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Entenstein

Geschichte:

Über Erbauer und Erbauungszeit des Wasserschlosses ist nichts Sicheres bekannt. Man vermutet einen älteren Kernbau unter den seit 1152 urkundlich genannten Herren von Schliengen, was jedoch abzulehnen ist, da diese einen Hof mit Grundbesitz in Schliengen, jedoch keine Rechte besaßen. Die Herrschaftsverhältnisse in Schliengen sind kompliziert und können daher hier nur grob vereinfacht wiedergegeben werden. Ab 1207 erscheint Schliengen im Besitz der Üsenberger als Lehen des Hochstifts Basel. Bei einer Teilung des Üsenberger Gebietes in den Jahren um 1290 wurde Schliengen der sog. "Oberen Herrschaft" der Üsenberger zugeschlagen. Größter Grundbesitzer am Ort war jedoch das elsässische Kloster Murbach, an dessen Dinghof wesentliche niedergerichtliche Rechte hingen. Hier - und nicht bei den Ortsherren - liegt der Schlüssel für die Beantwortung der Frage nach den Erbauern der Burg bzw. ihrer Vorgängeranlage. Die Vogtei über die Lehen des Klosters Murbach hatten im 13. Jh. die Herren von Staufen inne, die sie als Afterlehen an die Schnewlin gaben. Da damals wohl die Burg gegründet wurde, könnten die Schnewlin als Erbauer in Frage kommen. Nach dem Niedergang der Herren von Staufen Ende des 14./Anf. des 15. Jhs. wurden die späteren Schnewlin, von Blumegg und Nagel wohl direkt von Murbach belehnt.
Das Dorf kam als Afterlehen an die Schaler, Schultheißen zu Basel. Schon 1327 kaufte ihnen Jacob von Neuenfels, Schultheiß in Neuenburg am Rhein, einige Ortschaften mit Schliengen ab. Schon 1343 verkauften die Neuenfelser diesen Besitz wieder an das Hochstift Basel. Zwischen 1475 und 1514/1520 traten in der Nachfolge der Schnewlin die Herren von Blumegg/Blumeneck als Gerichtsherren auf, wobei es sich offenbar um das Niedergericht und die Murbacher Lehen handelt. Im 15. Jh. sind die Baseler und markgräflich-hachbergischen Rechte in Schliengen schwer abzugrenzen, vor allem, was die Hochgerichtsbarkeit betrifft. Der Dinghof mit zugehörigen Gütern und die Burg wurde etwa 1525 durch die Familie Nagel von der alten Schönstein erworben, die das alte Gebäude in der 2. Hälfte des 16. Jhs. ausbauten. Um 1600 taucht in einem Revers des Hans Ulrich Nagel erstmals die Bezeichnung "Entenstein" für das Schloss auf. 1680 starb die Familie mit Hans Konrad Nagel aus. 1694 ist Johanna von Roggenbach im Besitz des Wasserschlosses, das zu dieser Zeit bereits baufällig war. Im Jahre 1696 verkaufte das Kloster Murbach die Hofstatt (den ehemaligen Dinghof) und alle Rechte an den Bischof von Basel. Um 1725 wurde das Schloss als Sitz des bischöflich-Baseler Obervogtes (Landvogtes) ausgebaut, wobei am nördlichen Parkzugang eine Kanzlei mit Gefängnis und im Park ein Brunnen entstanden. 1802/03 ging die Baseler Herrschaft durch die Säkularisation zu Ende und das Schloss wurde in der Folge wiederholt verkauft. Ab 1857 erfolgte ein Umbau durch die Grafen von Andlaw-Homburg. In diese Zeit (1858) gehören das neue Portal mit Rundbogen und der Fries unter der Dachtraufe. Im Jahre 1960 vermachte Graf Oktav von Andlaw das Schloss dem Jesuitenorden. Ab 1970 befindet es sich im Besitz der Gemeinde Schliengen, die es um 1975-77 renovierte und dabei dem Torturm einen Spitzhelm aufsetzte. (H.W.)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte des Schlosses ist bislang erst unzureichend erforscht worden. Als Erbauer einer mittelalterlichen Vorgängeranlage könnten die Schwenlin in Frage kommen. Um 1600 taucht in den Schriftquellen die Bezeichnung "Entenstein" für den Adelssitz auf. Ab 1857 ließen die Grafen Andlau-Homburg die Anlage historistisch umgestalten. 1975-77 wurde das Anwesen renoviert und die Mitte des 19. Jh. teilweise zugeschütteten Wassergräben wiederhergestellt. (H.W.; J.F.)

Baubeschreibung:

Der rechteckige Baukörper des Wasserschlosses ist von einem 1976/77 wieder geöffneten und bewässerten Graben umgeben. Der Zugang ins Gebäude erfolgte von Norden durch einen risalitartig vorspringenden Torturm, der ursprünglich mit einem steilen Satteldach abschloss und vermutlich im 16. Jh. unter Hans Ulrich Nagel in Zusammenhang mit dem Einbau einer Zugbrücke entstand.
Das Schloss hat zwei Wohngeschosse, wobei das Untergeschoss dekorative Scharten und Kellerfenster aufweist. Die Ecken sind durch Strebepfeiler aus Buckelquadern abgestützt, die aufgrund ihrer Kissenbuckel zur Erweiterungsphase des 16. Jhs. gehören und um 1748 mit Glattquadern repariert wurden. Genauere baugeschichtliche Untersuchungen erfolgten bislang noch nicht. Im Gebäude soll, ausgewiesen 1975 durch Baufugen im mittleren Teil der südlichen Außenseite und durch einen eigenständigen Keller, ein Turm des 13./14. Jhs. stecken. In der 2. Hälfte des 16. Jhs., teilweise vielleicht schon früher, soll dieser Turm auf die Fläche des heutigen Gebäudes erweitert worden sein. Im Westen kam im 18. Jh. ein Treppenanbau hinzu, der einen kleinen Vorgängerbau - offenbar die alte Schlosskapelle - integrierte. Zeitgleich wurde offenbar die Innenkonzeption verändert, indem man ältere massive Wände abbrach und neue dünne Fachwerkwände einzog. Weitere Umgestaltungen und Sanierungen folgten im 19. und 20. Jh. So wurden um 1858 der Weiher teilweise zugeschüttet, die Zugbrücke abgerissen und durch eine Freitreppe ersetzt, der Torturm im Oberbau mit einem Fachwerkaufsatz versehen, die Küche in den Gewölbekeller verlegt. An der Ostseite des Gebäudes wurde ein neuer Parkzugang geschaffen. (H.W.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Wenige Lesefunde im Parkgelände, spätmittelalterlich bis frühneuzeitlich. Die Ausbaggerung des verlandeten Grabens wurde nicht beobachtet.