen Amtssitz des Bistums Passau sind keine obertägigen Reste vorhanden. Der im Nordtrakt des Schlosses weit gehend erhalten gebliebene Palas lässt sich mit der 1416 genannten "neuen Veste" der Gfn. v. Schaunberg in Verbindung bringen. Der Schlossausbau erfolgte nach 1625 unter den Starhemberg.

Baubeschreibung:

Das Bauensemble wird heute durch eine spätbarocke Vierflügelanlage geprägt, die einen rechteckigen Hof umschließt. Bei näherer Betrachtung der Mauern und Fensterformen wird rasch deutlich, dass nur der etwas abgesetzte Nordtrakt ältere Teile inkludiert. Darin steckt ein 21,3 x 34,6 m großer, homogener Baukörper, der wohl als das 1416 genannte neue Schloss zu identifizieren ist. In bemerkenswert konsequenter Ausführung zeigt sich bei Mauerstärken bis 3,9 m ein dreigeschoßiges Konzept, das bereits an den ausgeprägten Schlossbau der Spätgotik erinnert. Über einem geräumigen eingetieften Wirtschaftsgeschoß, das durch Gurtbögen die oberen Binnenwände trägt, zeigt das erhöhte Erdgeschoß einen modularen Raumverband, der aufgrund der erhaltenen Abtrittsgänge für Wohnzwecke gedient haben mag. Wohl über eine Freitreppe war das darüber liegende Hauptgeschoß erreichbar, das eine zentrale Halle von 9 x 16 m sowie flankierend je zwei kleinere Stuben aufwies. Seitlich diente ein kleiner turmartiger Anbau als rippengewölbte Hauskapelle. Dieses System des Mittelflurs ähnelt fortschrittlichen französischen Lösungen des Corps de logis, lässt sich aber in Österreich auch an Bauernhäusern und anderen frühen Schlossbauten, etwa auf der Festung Hohensalzburg, beobachten. Eine direkte Vorbildfunktion ist vielleicht im kurz zuvor ebenfalls unter den Schaunbergern entstandenen Palas von Schaunberg zu suchen, der ähnliche Maße und Proportionen aufwies, dessen primäre Innenkonzeption jedoch heute nicht mehr rekonstruierbar ist. Der Mittelflurtypus setzte sich regional erst im 16. Jahrhundert durch, weshalb dem Schloss Eferding eine frühe Vorreiterrolle zuzuordnen ist. Die zahlreichen hochwertigen Baudetails, wie mit Rundstäben gerahmte Fensternischen sowie gekehlte Kreuzstockfenster aus sorgfältig gearbeitetem Werkstein belegen ähnlich der konsequenten Planung auch eine entwickelte Steinmetzwerkstatt, die geometrischen Steinmetzzeichen sind vielleicht analog zu Schaunberg mit bedeutenden Bauhütten zu verbinden. Neben dieser konzeptionellen wie handwerklichen Qualität ist vor allem das frühe Abwenden von der klassischen Adelsbausymbolik bemerkenswert, so unterscheidet sich der hausartige Baublock mit dem offenen Erschließungssystem prinzipiell von den kurz zuvor von den Schaunbergern errichteten monumentalen Türmen und Wehrmauern von Schaunberg und Neuhaus.
An der Südfront sind sukkzessive Ausbauten zu beobachten, die zumindest teilweise noch der Gotik entstammen. Nach historischen Plänen ist südlich auch eine kleinere Vorburg zu rekonstruieren, die mit zwei Rundtürmen befestigt war. Im 16. Jahrhundert wurde das Schloss grundlegend umgebaut. Die Kernanlage wurde aufgestockt und durch ein Stiegenhaus ergänzt, nach Merian gab es 1649 noch vier Scharwachtürmchen und einen dominanten Uhrturmaufsatz. In der Vorburg entstanden zwei lange Flügeltrakte. Nach 1625 schloß man den Hof im Süden ab und bereicherte ihn im Westen durch Pfeilerarkaden, historische Abbildungen zeigen kurzfristig ein verstecktes Grabendach sowie kleine aufgesetzte Ecktürmchen. Bis ins 18. Jahrhundert erfolgte schließlich der Abbruch der letzten Verteidigungsanlagen und die Barockisierung der südlichen Trakte.
(P.S.)