EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Rappottenstein I

Geschichte:

Burg und Siedlung sind eine kuenringische Gründung der 2. H. d. 12. Jhs. Als namengebender Erbauer der Burg gilt der zwischen 1157 und 1176 nachweisbare Rapoto aus dem Geschlecht der Kuenringer, der auch als Bgf. v. Mödling auftritt, sich aber auch nach dem Sitz Schönberg nennt. E. d. 12. Jhs. ist die Burg Sitz des Konrad von Rappottenstein, des letzten kuenringischen Bgfn. v. Mödling. Als Pfarr- und Wirtschaftszentrum der Hft. fungiert die gleichzeitig, etwas entfernt gegründete Siedlung. Die Kuenringer sind bis E. d. 13. Jhs. im Besitz der Hft., danach gelangt die Burg in den Besitz der Hrn. v. Dachsberg, vordem Lehensleute der Kuenringer. Nachweisbar sind die Dachsberg ab 1302 im Besitz der Burg. 1383 nötigt der Landesfürst die Dachsberger, das bisher freie Eigen Rappottenstein an ihn zu verkaufen. 1398 wird Georg v. Dachsberg vom Herzog mit der nun landesfürstlichen Hft. belehnt. Ab 1423 sind die Hrn. v. Starhemberg, Verwandte der Dachsberger, auf der Burg nachweisbar. 1556 folgen ihnen die Hrn. v. Landau und schließlich 1664 die Gfn. v. Abensperg und Traun. Deren Nachkommen sind noch heute im Besitz der Burg. (G.R.)

Bauentwicklung:

Eine Baugeschichte kann sich nur auf die Erwähnung einzelner Baudaten bzw. Beobachtungen beschränken. Die äußere Umfassungsmauer mit 2 runden Bastionstürmen ist als frühneuzeitlich anzusprechen. Die Höfe an der W- und N-Flanke des Burgfelsens besitzen Wirtschaftsbauten des 16. Jhs. Zwei weitere Höfe (mit Zisterne) an der O-Seite gehen auf Ausbauphasen des 13 -15. Jhs. zurück. Das innerste Burgtor sitzt in einem rom. Bering, und der 5. und letzte Vorhof lässt durch sein quaderhaftes Mauerwerk eine Errichtung bereits im 13. Jh. vermuten, wobei im 14. Jh. stärkere Umbauten, u. a. die Dublierung seiner südl. Beringteile, erfolgten.
Der 6. und innerste Burghof wird von der randständigen Bebauung der Hochburg umgeben. Diese geht zumindest in basisnahen Bereichen völlig auf den Gründungsbau zurück. An der westl. Beringfront ist der urspr. Palas rekonstruierbar, wo in den Kellergeschoßen wiederholt Großquader und primäre Lichtscharten auftreten. Der die Torsituation bestimmende, turmartige, mächtige 5-Eckbau im S ist nicht zur Primärplanung zu rechnen, da er bereits den südl. Palasannex überbaut und seine großen Mauerstärken von bis zu 3,50 m durch deutlich sichtbare Mauerdublierungen im Inneren erhält.
In diesem Bau ist oberhalb der Toreinfahrt die 1379 geweihte, in den unregelmäßigen Innenraum gestellte Burgkapelle integriert.
Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit entstand der durch die rom. Bauteile bestimmte, vielphasige und komplexe innere Ausbau der Hochburg. Für diese Bauteile musste oftmals der anstehende Granitfels abgeschrämt werden.

Baubeschreibung:

Die imposante Bauerscheinung wird vor allem durch die auf dem schroffen Granitmassiv aufsitzende rom. Kernburg sowie durch die phasenweisen und komplexen Ausbauten bis in die M. d. 16. Jhs. bestimmt, die sich mit 5 Höfen spiralförmig um die Hochburg legen und eine gestaffelte, vielgestaltige Torwegsituation ergeben.
Der Zugang erfolgt durch ein mit 2 runden Bastionstürmen bewehrtes, "1549" bezeichnetes Tor, welches Teil der frühneuzeitlichen äußeren Umfassungsmauer und weit in den halsgrabenartigen Sattel vorgezogen ist. Die durch 2 weitere Tore untergliederten Höfe an der W- und N-Flanke des Burgfelsens besitzen großflächige Wirtschaftsbauten des 16. Jhs., u.a. das sog. "Bräuhaus" im W des 1. Burghofes aus der M. d. 16. Jhs. Zur Rechten sind im 1. Burghof Reste der mittelalterlichen Steingewinnung für den Burgbau zu sehen. Mittels zweier weiterer Höfe (mit Zisterne) an der O-Seite, die bereits auf Ausbauphasen des 13 -15. Jhs. zurückgehen, erreicht man nach dem Umschreiten der Kernburg um nahezu 360° das durch eine Treppe erschlossene innerste Burgtor, das durch den rom. Bering den Zugang zum inneren Burghof bietet. Der 5. und letzte Vorhof lässt durch sein quaderhaftes Mauerwerk eine Errichtung bereits im 13. Jh. vermuten, wobei im 14. Jh. stärkere Umbauten, u. a. die Dublierung seiner südl. Beringteile, erfolgten.
Der 6. und innerste Burghof wird von der randständigen Bebauung der Hochburg umgeben. Diese geht zumindest in basisnahen Bereichen völlig auf den Gründungsbau zurück, ein max. 43 m langer, ca. 25 m breiter, polygonaler Bau, der trotz der schwierigen Topographie gerade, nur wenige Male abgewinkelte Beringfronten ausbildet. An der N-Spitze ist der ca. 7,40 m im Quadrat messende, den höchsten Bereich des Felsens nutzende Bergfried eingebunden, dessen untere 2 Geschoße unberührtes Großquadermauerwerk und Reste eines Mantelkamins zeigen. Die folgenden Geschoße entstammen einem Wiederaufbau des 14. Jhs., die beiden obersten der Neuzeit. Der Bau integriert oberhalb der rom. Toreinfahrt die 1379 geweihte, in den unregelmäßigen Innenraum gestellte Burgkapelle mit aufgemalten Weihekreuzen und figuralen Gewölbediensten des 14. Jhs.
Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit entstand der durch die rom. Bauteile bestimmte, vielphasige und komplexe innere Ausbau der Hochburg. An der O-Seite öffnet sich eine spätgot. Pfeilerhalle mit angeschlossener Rauchküche mittels mehrerer Bögen zum Hof, die darüber situierten, zugehörigen Räume mit verstäbten Kreuzfenstern wurden mglw. im 16. Jh. (bezeichnet "1574") überformt. Von besonderer Bedeutung ist die Freskenausstattung im 1. Obergeschoß des Traktes aus der Zeit um 1530, die einen interessanten Einblick in die adelige Wohnkultur des 16. Jhs. bietet. Profilierte Erkerkonsolen an der Außenwand der sterngewölbten "Trinkstube" legen jedoch den spätmittelalterlichen Ursprung der Teile nahe. Die nördl. und westl. Teile des Hofes werden durch 3-gesch. Säulenarkaden, bezeichnet "1601", erschlossen. Durch die Sgraffitodekoration des Hofes entsteht eine bemerkenswerte Harmonie zwischen den spätgot. und frührenaissancezeitlichen Architekturelementen. Div. kleinräumige jüngere Umbauten treten optisch stark zurück.
Ein Treppenabgang im N-Trakt vermittelt den Zugang zum sog. "Turnierhof", einer neuzeitlichen, mit Schwalbenschwanzzinnen umsäumten Bastion auf einer Felsterrasse, mit ehem. Gartenanlage, Zisterne und dem charakteristischem Uhrturm. Vom 3. Hof ist das darunter befindliche, weitgehend aus dem Fels gestemmte, gewölbte, kasemattenartige Raumsystem zugänglich. Diese als "Verlies" präsentierten Anlagen zeigen Hinweise auf die ehem. wirtschaftliche Funktion mit Rauchküche, Zisterne und Lagerräumen. (G.R.)