EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Leopoldsberg

Geschichte:

Der Sitz der vom 12.-14. Jh. nachweisbaren Genannten "von Kahlenber" befand sich nicht auf dem heutigen Leopoldsberg, sondern an dessen Fuß im Kahlenbergerdorf (s. d.). Der Leopoldsberg hieß bis 1683 Kahlenberg, welcher Name auf den knapp westl. gelegenen, ehem. "Sauberg" übertragen wurde.
Die schriftlichen Quellen liefern keine eindeutigen Hinweise zur Errichtung der Burg, die nach der historischen Situation landesfürstlicher Besitz ist. Die wiederholt postulierten Besitzansprüche des Stiftes Klosterneuburg - angeblich auf einer Schenkung Hzg. Friedrichs II. oder seiner Schwester Hzgn. Gertrude basierend - bedürfen einer Überprüfung und können sich auch auf das Kahlenbergerdorf beziehen. Dass Mgf. Leopold III. die Burg bereits um 1100 errichtet und "seinen Sitz alda gehabt" hätte, ist wohl ins Reich der Sage zu verweisen. Die Sekundärliteratur setzt die Errichtung zumeist um M. d. 13. Jhs. an. Nach 1246 ist die Burg Sitz der Hzgn. Gertrude, die 1249 auch hier urkundet. 1253 fordert Papst Innozenz IV. die Rückgabe des "Castrum de Calnperch" an das Stift Klosterneuburg, doch kann, wie bei den weiteren Nachrichten jener Zeit, eine Verwechslung mit dem Sitz im Kahlenbergerdorf letztlich nicht ausgeschlossen werden. 1287/88 soll Hzg. Albrecht I. vor den aufständischen Wienern in der Burg auf dem Kahlenberg Zuflucht genommen haben. Die im Turm der Burg liegende Georgskapelle wird vor 1351 von Johanna v. Pfirt gestiftet, bereits 1368 und 1377 werden Kapläne urk. genannt. Die ab dieser Zeit vernachlässigte bzw. mindergenutzte und wohl auch schadhafte Burg wird ab 1431 durch Hzg. Albrecht V. durchgreifend erneuert. Die Burg wird während der wiederholten kriegerischen Ereignisse des 15. Jhs. in Mitleidenschaft gezogen, wohl in deren Zusammenhang lässt K. Friedrich III. auch einen Tabor am Abhang des Berges errichten. Maximilian I. überlässt die Burg 1502 seinem Jägermeister Wolfgang Fueger, der sich Wolfgang Kahlenberger nennt. 1529 wird die Burg, um den herannahenden Türken keine Angriffsstellung zu bieten, zerstört, jedoch zeigt der berühmte Meldemann-Plan der Stadt Wien aus jenem Jahr die Burg noch unversehrt. Die Sprengung des Turmes im Jahr 1557 besiegelt wohl das Schicksal der Burg, die von nun an nur noch als markante Ruine div. Veduten, wie z. B. jene Merians von 1645 oder Vischers von 1672, ziert. K. Leopold I. lässt 1679 den Grundstein für die heutige Kirche legen. 1784 kommen "Burg" und Kirche an Stift Klosterneuburg, das bis heute Grundeigentümer ist.
(G.R.)

Bauentwicklung:

Während die im neuzeitlichen Baubestand integrierten Bering- und Turmreste nur allgemein als hoch- bzw. spätmittelalterlich angesprochen werden können, liefern die museal überlieferten Spolien den Beleg einer hochwertigen Bauaustattung um 1230/40, die mit den letzten babenbergischen Landesfürsten, Leopold VI. und Friedrich II., in Verbindung zu bringen sind. Ähnliches gilt für die Ausbauten unter Hg. Albrecht VI. ab 1431, die ebenfalls über Spolien zu erschließen ist. Hingegen findet die für 1351 urkundlich überlieferte Stiftung der im Turm gelegenen Burgkapelle in den erhaltenen Bauresten keine Entsprechung. Nach den Zerstörungen von 1529 und 1557 zunächst Ruine, wird die Burg ab 1679 durch kirchliche und Verwaltungsgebäude ersetzt.

Baubeschreibung:

Das etwa W-O laufende Gipfelplateau bot mit einer Länge von rund 200 m und einer Breite von bis zu 50 m Raum für eine entsprechend orientierte und auch bemerkenswert ausgedehnte Burganlage des Hochmittelalters. Bereits die topographische Situation des Gipfelplateaus lässt eine Gliederung in eine Kernburg und eine an der Zugangsseite angeschlossenen Vorburg erkennen. Gegen das Hinterland, ein gratartiger, NW-SO streichender Rücken, über den der Zubringer der Höhenstraße führt, sicherte ein stark ausgebauter Halsgraben. Trotz der Überbauung durch den heutigen Zugang ist der Graben in eindrucksvollen Dimensionen erhalten, div. Berichte lassen jedoch vermuten, dass dieses Annäherungshindernis wesentlich tiefer war und im Lauf der Zeit durch die beträchtlichen Schuttmassen der wiederholten Planierungs- und Adaptierungsarbeiten auf dem Gipfelplateau verfüllt wurde.
Zur Topographie des Berges gehört der rund 80 m nordwestl. des Gipfelplateaus innerhalb der Umkehrschleife der Höhenstraße liegende, mäßig hohe Hügel, der unter der Bezeichnung "Westkuppe" Eingang in die Forschungsgeschichte fand. Ob diese durchaus geeignete Stelle ein Vorwerk der mittelalterlichen Burg trug, bleibt im Bereich der Vermutung. Deutliche anthropogene Überformungen auf einem weiteren, rund 500 m nordwestl. des Gipfelplateaus situierten Hügel sowie Hinweise auf ein weiteres, nördl. gelegenes Vorwerk bedürfen noch einer weiteren Überprüfung. 200 m östlich der Kernburg lag auf dem felsdurchsetzten O-Abfall des Berges, der sog. "Nase", eine Vorbefestigung. Die unter Gestrüpp verborgenen und nur teilweise zutage tretenden Mauerreste lassen einen turmartigen Bau von durchschnittlich 10,00-15,00 m Breite rekonstruieren. Nach der Mauertechnik ist auf eine spätmittelalterliche Zeitstellung, wohl im 15. Jh. zu schließen. Reste von periphären Anlagen sind nicht festzustellen, eine Überformung des Geländes durch den Bau des "Nasenweges" und einer nahe gelegenen Aussichtskanzel ist jedoch nicht auszuschließen.
Die heutige Bebauung des Leopoldsberges im O des Gipfelplateaus deckt sich verm. mit dem Areal der ehem. Kernburg. Entlang der N-Seite erstreckt sich das 2-gesch. "Benefiziatenhaus", das heute das Restaurant "Burg Leopoldsberg" beherbergt und an das westl. der schmälere Trakt der "Försterei" anschließt. An der O- und S-Seite liegen über zum Teil hohen Substruktionen Gast- bzw. Aussichtsterrassen, im Zug der südl. Umfassungsmauer liegt die dem hl. Leopold geweihte Kirche, eine flankenartige Situation im SW, die den ansonsten regelmäßigen Grundriss der Anlage stört, wird von einem starken Rundturm verstärkt. Die W-Seite wird von einem ruinösen Remisen- oder Wirtschaftsbau mit zentraler Einfahrt geschlossen.
Nach gegenwärtigem Forschungsstand gehen die heutigen Umfassungsmauern auf den in wesentlichen Teilen erhaltenen, durchschnittlich bis zu 2,00 m starken Bering der Burg zurück. Das lagerhafte Mauerwerk aus mittelgroßen, blockigen und plattigen Bruchsteinen, die unter mäßigen Anteil von Zwickelmaterial verlegt wurden, lässt eine spätmittelalterliche Zeitstellung vermuten. Die Vielzahl an hammerrechten Steinen, die örtlich ältere Mauerstrukturen vortäuschen, resultiert wohl aus der Zweitverwendung älteren Materials. Zonal auftretende lagige Strukturen rühren jedoch vom Einbeziehen hochmittelalterlicher Mauerkompartimente her.
Das "Benefiziatenhaus" zeigt an der N-Seite, wo sich die Mauer mit dem Bering deckt, ebenfalls Mauerstärken bis zu 2,00 m, wodurch der regelmäßige, rund 63,00 m lange und 11,00 m breite Bau wohl als der ehem. Palas zu identifizieren ist. Nach dem freiliegenden Mauerwerk an der O-Seite ist eine mit dem Bering übereinstimmende Zeitstellung zu vermuten. Durch Abplatzungen des Putzes ist an der N-Seite das lagerhafte, mit blockigen Steinen durchsetzte Mauerwerk sichtbar, wobei die punktuellen Einblicke nicht klar erkennen lassen, ob auch hier Bauteile des 13. Jhs. Verwendung fanden. Gut erkennbar ist hingegen, dass die heutigen Fenster einen älteren Fensterhorizont, bei dem Ziegelmaterial verwendet wurde, überlagern. Ein etwa im Zentrum liegender kleiner Keller, an dessen Wänden lagerhaftes Bruchsteinmauerwerk zu beobachten ist, ist mglw. der Rest weiterer, vielleicht später zugeschütteter Kelleranlagen. Eine nähere Autopsie des Baues, dessen Binnengliederung vermutlich teilweise noch mittelalterlich ist, wird durch den ansonsten lückenlosen Flächenputz verhindert. Der wohl bereits barock umgestaltete Bau wurde unter Josef de Ligne vor 1812 gotisierend umgestaltet, der östl. "Balkon" entstand vor 1835 durch Fürst Johann v. Liechtenstein. Nach dem Brand von 1891 und den Kriegsschäden von 1945 kam es zu entsprechenden Wiederherstellungen.
Der westl. des Palas an den Bering angebaute Bau bildet eine deutliche bauliche Zäsur. Der als "Försterei" bezeichnete, mit Putzvoluten am westl. Giebel dekorierte, 2-gesch. Bau entstand erst A. d. 18. Jhs. Relativ gleichzeitig wurde der randständige, die Durchfahrt aufnehmende, heute jedoch ruinöse W-Trakt errichtet, der sich durch ein stark von Ziegeln durchsetztes und auch Spolien umfassendes, barockes Mischmauerwerk auszeichnet.
Der südl. Bering bildet eine rund 29,00 m zurückspringende Flankensituation, die von einem relativ starken ovalen Turm gesichert wird. Der 9,00-11,00 m im Durchmesser große Turm ist mit dem ohne Zäsur weiterlaufenden lagerhaften Bruchsteinmauerwerk zeitgleich mit dem Bering, neben einer primären Lichtscharte sind keine architektonischen Details erhalten. Sollte der Turm das ehem. Tor - ein Flankentor - geschützt haben, so müssen stark überformende Eingriffe stattgefunden haben, denn es finden sich hier keinerlei Befunde zu einem ehem. Tor. Auf der Plattform des stark in seiner Höhe reduzierten Turmes wurde 1948 ein Heimkehrer-Gedächtnismal errichtet.
Der ehem. Bergfried der Burg, der wohl wohnliche und repräsentative Aufgaben gleichzeitig erfüllte und in dem auch die dem hl. Georg geweihte Kapelle lag, stand an der SO-Ecke, an der Stelle der heutigen Leopoldskirche. Der Turm, der auf mehreren zeitgenössischen Abbildungen markant in Erscheinung tritt, wurde, nachdem man die Burg 1529 aufgab und zerstörte, 1557 auf kaiserlichen Befehl gesprengt. Die heutige barocke Kirche ist eine 1718/30 durchgeführte, mit einer 2-Turm-Fassade akzentuierte Erweiterung eines bereits 1679 errichteten Zentralbaus.
Das ausgedehnte, von der heutigen Zufahrt durchschnittene Plateau im W der Kernburg bildete wohl das Areal einer Vorburg, deren Existenz nach archäologischen Grabungen 1992/93 zwar mehr als relativiert wurde, die jedoch nach den topographischen Gegebenheiten und der angetroffenen Befundsituation (u. a. wurde eine Bauschmiede des 13. Jhs. nachgewiesen) als gesichert anzunehmen ist. Die das Areal im SW umgebende, mehrfach abgewinkelte Bruchsteinmauer, die örtlich mittelalterliche Strukturen zu zeigen scheint, ist nach dem bisherigen Forschungsstand mit Vorsicht zu behandeln, da das Ausmaß der rezenten Veränderungen im Zug der Geländeerschließung noch nicht bekannt ist.
Im Bezirksmuseum Döbling und im Depot des Wien Museum werden mehrere bemerkenswerte Spolien verwahrt, die zum großen Teil am S-Hang der Burg aufgesammelt wurden und die eine bemerkenswerte Ausstattung der spätromanischen Burg und der spätmittelalterlichen Georgskapelle erschließen lassen. Hervorzuheben sind die Fragmente von filigranen Biforen, die kunsthistorisch wohl um 1230/40 datieren. Demnach ist die Entstehungszeit der ursprünglichen Burg wohl in das 2. V. d. 13. Jhs. zu setzen. Ein Eintrag im Hofkammerarchiv liefert einen wesentlichen Hinweis auf die weitere Baugeschichte. Danach ließ Hzg. Albrecht III. 1377 zum Bau der Burg Laxenburg den wohl umfangreich vorhandenen figuralen Bauschmuck (man spricht von "marmorsteinernen Bildsäulen") entfernen und nach Laxenburg schaffen. Zu 1431 datiert jener Eintrag, nach welchem Hzg. Albrecht V. das verfallene Schloss Kahlenberg mit der Georgskapelle "wiederum erneuern" ließ. Gemeinsam mit dem Baubefund ist daraus ein umfassender Neubau, zum Teil auf älterer, spätromanischer Grundlage, zu erschließen, der noch heute in beträchtlichem Umfang erhalten ist.
(G.R.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Der Burgberg war bereits prähistorisch besiedelt. Erste Spuren reichen bis in das Neolithikum zurück, während der späten Bronzezeit bzw. Urnenfelderzeit (ca. 1200-700 v. Chr.), sowie der Hallstatt- und Latènezeit (ca. 700-15 v. Chr.) trug der Berg eine ausgedehnte Höhensiedlung. Die Geschichte der Erforschung und Aufarbeitung, die nicht nur wissenschaftlich, sondern auch politisch motiviert bzw. beeinflusst war, ist eine relativ lange. Sie reicht von spekulativer Diskussion im späten 19. Jh. bis zur modernen archäologischen Grabung am E. d. 20. Jhs. Vermutungen zur prähistorischen Besiedlung wurden schon 1888 geäußert, erste Grabungen, die eine Bestätigung brachten, fanden jedoch erst 1905 statt. 1917 traten bei Befestigungsarbeiten urnenfelderzeitliche Funde zutage. Glücklicherweise wurde das seit jener Zeit diskutierte und in den 30er-Jahren neuerlich aufgegriffene Projekt einer "Wallhalla der Ostmark" bzw. einer "Österreichischen Wartburg" nicht verwirklicht. Beim Bau der Wiener Höhenstraße wurde 1935 im Bereich der sog. "Westkuppe" ein Gräberfeld der Hallstattzeit entdeckt. Zumindest während der letzten Besiedelungsphase war die Höhensiedlung befestigt, von den weit gespannten Wallanlagen sind zum Teil zu Wallstufen verschliffene Reste erhalten. Auf dem südöstl. oberhalb des Kahlenbergerdorfes gelegenen "Burgstall" (Kote 295) lag nach entsprechenden Funden vermutlich eine weitere hallstattzeitliche Siedlung. Moderne archäologische Untersuchungen fanden durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien in den 1990er Jahren statt.