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Haichenbach

Geschichte:

Ab 1160 treten Passauer Ministeriale auf, die sich nach Aichenbach bzw. Haichenbach nennen. In der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts bekleiden sie das erbliche Ehrenamt eines Marschalls der Passauer Bischöfe. 1274 gibt es eine seltene explizite Baunachricht (Haihenpach dizeit in paw), das Kloster Schlägel stellt der Familie während der Bauzeit ein Spital als Wohnung zur Verfügung, bis 1303 sind dafür Ersatzleistungen belegbar. 1337 sterben die Haichenbacher aus, die Herrschaft wird sukkzessive an Passau verkauft. In der Folge wird die Herrschaft von Pflegern verwaltet, 1374-1383 ist sie kurzfristig in der Hand der Schaunberger. Nach 1429 wird vom Pfleger Heinrich Nothaft der Turm aufgestockt und ein Brunnen ausgeschachtet. 1491 bekommt Simon Oberhaimer die Pflegschaft auf Lebenszeit, nach Beschwerden von Schiffsleuten wegen Raubrittertum wird sie ihm jedoch 1516 wieder abgelöst. 1529 wird die Verwaltung nach Marsbach verlegt und die Burg dem Verfall überlassen.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Von der hochmittelalterlichen Burg der Ministerialen v. Haichenbach haben sich keine aufgehenden Baureste erhalten. Der zentrale Wohnturm könnte in seinen unteren Geschossen mit der überlieferten Bautätigkeit von 1274 in Verbindung gebracht werden, gesichert erscheint seine Aufstockung zwischen 1429 und 1450 unter dem Pfleger Heinricht Nothaft.

Baubeschreibung:

Aufgrund der Topographie belegt sie bei einer durchschnittlichen Breite unter 20 m eine Länge von fast 80 m. Das Areal gliedert sich in eine kleine Kernburg sowie eine ausgedehnte Vorburg.
Der älteste erhaltene Bauteil ist der große Wohnturm, der direkt oberhalb des Halsgrabens bzw. des Burgtors die gesamte Anlage dominiert. Er wurde in den Jahren 1984-86 teilweise wiederaufgebaut, so dass vor allem die oberen Bereiche stark verunklärt sind. Auf einer Fläche von 9.7 x 10.1 m zeigt er Mauerstärken bis 1.7 m, wobei die Angriffsseite etwas stärker ausgeführt ist. Zunächst besaß der Turm drei geräumige Geschoße sowie wohl eine krönende Wehrplattform. Die erhaltenen Fenster zeigen nach außen schmale Scharten sowie steile Lichtschächte und ein liegendes Rechteckfenster. Zum Hof bzw. seitlich belichteten einfache Segmentbogenfenster die Räume, der hoch gelegene Einstieg ist ebenfalls durch einen Bogen gewölbt, im 3. Geschoß gab es einen Abort. Der Bau kann daher als klassischer Wohnturm bezeichnet werden. Das Mauerwerk ist aus kleinteiligem, lagerhaften Bruchstein gefügt und zeigt regelmäßige niedrige Kompartimente, die Ecken werden durch größere Formate verstärkt. Sowohl das charakteristische Mauerwerk als auch die Fensterformen weisen in die Jahrzehnte um 1300, wodurch sich die überlieferte Baunachricht von 1274 bzw. einschlägige Urkunden bis 1303 auf diesen Turm beziehen könnten. Davon ist deutlich eine Aufstockung um zwei weitere Geschoße unterscheidbar, die durch große Eckquader, einen regelmäßigen Rüstholzraster sowie massiven Einsatz von Ziegelsplitt charakterisiert ist. Die homogenen großen Rechteckfenster entstammen in der heutigen Form dem jüngsten Wiederaufbau. Zum Halsgraben gab es einen breiten Erker, der durch vier Doppelkonsolen gestützt wurde. Nach einschlägiger Bauabrechnung ist diese Aufstockung der Zeit zwischen 1429 und 1450 zuzuordnen. Direkt an den Turm schließt auf dem Felsriegel das schmale Areal der Kernburg an, deren Umfassungsmauern heute nur mehr rudimentär vorhanden sind, wodurch keine Interpretation über Höhe und Funktion möglich sind. Immerhin zeichnet sich ab, dass Teile mit ihrem lagenhaften Bruchsteinmauerwerk noch der Zeit um 1300 zuzuordnen sind, während die südlichen Bereiche mit Ziegelzwickeln und Rüstholznegativen wohl dem 15. Jahrhundert entstammen.
Das weitläufige Areal der Vorburg ist ebenfalls weitgehend verfallen. Am neuerdings wieder eingedeckten Haupttor mit ehemaliger Doppelwippzugbrücke weisen die regelmäßigen Netzmauerstrukturen mit größeren Eckformaten und vor allem eine primäte Schlüssellochscharte bereits ins 15. Jh., auch die langen Ringmauern sowie spärliche Reste eines runden Schalenturms an der Ostfront sind trotz einiger Baufugen wohl diesem Zeitraum zuzuordnen. Im geräumigen südlichen Vorburgteil deuten Geländeabsenkungen sowie spärliche Maueransätze auf ehemalige Gebäude. Hier dürfte vor 1450 auch der urkundlich genannte Brunnen (eher Zisterne) gelegen sein.
(P.S.)