EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Kaja

Geschichte:

Die Gründung der Burg erfolgt vermutlich um die M. d. 12. Jhs. durch die Hrn. von Kaja, Verwandte der Kuenringer und Babenberger. Gesicherte Nennungen ab ca. 1170/80 erwähnen zahlreiche Mitglieder der Familie, die z.T. auch auf eine unmittelbare Verwandtschaft bzw. Personengleichheit mit den Hrn. v. Kamegg und Stallegg weisen. Der Stammsitz ist bis 1360 im Besitz der Familie. In jenem Jahr verkauft Niklas von Kaja die Burg an den Landesfürsten. Kurze Zeit später, um 1376, gelangt die Hft. als Pfand an die Gfn. v. Maidburg-Hardegg, die wahrscheinlich nie auf der Burg wohnen, wodurch die Eroberung durch Heinrich v. Lippa, vermutlich zu E. d. 14. Jhs. und schließlich die Zerstörung durch die Hussiten um 1425/27 ermöglicht wird. Um 1430 gelangt Kaja als landesfürstliches Lehen an Ulrich v. Eitzing. 1588 fällt die Hft. im Erbweg an die Trautson, 1781 an Ludwig v. Hacqué, der noch im selben Jahr an Maria Josefa Gräfing v. Auersperg verkauft. 1945 gelangt der Besitz an die Gfn. Waldstein-Wartenburg, die noch heute Eigentümer der Burg sind. Heutiger Eigentümer ist Dr. Clemens Waldstein. Nachdem bereits im 19. Jh. vorübergehend romantisch beeinflusste Wiederaufbauarbeiten aufgenommen werden, wird schließlich 1969 der Verein zur Erhaltung der Burg gegründet, aus dem kurz darauf der Österreichische Burgen- und Schlösser-Erhaltungsverein konstituiert wird. Die Burgruine befindet sich seit dieser Zeit pachtweise im Besitz des Vereines, der an der Anlage seit Beginn umfangreiche Sicherungs- und Wiederherstellungsarbeiten durchführt und sie für das Publikum geöffnet hält. (G.R.)

Bauentwicklung:

m Zentrum der Kernburg liegt auf einer nochmals erhöhten Felsterrasse ein kleiner, gesondert geschützter Bereich. Er umfasst im N einen kleinen, zwischen 2 Türme eingespannten Wohnbau sowie den südl. angeschlossenen innersten Hof, der von einer polygonalen Mantelmauer umgeben ist. Bereits dieser kleine Teil der Burg zeigt mehrere Bauphasen, so entstanden die beiden bergfriedartigen Türme in 2 verschiedenen Bauphasen des 13. Jhs. Der östl. Turm ist verm. älter und entstand in der 1. H. d. 13. Jhs. während der westl., zur Vorburg gewandte Turm wegen seines lagerhaften Bruchsteinmauerwerks wohl gegen M. d. 13. Jhs. zu datieren ist. Der östl. Turm sitzt auf älteren Mauerteilen, die wohl der Gründungsanlage angehören. Sie zeigen ein lagiges Mauerwerk aus plattigen Schieferbruchsteinen, das gut mit der Zeit der ersten urk. Nennungen um 1170/80 zu verknüpfen ist. Der zwischen die Türme gesetzte Wohnbau, der einst eine beheizbare Stube enthielt, entstand hingegen erst im 14. Jh., als durch die Errichtung der Mantelmauer jener der Herrschaft vorbehaltene innerste Teil der Burg geschaffen wurde.
Im O und S liegt der äußere Hof der Kernburg, der durch randständige Bauten auf ein Mindestmaß reduziert ist und z.T. nur noch Raum für den Torweg ließ. An der S-Seite dieses Hofes liegt ein Saal- bzw. Hallenbau von rund 30,00 m Länge und 8,00 m Breite, der zwar im 15./16. Jh. verändert wurde, sich jedoch als einheitlicher Bau des 13. Jhs. zu erkennen gibt. Primäre Teile des Gebäudes, die verm. mit dem westl. Bering und der Toranlage des äußeren Hofes in Verbindung standen, zeigen neben einer lagerhaften, blockhaften Mauerstruktur auch kleine Einschübe von opus spicatum-artigen Lagen. Teile der Umfassungsmauern des äußeren Hofes stammen erst aus dem 15. Jh., als ein tief in den N-Hang ragender, bastionsartiger Bauteil geschaffen wurde. Im 16. Jh. wurde dieser Teil, der offensichtliche mehrere Gebäude umfasste, aufgegeben und eine zurück versetzte Baulinie errichtet. Etwa gleichzeitig entstand entlang der O-Seite ein schmaler Wohntrakt, dessen nördl. Raum den angeblich einst 95 m tiefen Brunnen eingliedert. Auch der Saalbau des 13. Jhs. wurde im 15./16. Jh. adaptiert. Ein Raum des Obergeschosses, der mit einer maschikuliartigen Konstruktion vorspringt erhielt eine große Stube.
Westl. der Kernburg erstreckt sich eine ausgedehnte Vorburg, die etwa 50 m der Gesamtlänge der Burg beansprucht. Am südwestl. Bering finden sich noch Mauerteile mit lagigen Strukturen, die von aufgestellten Steinplatten strukturiert werden und somit wohl dem späten 12./frühen 13. Jh. angehören. Aufgrund dieser Befunde bestand bereits im Hochmittelalter eine Vorburg. Wesentliche Abschnitte der Umfassungsmauern stammen aus dem 14. Jh., als die Burg wohl mehrere Ausbauschübe erfuhr. Dieser Zeit gehört auch der schlanke Turm im SW an, der die Zugangssituation beherrschte und noch heute das Gesamtbild der Burg bereichert. Ein Kamin indiziert eine bedingte Bewohnbarkeit, oberhalb der heutigen Mauerkrone befanden sich verm. auskragende Wehreinrichtungen aus Holz. Im 15. Jh. kam es im Bereich der Vorburg zu durchgreifenden Veränderungen. Durch die Errichtung eines kleinen Torzwingers und eines zweiten Tores wurde die im Schutz des Turmes stehende Zugangssituation komplett umgestaltet. Die Tore waren u.A. mit Fallgittern und Zugbrücken (mit Schwungbalken) ausgestattet. Der Bering der Vorburg erhielt eine fast durchgehende randständige Verbauung, die wirtschaftlichen Funktionen diente. Der S-Seite wurde zudem ein schmaler Zwinger vorgelegt, der auch Teile der Kernburg umgreift und diese ohnehin steil abfallende Front der Burg schützen sollte. Ein ähnlich auf seine Funktion zu überprüfendes Element ist der im Zentrum der N-Seite im Verband mit dem Bering errichtete schlanke Rundturm, der zwar mit großen Schlüssellochscharten ausgestattet ist, die Wehrhaftigkeit aber kaum steigerte. Die kleine turmartige Kapelle in der SO-Ecke der Vorburg, deren Sakralraum vom äußeren Hof der Kernburg zu betreten war, entstand verm. erst im 16. Jh., als letzte Maßnahmen zur Erhöhung des Wohnkomforts gesetzt wurden. (G.R.)

Baubeschreibung:

Die Lagestelle der Burg, der W-O-laufende, ca. 150 m lange Sporn zwischen Kajabach und Merkersdorfer Bach bietet wegen der fast allseitigen Felsabfälle keinen natürlichen Zugang sondern erforderte eine künstliche Zugangssituation, die eine 2-teilige Brückenanlage und einen in diese integrierten Torbau umfasste. Erst das verbreiterte Ende des Sporns konnte zur Errichtung der eigentlichen Burg genutzt werden, die sich über eine Länge von rund 100 m erstreckt. Sie gliedert sich in eine ihrerseits in mehrere Abschnitte bzw. Höfe geteilte Kernburg auf einer höher gelegenen Terrasse im O sowie eine ausgedehnte, westl. angeschlossene Vorburg. Mauerreste und Geländestufen weisen zudem auf periphere Anlagen im N und W. (G.R.)