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Talvogtei

Geschichte:

Im Jahre 1297 ist der Verkauf eines Dinghofes an die Johanniter überliefert. Es ist unklar, ob er an der Stelle der Talvogtei oder in deren Nähe stand. In Betracht käme u.a. der Platz der Zehntscheune.
Das in der Kirche von Kirchzarten aufbewahrte, fein gearbeitete Epitaph des Kuno von Falkenstein (gest. 1343) gab zu der Vermutung Anlass, er habe auf der Talvogtei gesessen. Dies ist spekulativ, denn die Kirche diente früher einem größeren Gebiet als durchaus prominenter Bestattungsort. Die Herrschaft ging über verschiedene Falkensteiner 1395 an Hans von Tigesheim, der vermutlich mit dem Bau der Burg begann. Danach wurde die Ortsherrschaft meist unter verschiedene Blumenecker und Schnewlin aufgeteilt. Eine erste direkte Burgnennung fällt erst in das Jahr 1437. Um 1492 und 1496 erfolgte der Verkauf Kirchzartens an die Stadt Freiburg. Ab etwa 1497 wurden die ausgedehnten Gebiete der Stadt Freiburg im Dreisamtal durch die Kirchzartener "Talvogtei" verwaltet. Nachdem die Verwaltungsgebäude 1502-1716 als "Schloss" bezeichnet wurden, übertrug man erst ab 1785 den Verwaltungsbegriff "Talvogtei" auf das Gebäude selbst. Im Bauernkrieg 1525 blieb die Burg von Zerstörungen verschont. Im Jahre 1540 wurde eine Laube an der Südseite des Nordflügels errichtet, jedoch schon 1620/21 wieder abgerissen. Im 18. Jh. Erwähnen die Akten Bauarbeiten wie 1786 den Umbau des Tores und Pflasterarbeiten im Hof. Der Verwaltungsbezirk Talvogtei bestand bis 1808 und wurde beim Anfall des Breisgaus an das Großherzogtum Baden aufgelöst, das Gebäude 1818 an zwei Bauern verkauft. Aus dem Jahre 1881 stammen zwei Federzeichnungen von F. Lederle. Das Anwesen wurde als Landwirtschaft und Werkstatt weitergenutzt, wodurch sich der Zustand der Bausubstanz kontinuierlich verschlechterte. Im Jahre 1952 stürzte der Südflügel ein und wurde in zwei Etappen wieder aufgebaut. Im Jahre 1981 erwarb die Gemeinde den Mittelteil, 1990 den Nordflügel. (H.W.)

Bauentwicklung:

Die sehr wahrscheinlich um 1395 entstandene Talvogtei, eine Niederungsburg, zählt zu den spätesten Burggründungen des Oberrheingebietes. Erste schriftliche Nachrichten, die sich auf Baumaßnahmen an dem Gebäudekomplex beziehen liegen aus dem zweiten Viertel des 16. Jhs. vor. 1540 wurde eine Laube an der Südseite des Nordflügels errichtet. Im 18. Jh. finden sich weitere Nachrichten zu baulichen Aktivitäten. 1786 werden der Umbau des Tores und Pflasterarbeiten erwähnt. Der 1952 eingestürtzte Südflügel wurde in zwei Etappen wiederaufgerichtete. Von 1990-2000 wurde der Gebäudekomplex untersucht und saniert. Eine Frühdatierung der Ringmauer und anderer, noch im Boden befindlicher Mauerzüge ins "frühe 13. Jh." oder ins "12./13. Jh." kann ausgeschlossen werden. Unterstützt wird diese These durch das Fehlen romanischer oder frühgotischer Baudetails. Als Entstehungszeit für die Ringmauer schlägt Wagner (2003) den Zeitraum zwischen 1297 und 1400 mit klarer Tendenz in Richtung 1400 vor. Für den Nordflügel liegt eine dendrochronologische Datierung in die Jahre 1396-1400 vor. Im 16. Jh. scheint der Südflügel entstanden zu sein. Beide Bauteile scheinen erst im 18. Jh. durch einen Zwischentrakt verbunden worden zu sein. (H.W.)

Baubeschreibung:

Die ursprünglich von einem 12-14 m breiten Graben umgebene, nahezu quadratische Niederungsburg "Talvogtei" gliedert sich heute in drei Gebäudeflügel und einen vorgelagerten Hof mit Zugang von Osten. Für die ursprünglich höhere Ummauerung wird in der Literatur eine Entstehung im 12./13. Jh. oder "Anfang 13. Jh.) behauptet. Die glatten Eckquader, einige Scharten und Zinnen (unter der Dachtraufe) deuten im Zusammenhang mit der Datierung des Nordflügels auf eine Datierung der Ringmauer ins späte 14. Jh. (kurz vor 1400). Der Nordflügel ist dendrochronologisch auf 1396-1400 datiert und ist mit einer Fuge gegen die Außenmauer gesetzt. Die Eckgestaltung des Nordflügels mit glatten Quadern (heute überputzt) entspricht derjenigen der Ringmauer. Der Nordflügel enthält im Erdgeschoss heute einen Saal, der sich aus drei ursprünglichen Räumen zusammensetzt. Die Decken zeigen teils eine Vertäfelung von 1430 (im Westen), teils Bohlen und Balken mit renaissancezeitlicher Bemalung. Auch in gemauerten stichbogigen Fensternischen sind Ausmalungsreste der Renaissance erhalten. Der Südflügel kam im 16. Jh. als Wohnung des Vogtes hinzu, ist aber nach einem Teileinsturz im Jahre 1952 wieder erneuert worden. Der mittlere Flügel (Westflügel) entstand um 1621 (Datierung am Treppenturm). Im 18. Jh. wurde die hofseitige Fassade mit der Befensterung symmetrisch gestaltet; vermutlich trug man spätestens damals den oberen Teil der den Hof umfassenden Ringmauer mit dem Wehrgang ab. Ins 18. Jh. gehört ein kleiner Barockgarten östlich des Nordflügels. 1786 wurde ein neues Tor in der Mitte der Ostseite erbaut (vorher weiter nördlich gelegen). Die Talvogtei ist inzwischen saniert und zum Rathaus gestaltet; der auffallende rote Anstrich der Gebäude entspricht einem restauratorischen Befund. Zahlreiche Mauerbefunde bei den Baggerungen im Hofbereich sind (noch) nicht einzuordnen. Einige dürften älter als 1400 sein und zu einer Vorgängerbebauung gehören. Mauerfundamente im Hof entlang der östlichen Ringmauer könnten zu einem Stall oder Wirtschaftsgebäude gehören und beziehen sich noch auf den älteren Toreingang der Burg (zwischen 1400 und 1786). (H.W.)