EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Neuhaus Bei St. Martin im Mühlkreis

Geschichte:

Im Jahr 1280 wird anlässlich eines Briefes erwähnt, dass die Schaunberger auf dem Berg gerade eine Burg bauen (OÖLA Dipl.II/6). Da bald darauf auch die Urkunden zu Neuhaus einsetzen, geht die Forschung davon aus, dass der Brief einen der seltenen zeitgenössischen Belege für die Gründung bzw. Errichtung einer Burg darstellt. Bereits 1282 wird den Schaunbergern der Schutz von Donau und Donauuferstraße übertragen, durch die damit verbundenen Mautrechte ist Neuhaus eines der wichtigsten Besitzungen der Schaunberger. 1319 ist die Burg erstmals explizit genannt. 1386 wird die Burg im Rahmen der Unabhängigkeitsbestrebungen, der so genannten "Schaunberger Fehde" von einem Aufgebot der oberösterreichischen Städte und von Bürgern der Stadt Passau mit neuesten Pulvergeschützen belagert. Dabei werden neu errichtete Befestigungen zerstört. 1481 wird Neuhaus an den Herzog von Bayern abgetreten, bereits 1506 geht die Herrschaft jedoch als Entschädigung für geleistete Kriegshilfe an Kaiser Maximilian. In der Folge wird die Burg mehrfach verpfändet, 1559 stürzt die donauseitige Ringmauer ein, 1563 werden Meierhof und Stallungen gebaut, 1583 verursacht ein Brand schwere Schäden. 1591 fällt Neuhaus als freies Eigen an die Grafen Spinzenstein, die sie bis zu ihrem Aussterben 1729 halten. Das Erbe treten die Grafen Thurn-Valsassina und Taxis an, die 1868 an Eduard Plank von Plankburg verkaufen, seit 1920 ist die Familie Plappart von Leenheer Eigentümerin der Burg.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Zu der um 1280 urkundlich in Bau befindlichen Burganlage der hochadeligen Schaunberger gehören Beringabschnitte, welche in das sog. "Alte Schloss", einen Wohngebäudekomplex des 14.-16. Jhs., integriert wurden. Kleinere Adaptierungen und Ausbauten sind in einem detaillierten Bauabrechnungsbuch von 1537-1567 überliefert, in diese Zeit (1554/64) fallen erste Ausbauten zum Burgschloss sowie die Errichtung von Meierhof und Stallungen, welche durch eine weitere, barocke Schlossbauphase in der Ostburg um 1729 ergänzt wurden.

Baubeschreibung:

Mit einer umbauten Fläche von über 11.200 m² und einer Länge von über 300 m gehört sie zu den größten Wehranlagen Österreichs.
Obwohl ein Gutteil der mittelalterlichen Anlage heute umgebaut, abgetragen oder ruinös ist, ermöglichen bemerkenswerte historische Abbildungen und Beschreibungen sowie neueste Forschungen einen guten Blick auf die bauliche Entwicklung. An historischen Quellen ist vor allem eine naturgetreue Zeichnung der Burg um 1513 von Wolf Huber zu nennen, die mehrere heute verschwundene Gebäude und Wehrgangaufsätze dokumentiert. In die Jahre 1537-1567 datiert ein penibel geführtes "Pau-Puech", das sämtliche Umbauten anführt und dabei wertvolle Hinweise auf Baubestand und Nutzung liefert.
Die ältesten Bauteile der Burg haben sich am nordwestlichen Ende der Anlage erhalten, wo eine kompakte Gebäudegruppe ("Altes Schloss") eine Grundfläche von etwa 10 x 45 m belegt. Aufgrund der unterschiedlichen Mauerstrukturen zeichnet sich nach Schweller ein etappenweiser Baufortschritt ab: die homogene Nordfront, die an beiden Enden rechtwinkelig abknickt, zeigt bei einer Mauerstärke von bis 2 m konsequente Kompartimentbildung mit lagerhaftem Bruchstein, wodurch dieser Beringrest wohl zur Erstanlage der Zeit um 1280 zu zählen ist. Eine hohe, stark abgefaste Lichtscharte passt wie das Mauerwerk zu entsprechenden Gegenstücken im Bering von Schaunberg. Die südlichen bzw. hofseitigen Anschlüsse der Ringmauer fehlen, somit ist keine Rekonstruktion der ältesten Anlage möglich. Im 14. Jahrhundert wurden diesem Nordbering in den Ecken zwei Gebäude eingestellt, die sich im wesentlichen gut erhalten haben. Der Westbau besteht aus drei Geschoßen, er zeigt im 1. Stock einen breiten, heute vermauerten Überfangbogen, der als Rest einer ehemaligen beheizbaren Bohlenstube zu identifizieren ist. Im darüber liegenden Geschoß deutet ein vermauertes Rundbogenfenster auf eine weitere Bohlenstube, die demnach durch eine Fenstergruppe belichtet war. Bemerkenswerte Schulterbogenportale weisen auf ehemals vorgesetzte Laubengänge. Der etwas kleinere Ostbau besteht aus vier Geschoßen, von denen die zwei mittleren durch zweilichtige, rechteckige Sitznischenfenster ausgezeichnet sind. Kleine Querfenster darüber dienten wohl der Belüftung von Zwischendecken. Hier handelte es sich zweifellos um repräsentative Säle, die wohl durch Gänge mit den zugehörigen Blockwerkstuben im Westen in Verbindung standen. Daraus lässt sich schließen, dass beide Gebäude zu einem bemerkenswert konsequenten Gesamtkonzept gehörten, das plakativ formuliert in Winter- bzw. Sommertrakt geteilt war. Ähnliche Kombinationen sind regional öfter im 14. Jahrhundert zu beobachten, die Teilung in zwei Gebäude ist jedoch sehr selten. Die Datierung ins 14. Jahrhundert basiert neben dem Typus sowie Fenster- und Türdetails auch auf dem charakteristischen ausgezwickelten Bruchsteinmauerwerk mit ausgeprägter Eckquaderung. Ähnliche Bautechnik, aber auch Baudetails weisen in der Vorburg auch Schildmauer, Bering und Bergfried auf. Daraus ist ableitbar, dass bereits im 14. Jahrhundert das kleinräumige Areal der Kernburg auf über 200 m Länge erweitert wurde. Den südwestlichen Sporn beherrscht noch heute der 40 m hohe fünfeckige Bergfried, der (zunächst ähnlich Schaunberg mit Zinnenkranz bekrönt) durch ähnlich gefaste, mit Putzfaschen verzierte Rechteckfenster mit der Kernanlage verwandt scheint. Das oberste Geschoß kragt über einen Kleeblattbogenkranz leicht aus, hier finden sich vier Wasserspeier, von denen ein nach Osten (Wien) gerichteter das vorgereckte blanke Hinterteil eines Mannes zeigt, woraus traditionell eine Spottfigur auf die Habsburger in Wien abgeleitet wird. Von der einstigen Bewehrung der Burg blieben im Norden lange Ringmauerreste erhalten. Im Zentrum teilte eine 35 m lange, über 4 m breite Schildmauer mit Treppentürmchen mit einst vorgelagertem Graben das Burgareal in zwei Hälften. Eine zweiteilige spitzbogige Portalgruppe mit einstiger Doppelwippzugbrücke (mit innerer Wolfsgrube) bildet einen repräsentativen Durchlass in die innere Burg. Hier stand nach der Ansicht von 1513 noch ein dominanter (älterer?) Wohnturm, der als Gegenpol zum vorderen Bergfried zu interpretieren ist. Zur Anlage des 14. Jahrhunderts zählt auch der Kettenturm (auch Lauerturm genannt) am Fuß der Burg, der gemeinsam mit einem ehemals gegenüber liegenden Turm zur Kontrolle bzw. Abriegelung des Donauverkehrs diente und der 1386 erstmals genannt wird. Er zeigt homogenes Kompartimentmauerwerk und gefaste Scharten. Der Hocheinstieg throhnt spektakulär auf einem senkrechten Felsen direkt über der Donau. Ein am gegenüber liegenden Donauufer situiertest ein Erdwerk wird einerseits als funktionales Gegenstück zum Kettenturm, bisweilen auch mit den Belagerungswerken des 14. Jhs. In Verbindung gebracht. Ein eigenständiger Sitz ist hingegen wahrscheinlicher.
Im 15. und frühen 16. Jh. wurde die Burg kontinuierlich ausgebaut und verstärkt. In der Kernanlage wurden die zwei Wohntrakte u. a. durch eine Rauchküche verbunden und durch eine Treppenanlage und Arkaden modernisiert. Der nördliche (bergseitige) Bering erhielt einen parallelen Mantel mit Mauerstärken bis 3 m vorgestellt, der die gesamte Kernburg schildmauerartig einfasste. Der Ostburg wurde eine weitere Vorburg angesetzt und das gesamte Ensemble gegen Norden durch halbrunde Bastionen gesichert, die 1513 bereits zu sehen sind. Vischer zeigt 1674 zusätzlich östlich einen isolierten Vorturm. Nach dem Niedergang der Burg im 16. und 17. Jh., mit dem durch Abrutschungen und Brände auch ein merklicher Substanzverlust verbunden war, entstand zwischen 1554 und 1564 bzw. nach 1729 in der Ostburg das große neue Schlossensemble, das heute lokal die älteren Strukturen überlagert bzw. verfremdet.
(P.S.)