EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Gars

Geschichte:

In die 2. H. d. 11. Jhs., mglw. nach der Niederlage von Mailberg 1081, ist die Gründung einer örtlichen, pfalzartigen Babenbergerresidenz zu setzen, die in der Folge temporäres Zentrum des Landesausbaues nördl. der Donau ist. Einer umstrittenen Nachricht folgend, weiht Bf. Udalrich v. Passau (1096 - 1121) eine "Kapelle über dem Tor", die dem Hl. Pankraz geweiht war. 1120/22 wird hier unter Hzg. Leopolds III ein Landtaiding abgehalten. 1114 erscheint ein Erchenbert "Gorzensis castellanus" als erstes nachweisbares Mitglied der "Bgfn. v. Gars", eines später einflussreichen, bedeutenden, landesfürstlichen Ministerialengeschlechtes. Das Geschlecht, das relativ gesichert der Kuenringer-Sippe zuzuweisen ist, sitzt bis zum Erlöschen 1367 auf der Burg. 1373 belegt ein Teilungsvertrag zwischen Heidenreich v. Maissau und Dorothea v. Gars den Besitzwechsel zu den Maissauern, die bis 1430 Inhaber der Hft. bleiben. Nun als landesfürstliche Pfandherrschaft, ist der Besitz an div. Adelsgeschlechter vergeben. So u. a. an die Fronauer, Eitzinger, Lamberg, Neudegg und Teufel. Unter Georg Teufel wird zwischen 1548/49 und 1576 von Bautätigkeiten berichtet. 1622 gelangt die Hft. als freies Eigen an Vinzenz Muschinger, 1667 - 1701 gehört sie den Frhn. v. Oppel, die wiederholt Neubauten durchführen. Auch die Gfn. Rottal bauen nach 1709 an der Anlage, die später an Heinrich v. Wallhorn und an die Gfn. Fuchs kommt. Ab dem 18. Jh. beginnt der langsame Verfall, der 1742 durch einen Brand im Schlossgebäude, 1781 durch Blitzschlag in den S-Turm und durch einen neuerlichen Brand 1809 beschleunigt wird. 1829 kommt der Besitz an die Fam. Croy. Heute ist die Anlage Besitz der MG Gars. (G.R.)

Bauentwicklung:

Div. Frühdatierungen der Burganlage sind nach heutigem Wissensstand mit Vorsicht zu behandeln. Als vermutl. Ältester, erhaltener Bauteil ist das auf dem zentralen Felshügel situierte "Feste Haus" zu sehen, das wohl in die 1. H. d. 12. Jhs. datiert werden kann.
In mehreren Ausbauphasen entstand mglw. ab dem 12. Jh., vermutl. jedoch überwiegend in der 1. H. d. 13. Jhs. der äußere Bering. Teile des nordöstl. der Kapelle wegziehenden Berings beispielsweise gehen zumindest auf Bauteile des 13. Jhs. zurück, die auf einen, im heutigen Schlosstrakt integrierten älteren Baukörper des 13. Jhs. aus Großquadermauerwerk zulaufen. Große Teile des westl. Berings weisen mit ihren zumindest im Basisbereich sichtbaren, quaderhaften Strukturen auf einen Ursprung im 12. oder 13. Jh. hin.
Der 8-eckige, repräsentative Turmbau im Nordwesten des Berings entstammt wohl dem (frühen) 13. Jh.
Eine Baugeschichte kann jedoch nur Stückwerk bleiben, da es an entsprechenden Untersuchungen fehlt und die Anlage bis in die Neuzeit wiederholte Ergänzungen und Veränderungen erfahren hat.

Baubeschreibung:

Der hier breitgelagerte Rücken am orographisch rechten Kampufer, der gegen die östl. und südl. gelegenen Siedlungen von Gars und Thunau mäßig steil abfällt, konnte zur Errichtung einer für örtliche Verhältnisse ausgedehnten Burganlage genützt werden. Die frühzeitige Ausdehnung und die Verwendung von ausgeprägten, herrschaftlichen Machtanspruch ausdrückenden Baukörpern ist durch die Funktion als frühes Herrschaftszentrum der Babenberger und durch den Ausbau der nachfolgenden Bgfn. v. Gars erklärbar.
Auf dem zentralen Felshügel befindet sich der 4-gesch., ca. 18 x 11 m große Bau des „Festen Hauses“ mit 2,10 m starken Mauern im Erdgeschoß, der nach seinem streng lagerhaften, plattigem, sorgfältig verlegtem Bruchsteinmauerwerk in die 1. H. d. 12. Jhs. zu datieren ist. Zahlreiche erhaltene Primäröffnungen, u. a. mehrere getrichterte Fensteröffnungen im 4. Geschoß, lassen in ihrer Ausprägung höchsten architektonischen Anspruch erkennen.
In mehreren Ausbauphasen entstand mglw. ab dem 12. Jh., vermutl. jedoch überwiegend in der 1. H. d. 13. Jhs., die gewaltige Ummauerung des äußeren Berings. Der in einer Gesamtlänge von rund 330 m rekonstruierbare Bering umschloss ein Areal von 130 m Länge und 80 m Breite. Die Mehrphasigkeit dieser Teile ist anhand der differierenden Mauerstrukturen des durchgängig angewandten Quadermauerwerks und anhand der erhaltenen bzw. rekonstruierbaren, eingebundenen Baukörper unterschiedlicher Zweckbestimmung zu erschließen. Gegen die nordwestl. Bergseite wurde im Zuge des Berings ein 8-eckiger, repräsentativer Turmbau mit ca. 10,50 m Durchmesser und 21 m Höhe gestellt. Sein exaktes Großquadermauerwerk muss trotz in das 12. Jh. verweisender Tendenzen in das (frühe) 13. Jh. gestellt werden. Der unverzahnt angestellte nördl. Bering aus hammerrechtem Kleinquadermauerwerk ist mit einem in ca. 6 m Höhe erreichenden Zinnenabschluss rekonstruierbar. Im SO liegen im Zuge des Berings die Reste eines ehem. repräsentativen Torbaues, der im Obergeschoß die ehem. Kapelle, einen etwa quadratischen, 2-jochig gewölbten Apsidensaal mit östl. auskragenden Apsidenerker integriert. Das feldseitig zurückgesetzte Kapellengeschoß erlaubte die Anlage eines oberhalb des Tores angelegten Laufganges mit gemauerter Brustwehr. Der westl. anschließende Bau wurde ob seiner hofseitigen Mauerstrukturen als früher "Saalbau" gedeutet. Durch Untersuchungen konnte jedoch hier die Sekundärverwendung hochmittelalterlichen Baumaterials nachgewiesen werden. Nur die westl. Stirnseite zeigt kleinteiliges, hammerrechtes Primärmauerwerk, das einen hier situierten Altbau, mglw. des 12. Jhs., nachweisen lässt.
Große Teile dieser Beringanlagen wurden ab dem späten Mittelalter durch Neubauten ersetzt bzw. überbaut. Aus dem 4. V. d. 14. Jhs. stammt der westl., an den Bergfried anschließende Bering mit einem offenen Schalenturm, durch dessen seitliche Ausgänge der Zugang zum zinnengekrönten Wehrgang möglich war. Ein weiterer Schalenturm entstand im Zuge des südwestl. Berings, wo der Altbering durch eine außen angestellte Verstärkung dubliert wurde. Im Spätmittelalter, nach den Detailformen im 15. Jh., wurde der zentrale Felshügel mit dem "Festen Haus" zu einem Kernbereich mit repräsentativ-wohnlicher Funktion ausgebaut. Zentrum ist der heute 2-gesch., 38 m lange und 10 m breite S-Trakt, der eine im O situierte Torhalle besitzt und dessen Fensterformen in das 15. Jh. weisen. Der das "Feste Haus" im N polygonal umschließende Bering, der im Wesentlichen der Topographie des Felshügels folgt, lässt im spätmittelalterlichen Zwickelmauerwerk zahlreiche wiederverwendete Quader älterer Bauteile erkennen. Inwieweit durch diese Bauteile eventl. Altbauten der Kernzone überbaut oder zerstört wurden, ist ohne Bodenuntersuchung nicht zu klären. Der Kernbereich war bereits im Hochmittelalter von einem, wahrscheinlich umlaufenden Graben umgeben, der erst in jüngeren Perioden zugeebnet wurde und der zur Verbauung des äußeren Berings nur eine schmale, begehbare Randzone beließ. Dieser außergewöhnliche Befund konnte durch eine Versuchsgrabung im S der Kernzone festgestellt werden.
Die Neuzeit brachte der Anlage wiederholte Ergänzungen und Veränderungen. Als Folge gesteigerter Wohnbedürfnisse entstand um 1600 der 56 m lange, 3-gesch. Schlosstrakt an der ortseitigen NO-Front, der dementsprechende Teile des Alberings ersetzt. Für die aus dem 16. Jh. stammende Zwingeranlage im N, deren Toranlage eine aufwändige Brückenkonstruktion erforderte, wurden ältere, tlw. aus dem Spätmittelalter stammende Toranlagen außer Funktion gesetzt und 1709 durch den Bergfried eine neue, günstiger situierte Durchfahrt gebrochen. Weitere, randständige Bauten für Wohn- und Wirtschaftszwecke am Bering ergänzten die neuzeitlichen Bautätigkeiten, in deren Verlauf auch der Tor- und Kapellenbau eine dünnwandige, mehrgeschoßige Erhöhung mit Renaissance-Rundzinnen erhielt, die 1781 durch Blitzschlag zerstört wurde.
Die auf der Terrasse südöstl. der Burg situierte Pfarr- und ehem. Burgkirche Hl. Gertrud, die am urspr. Torweg lag, lässt neben einer komplexen Baugeschichte Bauteile des 12. Jhs. im W-Bereich erkennen. Der W-Bereich mit ehem., durch offene Bogenstellungen gekennzeichneter Herrschaftsempore und Glockengeschoß mit Biforenfenstern zeigt den urspr. Herrschaftsanspruch und die Beziehung zur Burganlage.
Die heute im Besitz der MG Gars stehende Burganlage wurde in den letzten Jahren, nach Sicherung div. Baukörper, vermehrt in ein touristisch-kulturelles Konzept einbezogen. Der schrittweise restaurierte Schlosstrakt beherbergt heute eine Gaststätte, weitere Bauteile dienen den im Sommer stattfindenden Open Air-Opernaufführungen, für die allerdings eine große Tribünenanlage errichtet wurde, die das optische Bild der Burganlage stark beeinträchtigt. Dem historischen und architektonischen Wert wird offensichtlich, wie z. B. die völlig überwachsenen und stark gefährdeten Teile des "Festen Hauses" zeigen, kaum Beachtung geschenkt und technischen Einrichtungen werden gegenüber dem Erhalt einer der wertvollsten österreichischen Burganlagen der Vorrang eingeräumt. (G.R.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Sondagen im Burginneren sowie entlang des Berings erbrachten Keramikfunde des 10./11.-18. Jahrhunderts