EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Senftenberg

Geschichte:

Die Burg war Sitz eines zunächst edelfreien, später in den Ministerialenstand abgestiegenen Geschlechts, das sich nach Senftenberg und Imbach nennt, einer Nebenlinie der Hrn. v. Lengenbach. 1197/1200 wird "Ruedeger de Senftenberc" urk. genannt. Um 1200 heiratet Tuta v. Senftenberg-Imbach Wichard I. v. Zöbing. 1232 fällt der Besitz der Zöbinger an Karl v. Gutrat, der 1233 Senftenberg als sein Schloss bezeichnet. Später gelangt der ehem. Zöbinger Herrschaftskomplex an die Taufkircher und Wallseer. 1304 ist Walter v. Taufkirchen im Besitz, ab 1314 Eberhard v. Wallsee. 1407/09 wird die Burg im Zuge der Vormundschaftsfehden zerstört. Die Wallseer sind bis 1483 Eigentümer der Hft., danach gelangt sie an Gf. Sigismund v. Schaunberg, dessen Nachkommen bis 1559 im Besitz verbleiben. 1529 während der Türkeneinfälle wird die Burg als Zufluchtsort genannt. Nach den Schaunberg sind die Hrn. v. Hoffmann Eigentümer, die den Besitz 1576 vorübergehend verkaufen, aber wieder in ihr Eigentum bringen. Durch ihre Parteinahme für den Protestantismus verlieren sie 1625 den Besitz, der in diesem Jahr an die Fürsten Eggenberg gelangt. Unter ihrer Hft. wird die Burg 1645 von schwedischen Truppen niedergebrannt und bleibt seither Ruine. 1717 gelangt der Besitz an Gundaker Gf. Starhemberg, dessen Nachkommen noch heute Eigentümer sind. (G.R.)

Bauentwicklung:

Das stark rustizierte Hauptportal des 16. Jhs. im N ist heute über eine neu errichtete Holzbrücke erreichbar, westl. benachbart ist der Rest des älteren, spätmittelalterlichen Tores der Hauptburg erhalten. An der Torwand zeichnen sich örtlich die Konturen der ehem. Renaissance-Rundzinnen des 16. Jhs. ab, die im Zuge jüngerer Bauarbeiten übermauert wurden. Im östl. Vorburg-Bereich sind die ergrabenen Bauteile einer vielteiligen, komplexen Innenbebauung mit ehem. Wohn- und Wirtschaftsgebäuden zu beobachten. Über dem südl. Steilhang liegen kasemattenartige Ausbauten mit einem weiteren, über eine Stiegenanlage erschlossenen, siedlungsseitigen Zugang. Im W der Vorburg liegt ein rampenartiger Torzwinger, der den Zugang zur Hochburg vermittelt, aber auch einen nördl. die Hochburgfront umfassenden, schmalen Zwinger mit einem kleinem Schalenturm ausbildet. An der SO-Front der Vorburg sind über eine beträchtliche Länge Mauerreste mit lagigen, quaderhaften Strukturen und lagerhafter Mauerfüllung aus hoch- und schräggestellten Steinen zu beobachten, die zumindest in die 1. H. d. 13. Jhs. zu datieren sind und die den frühzeitigen Ausbaustand der Burg belegen.
Die Hochburg wird durch den zentral an der nördl. Bergseite eingebundenen, quadratischen Bergfried des fortgeschrittenen 13. Jhs. und durch die keilförmig nach NO zulaufende Schildmauer mit Mauerstärken von 3 - 4 m dominiert. Über der gegen NO gerichteten Keilspitze der Schildmauer, die nach der Arbeitshöhen bildenden Mauerstruktur dem 14. Jh. angehört, ist ein tlw. auf Konsolen vorkragender Rundturm des späten 15./frühen 16. Jh. aufgesetzt, der u. a. den Zugang zum bergseitigen Wehrgang der Schildmauer vermittelt. Der gesamte Hofbereich der Hochburg wird von randständigen, stark zerstörten Gebäudegruppen umgeben, die im 15. - 16. Jh. ihre letztgültige Gestalt erhielten bzw. errichtet wurden. Der stark fragmentierte, mit dem Außenbering abgestürzte S-Trakt lässt jedoch tlw. lagerhafte, blockige Strukturen erkennen, die noch dem 13. Jh. angehören und die vermutlich den ehem. Palas beschreiben. Quaderhafte Strukturen finden sich auch an der Basis der polygonal abgewinkelten W-Seite und zeigen die Weiterverwendung örtlicher Beringteile der 1. H. d. 13. Jhs. während der durchgreifenden Neubauten der 2. H. d. 13. Jhs., denen neben dem Bergfried auch Teile des nördl. Berings und ein später abgestürzter Wohnbau an der NW-Front angehören. Südl. an diesen anschließend findet sich eine 5-eckige Raumsituation mit einer jüngst freigelegten und gesicherten Filterzisterne.
Am SW-Hang der Burg, wo ausgehend von der Kirche der urspr. Weg zur Burg rekonstruierbar ist, finden sich die tlw. stark überwucherten Reste ausgedehnter Vorwerke mit einer Toranlage, die über die Mauerstruktur ab dem 14. Jh. zu datieren sind. Die durch historische Ansichten überlieferte schlossartige Ausgestaltung ist anhand der gegenwärtigen Reste nur noch bedingt nachvollziehbar. Ein örtlicher Burgenverein bemüht sich seit jüngerer Zeit um die Anlage. Durch dessen Arbeiten befindet sich die Burganlage nunmehr in einem weitgehend gepflegten und gesicherten Zustand, wodurch die pittoresken Mauerreste ein zunehmend touristisch nutzbares, sehenswertes Ausflugsziel bilden. (G.R.)

Baubeschreibung:

Die durch einen ungewöhnlich tiefen Graben vom nördl. überhöhenden Hinterland getrennte Kuppe gestattete die Anlage einer 90 m langen und 30 m breiten, in W-O-Richtung orientierten Burg mit feldseitiger Schildmauer, Bergfried und talseitiger Randbebauung. Über die östl. situierte, tiefere Terrasse erstreckt sich die im 15. u. 16. Jh. ausgebaute Vorburg. (G.R., T.K.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ausgrabungen durch den Verein ASINOE im Auftrag des Bundesdenkmalamtes mit Funden und Befunden des 12./13.-17. Jahrhunderts, Lesefunde durch den Burgenerhaltungsverein und Privatpersonen.