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Hornberg

Geschichte:

Spätestens kurz vor 1200, als die Herrschaft Hornberg in Triberg und Hornberg geteilt wurde, siedelten die Herren von Hornberg von einer extrem gelegenen älteren Burg auf diesen Berg über und gründeten das 100 m tiefer gelegene Städtchen. Bekannt ist der Minnesänger Bruno von Hornberg, der im 13. Jh. lebte. Ab der 2. Hälfte des 14. Jhs. führte ein rapider Niedergang schließlich 1443 zum Verkauf der letzten Herrschaftsrechte an die Grafen von Württemberg. Fortan amtierte ein Untervogt auf der Burg, die 1548 den Reformator Johannes Brenz beherbergte. In der württembergischen Zeit erfolgten 1564 und 1621 der Ausbau der alten Burg und der Umbau des sog. Pulverturms. Während des Dreißigjährigen Krieges lagen sich um 1640/41 in verschiedenen Teilen der Burg einerseits schwedische und französische, andererseits bayerische Truppen gegenüber. Beim Abzug der Schweden und Franzosen 1641 wurde der östliche Teil der Burg angezündet. Ein 1643 von M. Merian veröffentlichter Kupferstich zeigt noch den Zustand vor dieser Zerstörung. Das Hauptschloss überstand den Dreißigjährigen Krieg, beherbergte jedoch 1688/89 französische Truppen, die es bei ihrem Abzug am 9. Januar 1689 einäscherten. Um 1710 wurde in einem Bericht auf den schlechten Verteidigungszustand des ruinierten Schlosses hingewiesen, das erst um 1734/35 im Rahmen der Schanzenbauten und -ausbesserungen im gesamten Schwarzwald einen Kommandantenbau erhielt - das später so genannte "Barockschloß". Als Mannschaftsunterkunft diente anfangs der Bergfried, bis um 1739 die Mannschaftsunterkünfte auf der Nordostseite fertig gestellt waren. Schlechte Bauausführung und wechselnde Besatzungen verursachten Schäden, woraufhin man die Reste des Kasernenbaus bereits 1823 wieder abriss. Der 1743 vollendete Kommandantenbau wurde 1776 saniert, um der erkrankten Schwester des württembergischen Herzogs Carl Eugen bis zu ihrem Tod 1787 als Wohnsitz zu dienen. In diese Zeit gehören die in Plänen belegten Barockgärten. Das Schlossgut gelangte 1841 an eine Brauerei. Nach wechselnden Besitzern und Nutzungen kaufte ein Hotelier das Schlossgut, der das noch heute bestehende Schlosshotel im Bereich des ehem. Halsgrabens erbaute. Das Schlossgelände selbst wurde 1956 von der Stadt für Wohnzwecke erworben, das Barockschloss 1976 abgerissen. Die Burgruine steht in Zusammenhang mit der sprichwörtlich gewordenen Sage vom "Hornberger Schießen", derzufolge man anlässlich eines herzoglichen Besuches den Salut versehentlich zu früh abfeuerte und alles Pulver dadurch verschoss. (H.W.)

Bauentwicklung:

Der ältesten Anlage des ausgehenden 12. Jhs. gehören vermutlich die unteren Partien eines später als Kanonenrondell genutzten turmartigen Gebäudes auf der Spornspitze des Burgbergs an. Für diese frühe Datierung sprechen zumindest die dort verwendeten großen Granitblöcke im Sockelbereich. Der ebenfalls aus Granikmauerwerk aufgeführte und mit Eckbuckelquadern versehene quadratische Bergfried wird in die erste Hälfte des 13. Jhs. zu datieren sein. Nach dem Übergang Hornbergs an das Haus Württemberg erfolgte 1564 und 1621 der Ausbau der Burg sowie die Umgestaltung des sog. Pulverturms. Während der Kampfhandlungen des Dreißigjährigen Krieges wurde 1641 der östliche Teil der Burg durch Feuer zerstört. Eine weitere Zerstörung der bis zu diesem Zeitpunkt noch teilweise erhaltenen Hauptburg erfolgte durch die Franzosen 1689. In den 1730er Jahren entstand das sogenannte "Barockschloss", ein Kommandantenhaus auf der Burg, die durch den Um- und Ausbau der Außenanlagen erneut in einen verteidlgungsfähigen Zustand versetzt wurde. Das Kommandantenhaus wurde schließlich 1976 niedergelegt und das Burggelände parkartig gestaltet. (H.W.; J.F.)

Baubeschreibung:

Die heutzutage parkartig gestalteten Anlagen auf dem Schlossberg erstrecken sich über 150 m in SO-NW-Richtung. Die schmale Spornspitze ist durch ein Kanonenrondell befestigt, dessen Sockelmauerwerk aus großen Granitblöcken möglicherweise noch ins 12. oder 13. Jh. gehören könnte. Hier, durch einen Halsgraben von der heutigen Hauptburg getrennt, soll die älteste Burganlage des 12. Jhs. gestanden haben. Nach Nordwesten folgen ein Felshügel, dessen künstlich geschaffene Höhle schon auf einem Plan um 1800 auftaucht, und ein zweiter, sehr breiter Halsgraben. In ihn mündet von Westen der Zugang in den frühneuzeitlich befestigten Außenbereich. Die mittelalterliche Zugangssituation lässt sich durch zahlreiche Umbauten nicht mehr erschließen. Auf einem weiteren, gleichfalls ausgehöhlten Felskopf steht der 1621 erstellte oder umgebaute Pulverturm (Datierung an der Tür, Wappen der Hornberger). Nördlich und östlich davon trug die untere Plattform ursprünglich Kasernenbauten; heute sind hier Wege und Gartenbeete angelegt. Auf einen weiteren Halsgraben folgt das Felsplateau der Hauptburg, deren Umfassungsmauer randlich in geringen Resten erkennbar ist. Wichtigstes Bauteil ist der noch 17 m hohe, außen 8,85 x 8,05 m große Bergfried. Er besteht aus grobem Granitmauerwerk, wobei die Eckbuckelquader aus Sandstein offenbar durch den Brand 1689 stark abgeplatzt sind. Der Turm wurde neuzeitlich erhöht und trägt im untersten Teil Spuren einiger Sanierungen. Er wurde ursprünglich auf der NO-Seite durch einen wohl rundbogigen Hocheingang erschlossen, wohingegen der heutige ebenerdige Zugang erst 1735 durch die Turmmauer gebrochen wurde. Als Datierung für den Bergfried wird hier die erste Hälfte oder Mitte des 13. Jhs. vorgeschlagen. Die unteren Plateaus im breiten westlichen und nordwestlichen Teil der Burg sind teils durch frühneuzeitliche Bastionen, teils durch Stützmauern der spätbarocken Gärten geprägt, an die das Schlosshotel des 19. Jhs. angrenzt. (H.W.)

Arch-Untersuchung/Funde:

wenige Lesefunde