EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Lahr

Geschichte:

Bereits 1215 wird ein "Heinricus de Lare" genannt, bei dem es sich um einen Ministerialen der Markgrafen von Baden handelte. Denkbar ist, dass er bereits auf einer Burg saß, aber wohl nicht an der Stelle der Wasserburg. Die Siedlung Lahr dürfte damals nur aus einer Ansammlung von Höfen bestanden haben, ihr Stadtrecht ist erst 1278 belegt. Die Initiative zum Bau der Burg um 1220 wird bei Kaiser Friedrich II. gesucht, der sich nach dem Aussterben der Zähringer 1218 im nahen Mahlberg aufhielt, Reichsgebiete einzog und das Erbe der Zähringer unter mehrere Adelsgeschlechter verteilte. Lahr kam an die mächtigen Geroldsecker. Walter I. von Geroldseck, Bischof von Straßburg, verlor 1262 bei Hausbergen im Elsass eine Schlacht gegen die Stadt Straßburg und leitete dadurch den Machtniedergang seines Geschlechtes ein. Etwas später, um 1260/70, wurde die Stiftskirche in Lahr erbaut, die als Familiengrablege dienen sollte. Im Jahre 1426 starb die Lahrer Linie der Familie aus. In der Herrschaft folgten Moers-Saarwerden, dann Nassau-Saarbrücken zusammen mit Baden, dann Nassau-Weilburg und zuletzt Nassau-Usingen. Die Burg wurde nur noch von Beamten bewohnt, und es traten erste Bauschäden auf. Zwischen 1654 und 1727 war Lahr Pfandbesitz der Markgrafen von Baden-Durlach. Im Jahre 1677 wurde Lahr von den Franzosen unter Créqui eingeäschert. 1717 erhielt der Storchenturm ein neues Dach. 1728 verursachte ein Erdbeben weitere Schäden an der Burg, die 1734 nur noch notdürftig mit Palisaden und Trockenmauern befestigt wurde. 1757 erwarb die Stadt die Burgruine von Fürst Carl von Nassau-Saarbrücken und begann mit dem Abbruch und der Neubebauung des Geländes. Der verbliebene östliche Eckturm, der sog. Storchenturm, wurde bis 1861 als Gefängnis genutzt und entging 1936/37 knapp einem Abbruch. (H.W.)

Bauentwicklung:

Die Initiative zum Bau der regelmäßigen viertürmigen Kastellburg mit zentrelem Bergfried ging sehr wahrscheinlich um 1220 von Kaiser Friedrich II. aus. Bauliche Veränderungen in spät- und nachmittelalterlicher Zeit sind nicht nachweisbar bzw. fanden nur in geringem Umfang statt, so dass die noch erhaltenen Reste den stauferzeitlichen Charakter der Burg sehr gut erkennen lassen. 1677 wurden die Burg und das Städtchen Lahr von den Franzosen zerstört. 1717 erhielt der Storchenturm eine neues Dach. Nach dem Erwerb der Burgruine durch die Stadt 1757 wurde der Baubestand erheblich dezimiert und das Gelände der Anlage teilweise überbaut. Der verbliebene Rest mit dem östlichen Eckturm, dem sog. Storchenturm, diente bis 1861 als Gefängnis. Seit 1966 beherbergt der Turm ein kleines Museum. Der quadratische Bergfried konnte 1933 im Zuge einer archäologischen Untersuchung nachgewiesen werden. Der Nordturm der Kastellburg wurde im Jahr 2000 bei Ausschachtungsarbeiten für den Bau eines Drogeriemarktes freigelegt und dokumentiert. Den Westturm hatte man bereits 1960 erfasst. (H.W.; J.F.)

Baubeschreibung:

Am Ausgang des Schuttertales, mitten in der heutigen Stadt Lahr steht der sog. "Storchenturm" als Rest der stauferzeitlichen Niederungsburg. Ihre Form ist durch alte Ansichten, Abrissprotokolle und archäologische Untersuchungen gesichert. Der Grundriss war nahezu quadratisch mit etwa 45 m Seitenlänge, mit je einem weit vorspringenden runden Eckturm, und ist damit ein Vertreter des hierzulande seltenen Kastelltypus. Die Innenbebauung lehnte sich an die nordwestliche (zwei Gebäude) und südöstliche (Palas) Ringmauer an. Der Grundriss entspricht gut der 6 km entfernten Burg Dautenstein bei Seelbach.
Ein Tannenholzbrettchen eines kleinen Fensters im "Storchenturm" wurde dendrochronologisch in die Zeit um 1220 datiert und stellt so offenbar einen Bezug zum Ortenau-Aufenthalt Friedrichs II. her. Die Bauform erinnert an die - allerdings etwas jüngeren - Kastellburgen Friedrichs II. auf Sizilien. Der 28 m breite, verfüllte Wassergraben wurde im Nordosten durch eine Steinbrücke überschritten. Ringmauer und Außenmauern des Grabens bestanden aus Buntsandstein-Buckelquadern. Die Stadtbefestigung schloss an diejenige der Burg an. Mitten im Burghof stand, 1933 entdeckt, ein quadratischer Bergfried von etwa 3 m Mauerstärke, der vom Palas aus über einen Holzsteg erschlossen wurde. Der östliche Rundturm mit seinen schmalen Schlitzscharten ist noch erhalten und wieder freigestellt. Der angrenzende Palas zeigt noch Spuren eines Aborterkers, ein Doppelfenster mit Kleeblattblendbogen und feinen Säulchen und weitere Doppelfenster. An der Burg wurden über 72 Steinmetzzeichen festgestellt. Der südliche Rundturm ist als Rest im Untergeschoss des Café Kopf zu sehen. Der nördliche Rundturm wurde im Jahr 2000 ausgegraben und nach Dokumentation abgedeckt, der Westturm bereits um 1960 erfasst. Die "Häufung" von Kastellburgen und weiteren repräsentativen Anlagen wie Mahlberg und Ortenberg zeigt das Interesse der Staufer an der südlichen Ortenau mit ihren Verkehrsverbindungen (Schwarzwaldübergang). (H.W.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Mehrere Grabungen