EBIDAT - Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstitutes
Burgen an Rhein und Donau

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Csovár

Geschichte:

Die Erbauer der östlich der Stadt Vác (Waitzen), auf einem etwas lang gestreckten, 334 Meter hohen Kalksteinfelsengipfel errichteten Höhenburg - wahrscheinlich Timoteus oder sein Sohn, Andreas - stammten aus dem Herrengeschlecht Zsidó. Die Bauzeit der Burg wird auf die letzen Jahrzehnte des 13. Jhs gesetzt. Weder aus dem 14., noch aus der 1. Hälfte des 15. Jhs berichten uns aber Schriftquellen über diese Befestigung. Erst 1460 erfahren wir aus einer Urkunde, dass die Burg Csö ein Jahr früher durch die Hussiten besetzt war - dieses Kriegsvolk kam nach 1440 ins Land und eroberte mehrere, zum Teil früher schon aufgelassene Burganlage auf den nordöstlichen Gebieten des Königreiches Ungarn. Nach den Feldzügen des Königs Matthias Corvinus (1458-1490) konnten aber die Burg ihre früheren Besitzer wiedergewinnen und bis zu ihren Aussterben besaßen sie so die Mitglieder der miteinander verwandten, mitteladligen Familien Csöi und Nézsai. 1474 verpfändete der König die Anlage mit den dazugehörenden Besitzungen an einen seiner Günstlingen, an den Obertürsteher György Parlagi, der sie bis zu seinem Tode, 1486 besaß. Danach gehörte die Burg mit sehr vielen anderen Befestigungen des Landes zum Besitz des unehelichen Königssohnes, Herzog Johannes Corvinus. Noch vor 1496 konnte aber es von ihm Balázs Ráskay erwerben, der ab 1498 bis 1518 Tarnackmeister war, also zu den höchsten Würdenträgern des Landes zählte. Seit den 20-er Jahren des 16. Jhs finden wir die Anlage im Besitz von Ferenc Bebek, wahrscheinlich seine Leute verteidigten dann die Burg gegenüber den ins Land eingedrungenen Osmanen, bis sie es 1551 erobern konnten. Das weitere Schicksal der Befestigung ist unbekannt, die Osmanen haben es wahrscheinlich bald aufgelassen. In den Kämpfen am Ende des 16. Jahrhunderts wird sie schon nicht mehr erwähnt. Später dienten die Ruinen als Steinbruch, auch viele Elemente der Bauskulptur kamen in das Nachbardorf Acsa erbaute Barockschloss. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ die Besitzerfamilie Prónay ein kleines Jägerhaus unter den Burgmauern einrichten, das aber bald verfiel. (I.F.)

Bauentwicklung:

Die uns zur Verfügung stehenden spärlichen Angaben deuten darauf hin, dass die früheste - noch aus dem 13. Jahrhundert stammende - Burg auf einem D-förmigen Grundriss erbaut wurde. Der einzige geradlinige Mauerzug im Süden erstreckte sich über eine steile Felsenmauer, auf den anderen drei Seiten war die Anlage von tiefem Graben umgeben. Der erste Wohnbau ist wahrscheinlich mit dem unten dreigeteilten Ostflügel zu identifizieren, der über drei Geschosse verfügte. Die innere Toranlage ist unbekannt, der quadratische Turm (Bergfried) im Westen wurde sekundär zu der 2 meter breiten Burgmauer angebaut und noch später aufgestockt. Auch der Süd- und der Nordtrakt sind wahrscheinlich späteren Ursprungs - im ersteren konnten die Wohnräume untergebracht werden, der andere diente zu Wirtschaftszwecken, mit einer Küche im Westen. Der außerhalb des Grabens errichtete schmale äußere Mauerzug stammt auch schon aus einer späteren Periode, seine Fortsetzung im Süden bildete eine Zwingermauer, die zu dem äußeren Tor im Südwesten führte,
wo - nach Angaben aus dem frühen 19. Jahrhundert - eine Inschrift von Balázs Ráskay angebracht war. Als Bauherr der letzterwähnten Bauten ist aber auch György Parlagi in
Betracht zu ziehen, da aus der Burg ein steinerner Türsturz mit der Jahreszahl 1482 bekannt ist. Die meisten spätmittelalterlichen Bauten der Burg verdankt man aber wahrscheinlich doch dem Tarnackmeister von Wladislaws II.. aus der Zeit um 1500. Die hier gefundenen reichprofilierten Bruchstücke von spätgotischen und Frührenaissance-Öffnungen, Kaminen und ein kleiner Tabernakel mit seinem Familienwappen sprechen eindeutig dafür, dass Balázs Ráskay hier bedeutende Bauarbeiten durchführen ließ. Die Rondelle im Nordwesten, sowie die anderen, aus der Mauerlinie herausspringenden Befestigungselemente stammen aber schon sicherlich aus der Zeit nach der Schlacht bei Mohács (1526), als - nach dem Erscheinen der Osmanen innerhalb des Landes - auch bei vielen anderen Höhenburgen neue Verteidigungswerke für Feuerwaffen errichtet wurden. (I.F.)

Baubeschreibung:

Die Burgruine zeigt heute schon nur recht wenig bedeutendere aufgehende Mauerwerke auf.
Die erhalten gebliebenen Teile der Umfassungsmauern des D-förmigen Burgkernes sind selten höher, als 1-2 m und das betrifft noch mehr die schmaleren Zwischen- und Hofmauern der Wohn- und Wirtschaftstrakten. Nur die Hofmauer des östlichen Wohngebäudes steht in Obergeschosshöhe mit Spuren von zwei (Fenster)öffnungen. Noch höher ist die Südwestecke
des westlichen Bergfriedes erhalten geblieben. Die Nordmauer des vermutlichen äußeren Torturmes im Südwesten, sowie die Außenmauer der Rondelle nördlich davon sind noch relativ gut erhalten, die anderen äußeren Mauerteile sind sonst oft nur in ihren Spuren aufzufinden. (I.F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

In der Burg wurden bisher noch keine systematischen Grabungen durchgeführt. Unter der Leitung des Direktors des Heimatmuseums von Penc, Lajos Jakus wurde 1954 die Zisterne im inneren Burghof geräumt, wo ein bedeutendes Fundmaterial (Bauplastik, Keramik, Eisengegenstände) aus dem späten 15. Jahrhundert und aus dem 16. Jahrhundert aufgefunden wurde. Im Jahre 1961 wurde dann eine Terrainregulierung im Burgkern durchgeführt, die vor allem die Trümmerschichten traf, aber auch zur Klärung der Grundrissdisposition und zur Freilegung von weiteren Bauelementen führte. Als Lesefund ist aus der Burg noch eine Münze des Königs Béla IV. (1235-1270) bekannt. (I.F.)