EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Ortenberg

Geschichte:

Eine Burg Ortenberg am Ausgang des Kinzigtals wird um 1232-35 in den Acta Gengenbacensia (Kloster Gengenbach) erstmals genannt. Vielleicht wurde die Burg erst um 1218 anläßlich des Aufenthalts von König Friedrich II. in der Ortenau gegründet, als er nach dem Aussterben der Zähringer die Herrschaftsverhältnisse neu ordnete. Die Burg blieb bis 1246 staufisch, war ein Reichssteuermittelpunkt und wurde 1246 vom Straßburger Bischof Heinrich von Stahleck eingenommen. Der Bischof gab die Burg 1274 an König Rudolf I. von Habsburg zurück. Das Ortenauer Reichsgebiet wurde im 14.-16. Jh. zeitweise an die Markgrafen von Baden, die Bischöfe von Straßburg und die Kurfürsten der Pfalz verpfändet. 1504 eroberte Maximilian I. Ortenberg im Landshuter Erbfolgekrieg gegen die Kurpfalz. Nach Verpfändungen kam Habsburg Mitte des 16. Jhs. wieder an die Pfandschaft. Die Burg war bereits baulich heruntergekommen und wurde im Dreißigjährigen Krieg nicht verteidigt (mehrfache Besitzerwechsel, Brand 1643). 1678 wurde die Burg von den Franzosen gesprengt, 1697 verbrannt. Der Bergfried wurde bis um 1760 als Verlies genutzt. Die Ruine wurde 1833 von Gabriel Leonhard von Berckholtz aus Riga ersteigert, der die Burg im Stil der englischen Gotik repräsentativ ausbauen ließ. Über weitere Besitzer, die sie nur als Sommerfrische nutzten, kam die Burg 1942 an das Deutsche Jugendherbergswerk; 1974-88 wurde sie saniert. (H.W.)

Bauentwicklung:

Die Anfänge der Burg reichen vermutlich bis in die erste Hälfte des 13. Jh. zurück. Von der mittelalterlichen Anlage blieb im Baubestand lediglich der untere Teil des quadratischen Bergfrieds erhalten. Teile der Ringmauer mit Flankentürmen sowie der sog. Malerturm mit Resten von Gewölben datieren in das Spätmittelalter (15. Jh.). Das Erscheinungsbild der Burg wird im wesentlichen durch den neugotischen Baubestand der Anlage geprägt. Im Zuge der Baumaßnahmen 1838-43 erhielt der Bergfriedstumpf einen oktongonalen Aufsatz. In der schriftlichen Überlieferung des Späten Mittelalters ist 1415 und 1418 von einer Erhöhung des Hauptturms die Rede. Die Zerstörung der mittelalterlichen Anlage erfolgte in den Jahren 1678 und 1697. (H.W.; J.F.)

Baubeschreibung:

Der Burgweg führt vom Dorf in Serpentinen zum Burgtor. Ein bogenförmiger Graben trennt die Burg nach Nordosten und Osten vom ansteigenden Hang ab. Ehemals dort vorhandene Erdwerke wurden in den 1950er Jahren planiert. Neben dem im 19. Jh. erneuerten Burgtor der Unterburg ist der Rest eines runden Eckturms erkennbar. Der Zugang in die Oberburg führt heutzutage von Norden durch den Malerturm mit einem Gewölbe des 19. Jhs. Ältestes sichtbares Bauteil der Burg ist der Stumpf des Bergfrieds mit etwa 2,40 m Mauerstärke, der sog. "Schimmel". Die Buckelquader aus Sandstein sind aufgrund der Sprengung 1678 und des Brandes 1697 rissig und abgeplatzt. Der ebenerdige Eingang in das spätmittelalterliche Verlies wurde erst zwischen 1838 und 1843 durch die Mauer gebrochen. Im 19. Jh. wurde der Turmstumpf ergänzt und erhielt einen achteckigen neogotischen Aufsatz. Eine Mulde südwestlich des Bergfrieds zeigt vermutlich einen Gebäudetrakt (Palas) an. Ein weiterer Palas stand am südlichen Ende des Burghofes der Oberburg; seine Reste wurden im 19. Jh. abgetragen. Etwas versetzt entstand der neogotische Palas. Die Außenwirkung der Burg wird durch die Ringmauer mit Rundtürmen und Stützpfeilern geprägt. Die Pfeiler gehören großteils ins 15. Jh. Damals initiierte die Teilherrschaft Kurpfalz Baumaßnahmen; so wurde zwischen 1415 und 1418 der Bergfried erhöht und mit Erkern versehen und der Brunnen instand gesetzt. Die Unterburg wurde wohl im letzten Viertel des 15. Jhs. ausgebaut, als sich der Konflikt mit Geroldseck und den Habsburgern abzeichnete. Auf der Westseite der Unterburg sind unter den Konsolsteinen eines Erkers (Balkon oder Abort?) eine Buckelquaderecke und ein zugehöriges, 10 m lang erhaltenes Mauerstück erkennbar. Es dürfte sich um eine Ecke der staufischen Vorburg handeln. Die Burg Ortenberg stellt u.a. ein Frühwerk des Historismus in Baden und eines der wenigen Beispiele gebauter Burgenromantik in der Region dar. (H.W.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Lesefunde in den Hangbereichen (Keramik ab dem 13. Jh.).