EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Schneeburg

Geschichte:

Eine in der Literatur gelegentlich diskutierte Entstehung im 12. oder mittleren 13. Jh. ist aus historischen und archäologischen Gründen abzulehnen. Baubefunde und Konzeption deuten gemeinsam mit dem archäologischen Fundmaterial vielmehr auf eine Entstehung im ausgehenden 13. Jh. hin. Der Erbauer der 1312 erstmals beurkundeten, damals im Besitz des Friedrich von Hornberg befindlichen Burg ist nicht bekannt. Indirekt ist ihr Vorhandensein bereits für 1302 zu erschließen, als die Wilde Schneeburg bei Oberried-St. Wilhelm offenbar zur Unterscheidung von einer älteren Burg als "neu" bezeichnet wurde. Es ist denkbar, dass die Schneeburg von den Hornbergern im Auftrag oder mit Duldung des Klosters St. Gallen in den 1280er Jahren errichtet wurde. Auch im Rahmen ihrer Parteinahme für Rudolf von Habsburg wäre eine Burggründung plausibel. In einer Urkunde von 1312 wird mit dem Zisterzienserkloster Tennenbach ein Vergleich geschlossen, bei dem es um Schäden geht, die Mönche an der Schneeburg bei der Verfolgung eines "Abtrünnigen" verursacht hatten. Die Hintergründe dieses Vorfalles sind leider nicht überliefert. Im Jahre 1349 übertrug Werner von Hornberg die Burg und den Wirtschaftshof an das Kloster St. Gallen und erhielt sie als Lehen zurück. 1387 verzichteten Beatrix - die Schwester Werners von Hornberg und Witwe des Johann Schnewlin zum Wiger - und ihre Söhne gegen Zahlung von 200 Gulden auf ihre Ansprüche an Ebringen und der Schneeburg. Die erste Hälfte des 15. Jhs. war durch Streitigkeiten im Zusammenhang mit Erbfällen und Ansprüchen geprägt. 1458 kam Hans von Embs durch Heirat mit der Witwe Konrads von Hornberg, Benignosa von Rathsamhausen, in den Besitz der Herrschaft. Zwei Jahre später wurde er auch von St. Gallen belehnt. Nach seinem Tod ca. 1491/92 wurde seine Witwe Helena, geb. von Klingenberg, von ihrem Schwiegersohn Jörg von Ebenstein vertreten, dessen Witwe wiederum um 1500 Sigmund von Falkenstein heiratete. Dieser wurde nach jahrelangem Streit 1506 durch den Abt von St. Gallen belehnt. Eine angebliche Zerstörung der Burg im Bauernkrieg 1525 ist unwahrscheinlich, da diese damals wohl bereits abgegangen und der Herrschaftssitz bereits ins Tal verlegt worden war.
Von 1905 bis 1907 erfolgten Freilegungs- und Sicherungsarbeiten an der Ruine, eine weitere Sanierung um das Jahr 2000. (H.W.)

Bauentwicklung:

Die Datierung der Burg wird kontrovers diskutiert. Baubefunde und archäologisches Fundmaterial legen eine Entstehung im ausgehenden 13. Jh. nahe. In der schriftlichen Überlieferung wird die Schneeburg erstmals 1312 erwähnt. Der erhaltene Baubestand der Burg datiert ins Spätmittelalter. Eine detaillierte Untersuchung der Anlage steht noch aus. Vermutlich war die Burg zur Zeit des Bauernkriegs 1525 bereits nicht mehr wohnlich genutzt, da Quellen, die von ihrer Zerstörung berichten, fehlen. Von 1905 bis 1907 fanden im Burgbereich Freilegungs- und Sicherungsarbeiten statt. Eine grundlegende Sanierung erfolgte im Jahr 2000. (H.W.; J.F.)

Baubeschreibung:

Vom Gasthaus führt ein Fahrweg nach Westen, dann ein Wanderweg über eine Wiese (Bergsattel) nach Norden in den Wald. Der alte und neue Zugang zur Burg kreuzt den auf drei Seiten umlaufenden Graben mit Vorwall unterhalb der SO-Ecke der Burg. Rechter Hand ist ein Aushubhügel vom Bau des Grabens im Wald zu sehen. Der Eingang in die Burg erfolgt heute durch eine große Mauerbresche in der Ostwand, die im Erdgeschoss zwei rezent eingesetzte Fenstergewände anstelle hier zu vermutender Schießscharten enthält. Die nur fragmentarisch erhaltene Burg zeigt einen länglichen Grundriss in Nord-Süd-Richtung mit abgerundeten Ecken. Im Norden durchzieht ein tiefer Halsgraben die tertiären Konglomerate. Das hochragende nördliche Wandfragment weist im oberen Teil und an den Bruchkanten moderne Ergänzungen aus, außerdem ist das obere seiner beiden Fenster rezent gemauert. Auf ein mögliches zweites Fenster im 1. OG könnten einige Backsteine an der Ausbruchkante der Mauer hinweisen. Ansonsten ist das untere Mauerwerk, dessen großflächige Rötung der Kalksteine auf einen Brand hinweist, weitgehend original. Im unteren Teil lag ein lichtloser, anscheinend zweigeschossiger Lagerraum oder Stall. Eine Fensteröffnung besitzt noch ihren originalen Innenputz und ihr Außengewände aus buckligen Blöcken. Dieses Nordgebäude ist - statt wie bisher als Turm - eher als hochaufragender Palas zu rekonstruieren.
Ein massiver Mauerrest zeigt die Südwand des Palas an, eine dünne Mauer im Boden eine ehemalige Binnengliederung. Südlich schloss sich an den Palas ein Hof mit einem rezent aufgemauerten Brunnen an. Stichbogige, weitgehend nicht mehr originale Nischen in der Ringmauer bezeugen wohl ehemalige Schießscharten, deren Innenöffnungen bei der Sanierung falsch als Sitznischen rekonstruiert wurden. Eine in Ost-West-Richtung verlaufende Mauer, die einen absolut unsinnig rekonstruierten Durchgang enthält, verweist auf ein weiteres Gebäude am Südende, bei dem es sich um eine Verwalter- und Gesindewohnung oder um ein Ökonomiegebäude handeln könnte. (H.W.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Lesefunde 13.-15. Jh.