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Wittgenstein

Geschichte:

Die Anfänge des Schlosses Wittgenstein reichen vermutlich bis in die 1170er Jahre zurück. Im letzten Drittel des 12. Jh. sicherten sich die seit 1174 nachweisbaren Grafen von Battenberg und Wittgenstein Besitzungen und Rechte am Oberlauf der Lahn. Burg Wittgenstein wird in den Schriftquellen erstmals 1187 erwähnt. Im Jahre 1190 erlangte die Mainzer Kirche die Lehnshoheit über die Burg. Infolge der Spaltung der Dynastenfamilie in einen Zweig zu Battenberg und eine Linie zu Wittgenstein avancierte die Burg zum neuen Stammsitz der Wittgensteiner Grafen und bildet den Ausgangspunkt für den weiteren Ausbau der kleinen Grafschaft. Der unterhalb der Burg gelegene Ort Laasphe erhielt 1277 Stadtrechte. Mitte des 14. Jh. erfolgte der Übergang der Grafschaft Wittgenstein an das Haus Sayn, das sich in einer Auseinandersetzung um die Erbfolge gegen die Grafen von Solms durchsetzten konnte (s. Besitzgeschichte des Schlosses Berleburg). Infolge der Teilung der Grafschaft Sayn-Wittgenstein fiel die Südgrafschaft mit Laasphe und Schloss Wittgenstein 1509 an Wilhelm von Sayn-Wittgenstein (+1570). 1551 wieder vereinigt, wurde der Besitz 1603 abermals geteilt. Schloss Wittgenstein fungierte als Residenz der Linie Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein (bzw. seit der Mitte des 17. Jh. durch den Anfall der Herrschaft Hohenstein in Nordthüringen: Sayn-Wittgenstein-Hohenstein). Das Haus Sayn-Wittgenstein-Hohenstein wurde schließlich 1801 in den Reichsfürstenstand erhoben. 1806 hessen-darmstädtisch, wurde die Grafschaft 1815 der preußischen Provinz Westfalen zugeschlagen. Bis zum Umzug nach Schloss Schwarzenau an der Eder im Jahre 1950 diente Schloss Wittgenstein der fürstlichen Familie als Wohnsitz. Seither beherbergt die Anlage Wohn- und Verwaltungsräume einer Internatsschule, die in den 1960er Jahren in ein Gymnasium umgewandelt wurde. (J.F.)

Bauentwicklung:

Bislang konnte die bauliche Abfolge der Anlage nur in Ansätzen geklärt werden. Die älteste bislang bekannte Ansicht in der hessischen Chronik des Wilhelm Dilich (1605) zeigt Wittgenstein bereits als mehrgliedrigen Baukörper, der zahlreiche Elemente der Renaissancearchitektur aufweist. Im Westteil des dem Vorhof zugewandten Nordflügels (Ende 16. Jh.) konnte man Reste eines quadratischen Wohnturmes nachweisen. Vermutlich handelt es sich um einen Teil der hochmittelalterlichen Gründungsanlage des Schlosses Wittgenstein, das insbesondere seit dem 16. Jh. zu einer großzügigen Schlossanlage umgestaltet wurde, die sowohl renaissancezeitliche als auch spätbarocke Gebäudeteile aufweist. (J.F.)

Baubeschreibung:

Infolge der tiefgreifenden Umgestaltung der Anlage in nachmittelalterlicher Zeit (16.18. Jh.) blieben von der mittelalterlichen Burg so gut wie keine Reste erhalten. Nachweisbar ist lediglich ein monumentaler quadratischer Wohnturm, der eine Seitenlänge von 15 m aufweist. Inwieweit die renaissancezeitlichen Wohngebäude noch ältere Bausubstand aus dem Mittelalter aufweisen, lässt sich ohne Bauforschung nicht sagen. (J.F.)