EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Buchberg a.d.Kamp

Geschichte:

Heinrich von Buchberg ("Puochperge") erscheint in Klosterneuburger Traditionen zwischen 1140 und 1170. Er wird historisch als Erbauer der Burg, um die M. d. 12. Jhs., angenommen. Aus den Nennungen ist die enge Beziehung zu den Kuenringern und zu den Bgfn. v. Gars abzuleiten. Diese "älteren Buchberger" sind bis in das 2. Jahrzehnt des 13. Jhs. nachweisbar, Nachfolger wird eine Linie der Falkenberger, die sich nun nach Buchberg nennt. Über Gläubiger gelangt nach 1330 die halbe Burg an den Landesfürsten, als Erben der zweiten Hälfte treten nach Wulfing von Buchberg nach 1339 die Hrn. v. Winkel auf. Diese sind bis 1356, je zur Hälfte als Eigenbesitz und als landesfürstliches Lehen, Inhaber der Hft. Buchberg. Von 1356 bis M. d. 15. Jhs. ist die Burg Besitz der Stockhorner, 1588 - 1592 des Mathias Teuf(e)l und bis 1625 der Fam. Kuefstein. Danach tritt ein rascher Wechsel der Besitzer ein, als solche erscheinen die Polheim, Auersberg, Hackelberg, Collalto, Rottal und Rummel. 1823 bis 1965 folgt die Fam. Croy als Besitzer, heute ist Buchberg Eigentum der Fam. Bogner. (G.R.)

Bauentwicklung:

Trotz stark überformender und vereinheitlichender Bauphasen der Neuzeit weist der Bau tlw. starke Unregelmäßigkeiten auf, die ausschließlich durch die Einbeziehung bzw. Verwendung mittelalterlicher Bauteile erklärt werden können. Der gegenwärtig sehr gute Zustand des Baues lässt durch flächendeckenden Verputz kaum Datierungen über das Mauerwerk zu. Der Baualtersplan von A. Klaar lässt die Altburg im westl. Bereich, innerhalb der Verbauung des inneren Burghofes rekonstruieren. Während Klaar eine undifferenzierte Datierung der noch fassbaren Altbauteile vorschlägt, konnten durch archäologische Untersuchungen ab 1978 im Bereich der Kapelle und des umgebenden Felsplateaus Baureste festgestellt werden, die u. a. einem Vorgängerbau der erhaltenen Kapelle zugewiesen wurden. Eine temporäre Mauerfreilegung an der gegenwärtigen Kapelle, ein gestreckter Apsidensaal von 14,25 m Gesamtlänge und 6,50 m Breite, ließ hochmittelalterliches, lagig verlegtes, hammerrechtes und sehr kleinteiliges Bruchsteinmauerwerk erkennen, das mglw. in das 3. V. d. 12. Jhs. datiert werden kann. Der in die NW-Ecke integrierte Bergfried, ein etwa quadratischer, heute 28 m hoher Turm mit ca. 9 m Seitenlänge und bis zu 2,75 m Mauerstärke, zeigt mit Ausnahme der obersten Zonen Primärbestand mit lagerhaftem, blockigem Bruchsteinmauerwerk aus dem 2. V. d. 13. Jhs. Der nach Klaar südl. anschließend rekonstruierte, ca. 13 m lange "Palastrakt" ist nur mehr im Grundriss fassbar und folglich nicht datierbar, ließe sich jedoch gemeinsam mit dem südl., bis 1,70 m starken Bering in eine relativ regelmäßige Burganlage mit kastellhaften Zügen des 13. Jhs. eingliedern. Die stark gegen O vorgeschobene Kapelle auf dem bastionsartigen Felsblock legt eine engere Einbeziehung in die Burg des 13. Jhs., folglich eine über den inneren Burghof nach O reichende Ausdehnung nahe. Die Burg des 12. Jhs. ist mit Ausnahme der Kapelle nicht mehr fassbar.
Der stark vortretende, rondellartige Ausbau der S-Front ist nach Dehio einer spätmittelalterlichen Phase zuzuweisen, mglw. jedoch als frühe Bastionsbefestigung, eingerichtet für leichte Feuerwaffen, der 1. H. d. 16. Jhs. zu sehen.
Die heute erhaltene Gesamtanlage geht zu großen Teilen auf einen Renaissance-Neubau der 2. H. d. 16. Jhs. zurück.

Baubeschreibung:

Die Anlage ist durch die Bauphasen des 12. bis 20. Jhs. geprägt, die den heutigen, vielgliedrigen und stark höhengestaffelten Komplex entstehen ließen.
Die heute erhaltene Gesamtanlage geht auf einen Renaissance-Neubau der 2. H. d. 16. Jhs. zurück, dem A. d. 17. Jhs. der schlossartige Umbau unter den Hrn. v. Kuefstein folgte. Die 2- und 3-gesch., randständige Verbauung, durch die 2 Höfe entstanden, integrierten und überbauten weitgehend den mittelalterlichen Altbestand. Die Weiterbenutzung der Kapelle erforderte ein Einbeziehen ihres Felsfundaments, wodurch ein bastionsartiger, isoliert ummauerter Hofbereich im N der Anlage geschaffen wurde. Die Fassaden des Neubaues sind relativ schlicht, mit profilierten Fenstergewänden des frühen 17. Jhs. und einer Ortsteinquaderung des 19. Jhs. akzentuiert. Hervorzuheben ist die turmbetonte Zugangssituation der O-Front aus dem frühen 17. Jh. Fahr- und Nebentor der stark rustizierten Toranlage zeigen Blende und Rollenschlitze der ehem. Zugbrücke. Wesentlich reicher, in Formen des frühen 17. Jhs., ist das Tor zum inneren Hof und die von der Torhalle den S-Trakt erschließende Pforte dekoriert. Die Innenräume zeigen stark variierende Gewölbekonstruktionen mit Perlstab-, Taustab- oder Rosettendekor aus dem A. d. 17. Jhs. Nach bereits spätmittelalterlichen Umgestaltungen wurde auch die Kapelle in der Neuzeit adaptiert, schließlich 1874 unter den Croy historistisch renoviert. Aus dieser Periode stammt die jüngst restaurierte Freskenausstattung. Lehner rekonstruiert allein für die Kapelle 5 Bauphasen.
Im Zuge der schlossartigen Umbauten entstand auch die leichte, mehrteilige Bastionsbefestigung an der Zugangsseite. Während Vischer die Anlage 1672 in derart ausgebautem Zustand zeigt, weisen die 2 erhaltenen, auf dem Stich noch nicht dargestellten Rundtürmchen auf spätere, bereits als "Gartengestaltung" zu sehende Veränderungen. Die auf Wehrhaftigkeit verzichtenden Bauphasen brachten auch die anzunehmenden Grabensicherungen (Zugbrücke) zum Verschwinden. 1912/13 erhielt der N-Trakt der Vorburg einen vor den Bering gestellten Wohnbau, der sich leider etwas nachteilig auf das Erscheinungsbild dieser Seite auswirkt. Auf einer ebenen Terrasse westl. der Hochburg liegt ein offenbar künstlich zugerichtetes, tlw. aus dem anstehenden Fels gearbeitetes Erdwerk, das mglw. als taborartiges Vorwerk interpretiert werden kann. Knapp westl. des tlw. durch rezente Verbauungen beschädigten Hügels sichert ein Graben des Gelände. Der ehem. Meierhof ist südöstl. der Burg anhand der aus dem 17. bis 19. Jh. stammenden Gebäudegruppe erkennbar. Gegenüber liegt ein ruinöser Schüttkasten der Barockzeit.
Das sehr gepflegte und liebevoll restaurierte Burg-Schloss wird heute von der Besitzerfamilie als privater Wohnsitz verwendet. Nötige Adaptierungen, bereits unter den Croy in der 1. H. d. 20. Jhs. begonnen, wurden dem Gesamtbild des Baues entsprechend durchgeführt. Mehrere, sonst ungenutzte Räume wurden zuletzt zeitgenössischen Künstlern für permanente Rauminstallationen zur Verfügung gestellt. (G.R.)