EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Buda (Ofen)

Geschichte:

Die Anfänge der auf dem niedrigen südlichen Sporn des lang gestreckten Bergplateaus am rechten Donauufer errichteten Königsresidenz sind noch nicht vollkommen geklärt. Es wird zwar immer noch behauptet, dass die in der nach 1245 gegründeten - bzw. wegen der Mongolengefahr vom linken Flussufer übersiedelten - königlichen Stadt (ungarisch: Buda, deutsch: Ofen) vorausgesetzte Burg (oder ein Wohnsitz) des Königs Béla IV. schon hier gesucht werden soll - wodurch die Siedlung morphologisch als eine typische Vorburgstadt einzureihen wäre - eindeutige Reste von königlichen Gebäuden aus der Stadtgründungszeit kennen wir aber noch nicht. Nach historischen Angaben rechnet man hier spätestens um 1350 mit einer Residenz des Herzogs Stefan, des Bruders des Königs Ludwig von Anjou. Ob sich auch der König selbst - der zwischen 1347 und 1355 seinen Hof in Buda (Ofen) hatte - hier aufhielt, ist unbekannt, es wird sonst angenommen, dass die hiesigen Bauten spätestens in den letzten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts schon für eine Königsresidenz geeignet waren. Erst König Sigismund von Luxemburg wählte sie aber zwischen 1405 und 1408 zu seinem ständigen Aufenthaltsort - ab dieser Zeit galt die Stadt Buda (Ofen) mit ihrer königlichen Stadtresidenz als Hauptstadt des Königreiches Ungarn. Unter den Nachfolgern von Sigismund sind besonders Matthias Corvinus (1458-1490) und die beiden Jagiellonen, Wladislaw und Ludwig (1490-1426) hervorzuheben. Nach der Schlacht bei Mohács (1526) haben die Osmanen so die Stadt wie auch die Königsresidenz mehrmals eingenommen und geplündert, ab 1541 blieb dann Buda (Ofen) für 145 Jahre unter osmanischer Besetzung. Die vereinigten christlichen Heere konnten sie erst 1686 durch schwere Belagerung einnehmen, die dann die Zerstörung der meisten königlichen Bauten zur Folge hatte. Anstelle der abgetragenen mittelalterlichen Residenz ließ Mitte des 18. Jahrhunderts Maria Theresia ein Barockschloss errichten, das am Ende des 19. Jahrhunderts mit weiteren neuen Flügeln erweitert wurde. Erst die Zerstörungen des 2. Weltkrieges ermöglichten die Entdeckung und Wiederherstellung einiger mittelalterlichen Gebäudeteile, sowie die Klärung der Hauptzüge der Baugeschichte der Burganlage. (I.F.)

Bauentwicklung:

Die auf dem Gebiet der spätmittelalterlichen Königsresidenz bisher bekannten frühesten Gebäudespuren ermöglichen zwar nicht die Bestimmung einer zusammenhängenden Disposition, sie sind aber wahrscheinlich mit den ersten bürgerlichen Bauten der Zeit der Stadtgründung in Verbindung zu bringen, die dann später - während der ständigen Erweiterung des herrschaftlichen Bezirkes - stufenweise abgetragen wurden. Der erste, eindeutig interpretierbare Bau ist hier der Stumpf eines diagonal stehenden quadratischen Turmes am Südrand des Plateaus - seine Seitenlänge beträgt 11 m - der aufgrund der mittelalterlichen Quellen nach einem gewissen Herzog Stefan genannt wurde. Seine wenige Detailformen sprechen eher für die Mitte des 14. Jahrhunderts, als für eine frühere Zeit. Gleichzeitig oder etwas später sollten die an der Nordseite dieses Turmes sich anschließenden Palastflügel um einen kleinen und schmalen Binnenhof herum entstehen - ihre aufgehenden Mauerteile sind den neuzeitlichen Abbrucharbeiten zum Opfer gefallen. Noch auf das 14. Jahrhundert werden zwei weitere Gebäudeflügel datiert - der kaum bekannte Ostflügel am Rande des Felsenblockes des hier schon etwas breiteren Bergplateaus mit der Kapelle, sowie der lang gestreckte Westflügel, deren Grundmauern relativ gut erhalten blieben. Ein Teil der Forschung vertritt aber die Meinung, dass der letzterwähnte Bau schon der ausgedehnten Bautätigkeit des Königs Sigismund Luxemburg (1387-1437) zuzuordnen ist. Es steht außer Zweifel, dass Sigismund der größte Bauherr der Budaer (Ofner) Residenz war. Er ließ anfangs einen mächtigen Turmbau am Nordende des Westflügels errichten und den südlichen Stefansturm mit neuen Palastbauten umgeben. Etwas später entschloss er sich für den Bau eines weiteren Prunkhofes weiter nördlich von den früheren Bauten, was nur durch Abbruch von mehreren städtischen Häusern durchzuführen war. Unter den heute näher unbekannten Palastbauten dieses Hofes sollte der nördliche sog. Sigismund-Bau besonders prächtig sein, entweder hier standen oder hierher waren geplant die berühmten Skulpturen aus der Zeit um 1420. Auch in der Sigismund-Zeit - bis etwa 1430, als die Bauarbeiten beendet bzw. abgestellt wurden - entstand der mit der Stadtbefestigung verknüpfte äußere Mauergürtel der Residenz mit seinen Tor- und Zwingeranlagen bzw. Gärten. König Matthias Corvinus (1458-1490) ließ dann mehrere frühere Bauten im Stil der Spätgotik und - in der zweiten Hälfte seiner Regierung - der italienischen Renaissance umbauen. Besonders in West- und Nordostflügeln rechnet man mit bedeutenden Renaissance-Details, in Südwesten wird ein Hängegarten vermutet. Die Bauarbeiten wurden auch unter Wladislaw II. fortgesetzt. Das mächtige Südrondell mit dem Torturm entstand aber schon nach 1530, kurz vor der osmanischen Besetzung der Burg und Stadt. (I.F.)

Baubeschreibung:

Dank den Freilegungen und Wiederherstellungsarbeiten der Nachkriegszeit findet man heute südlich und östlich der neuzeitlichen Schlossbauten nicht nur ein zusammenhängendes System der spätmittelalterlichen äußeren Mauern – darunter der wieder aufgebaute, schlanke sog. Kolbenturm im Südwesten, sowie die zum Donauufer herunter laufenden Zwingermauer im Osten – sondern auch einige Teile der Palastbauten. An der Ostseite des viereckigen Stefanturmes sind zwei Geschosse des Südpalastes mit einem kreuzgewölbten Saal wiederhergestellt wurden, an seiner Westseite wurden mehrere Kellerräume ergänzt. Nördlich davon ist der untere – schon am Berghang errichtete – Teil der Burgkapelle erhalten geblieben bzw. ergänzt worden. Die letzteren Bauteile sind meistens in die untere Ausstellungszone des im Südtrakt des neuzeitlichen Schlosses untergebrachten Stadtmuseums integriert. Weitere westliche und nördliche Bauten sind aufgrund der Befunden nur in der Hofpflasterung markiert, bzw. zum Teil didaktisch präsentiert. (I.F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die ersten systematischen Freilegungen der Königsresidenz wurden zwischen 1946 und 1960 unter der Leitung von L. Gerevich durchgeführt. Ab 1972 konnte L. Zolnay vor allem auf dem Gebiet des nördlichen Vorhofes graben, seine Forschungen wurden dann auch in den letzten Jahrzehnten von K. Magyar fortgesetzt. Diese Arbeiten brachten ein, nicht nur für Ungarn einmaliges spätmittelalterliches Fundmaterial ans Tageslicht, darunter besonders die beispielhaft aufgearbeitete Küchen-, Tafel- und Kachelkeramik, die gotischen Skulpturen, die Formziegel, sowie die Reste der Bauskulptur der Gotik und der Frührenaissance hervorzuheben sind. (I.F.)