EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Rheinberg

Geschichte:

Der Bau einer ersten Burg um oder nach 1075 durch die Rheingrafen wird nur vermutet. Schriftquellen, die auf die Existenz der Anlage verweisen, datieren freilich erst in die zweite Hälfte des 12. Jhs. Anlässlich der Rückgewinnung von durch das Reich entfremdeter Besitzungen des Mainzer Erzstiftes wird Rheinberg 1187 erstmals erwähnt, wobei die Entfremdung zur Amtszeit des Erzbischofs Christian von Buch 1165-1183 erfolgte, die Burg in dieser Zeit also schon bestanden haben dürfte. Zweifellos zählt Rheinberg zu den ältesten und wichtigsten Grenzburgen des Rheingaus. Die Mainzer Erzbischöfe belehnten die Rheingrafen mit der Burg, in deren Hand sich 1215 ein Teil der Burg befindet. Einen anderen Teil scheinen die Kirchenfürsten für sich vorbehalten und anderweitig vergeben zu haben, denn nach der Anlage benannte sich seit 1226 noch ein anderes Adelsgeschlecht, das im erblichen Besitz des kurmainzischen Truchsessenamtes war.
In der Auseinandersetzung der Mainzer Erzbischöfe mit aufständigen Ministerialen, an deren Spitze der Rheingraf Siegfried sowie der Truchseß Sigfried von Rheinberg standen, kam es 1279 zur Schlacht von Sprendlingen, in deren Verlauf der Rheingraf und sein Sohn in die Gefangenschaft des Erzbischofs gerieten. Wohl als weitere Folge dieses Aufstandes wurde Burg Rheinberg ab 1279 durch den Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein belagert. Im Zuge dieser kriegerischen Aktion entstanden im Umfeld der Burg die Belagerungsanlagen Blideneck und Aachener Schanze. Schließlich ging die Burg Rheinberg 1280 den Rheingrafen sowie dem Truchseß Sigfried verloren und wird (teilweise ?) zerstört. Allein für die aufwendige Belagerung berechnete der Erzbischof eine Entschädigung von 1000 Mark. 1280 belehnte der Mainzer Erzbischof den Friedrich von Heppenheft mit beiden Teilen der Burg Rheinberg. Emmerich von Heppenheft wird Burgmann auf Blideneck. Wenige Jahre später, 1301, war sie in der Hand von König Albrecht, dessen Truppen sie wohl im Verlauf des Rheinischen Zollkrieges eingenommen hatten und gegen das Erstift Mainz eine zeitlang behaupteten. Bei der erneuten Belagerung scheint sie abermals zerstört worden zu sein, denn Johann von Rheinberg gelobte 1304 bei seiner Annahme als Amtmann der mainzischen Gegenburg Kammerburg die Burg Rheinberg binnen acht Jahren nicht wieder aufzubauen. 1308 gelangte die Burg als mainzisches Lehen an Graf Gerlach von Nassau und dessen Bruder Ruprecht. 1316 erscheint zudem Wilhelm von Katzenelnbogen als Herr der Burg, als diese an die Adeligen Grans von Heppenheft und Brenner von Lahnstein verkauft wurde. Rheinberg wird zur Ganerbenburg. In einem Burgfrieden von 1374 werden sieben Familien als Gemeiner der Burg aufgeführt. Das mainzische Lehensverhältnis war wohl zwischenzeitlich erloschen, denn die Gemeiner trugen 1399 die Ganerbenburg den Pfalzgrafen zu Lehen auf. Noch 1531 wurden von Kurpfalz 15 Ganerbenfamilien mit Anteilen aus Rheinberg belehnt. Seit dem ausgehenden 15. Jh. erscheint Rheinberg zudem als ein mit der Herrschaft Sauerburg verbundenes pfalzgräfliches Lehen, das sich zuletzt in der Verfügungsgewalt der Familie von Sickingen befand. Wann Burg Rheinberg verlassen wurde, ist unklar. 1822 gingen die Ruinen von Rheinberg mit der benachbarten, ebenfalls als Ruine erhaltenen Kammerburg an den Freiherrn von Zwierlein zu Geisenheim über. Beide Anlage befinden sich heute im Besitz der Familie Herbig. Die Adelsfamilie von Rheinberg bevorzugte seit dem 14. Jh. als Wohnsitz den Eichelbacher Hof in der Nähe von Rod an der Weil. (H.-J. H.; Ergänzungen J.F. u. R.F.)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte bedarf eigentlich einer aktuellen Analyse der Bausubstanz, so dass die bisherigen Überlegungen mehr oder weniger spekulativ sind. Es ist denkbar, das eine frühe Burg der Rheingrafen zunächst nur aus einem Wohnturm an Stelle des späteren Turmes bestanden haben könnte. Vermutlich erfolgte im ausgehenden 12. Jh. ein Ausbau der Anlage. Nach Roser soll die untere Kernburg mit Ringmauern im Westen und Osten sowie einer Schildmauer mit Toranlage im Norden hinzugekommen sein. Im Zuge der Belagerung 1279-1280 kam es wohl zu erheblichen Zerstörungen. Burg Rheinberg scheint jedoch bald wieder verteidigungsfähig gewesen zu sein, denn die Herren v. Heppenheft und die Truchsesse von Rheinberg hielten die Burg 1302 drei Monate bis zum Entsatz durch Reichstruppen. Die Burg trug erneut schwere Schäden davon und das Erzstift verpflichtete die Burgherren, Rheinberg 8 Jahre lang nicht wieder aufzubauen. Möglicherweise entstand der heutige Wohnturm nach den Zerstörungen von 1302. Im Jahre 1399 erwarb der Pfalzgraf eine "Hofstatt" in der Burg. Ab 1400 wurde die Westmauer aus statischen Gründen nach innen verlegt, Barbakane und inneres Torhaus erbaut, der Ostbau als Hofstatt des Pfalzgrafen und der südliche Zwinger gegen die Kammerburg angelegt. Wann die Vorburgen auf dem ansteigenden Grat entstand, ist ebenso unbekannt, wie die Bebauung der großräumigen Unterburg, des Südzwingers und der Vorburgen. Eine Burgkapelle wird 1467 erwähnt und 1471 noch von einem Geistlichen betreut. Ab wann die Burg aufgegeben wurde, ist nicht geklärt. (H.-J. H.)

Baubeschreibung:

Lang gestreckte, etwa in Nord-Südrichtung verlaufende Burganlage. Im Süden die Kernburg mit einem auf der höchsten Stelle eines Felshügels gelegenen, mehrgeschossigen, engen, bergfriedartigen Hauptturm mit trapeziodem Grundriss (6,05 x 7,0 x 7,35 m, Mauerstärke 2,15 m), dessen Kamin und Sitznischen im ersten Obergeschoss eine Wohnfunktion belegen (Der Mauerdurchbruch im Erdgeschoss von 1907). Der dreigeschossige, noch 12,50 m hohe Turm wurde von einer mit Zinnen versehen Wehrplattform abgeschlossen. Vierkantige Löcher in der offenen Mauerstärke könnten auf einen hölzernen Ringanker hinweisen. Das kleine Felsplateau um den Turm als oberer Burghof ummauert. Der auf dem höchsten Punkt gelegene Kernburgbereich dürfte auch die erste Burganlage getragen haben. Ob sich hier Baureste aus der Zeit vor der Belagerung 1279 erhalten haben, wird von den meisten Autoren abgelehnt. Auch hier wäre eine aktuelle Bauuntersuchung dringend notwendig, immerhin stoßen mehrere Bauteile mit Fuge an den Turmsockel an, er zählt relativchronologisch also zu den ältesten erhaltenen Bauteilen. Unmittelbar neben dem heutigen Zugang des Hauptturmes wurden Dachschieferplatten aufgelesen. Ob sie vom Turm oder dem dort ehemals vermuteten Palas stammen, ist ungewiss. Eine an die Südwestecke des Turmes anschließende, langgezogenen Mauer mit Rundbogenblenden (für einen Wehrgang ?) wird von manchen Autoren – ohne genauen Beleg – als Rest des Palas gedeutet, was sehr fraglich ist. Nach Süden schließt sich ein unterer Burghof an, in dessen Mauer ein halbrunder Schalenturm mit Schießscharten eingefügt ist. Noch weiter südlich, Richtung Kammerburg, ist ein besser erhaltener Zwinger vorgelagert. Im Osten der Kernburgsockels hoch erhaltene Reste eines trapezförmigen Bauteils mit tiefem Felsenkeller und einem in die Ostfront eingebunden, vorspringenden Halbrundturm mit 3 Maulscharten für Hakenbüchsen, wohl aus dem 15. Jh. (vielleicht die um 1400 erwähnte pfalzgräfliche „Hofstatt“ ?). Nach Norden vorgelagert die von einer Ringmauer umschlossene, geräumige, polygonale Unterburg mit gut erhaltener Westmauer mit Vorlagen. Hier finden sich auch Reste eines Kellers und einer (Filter?)Zisterne. Am Nordende als Abschluss eine schildartige Mauer mit Tordurchlass, davor eine Barbakane, im davor verlaufenden Halsgraben ein mächtiger Brückenpfeiler. Davor auf dem Grat anschließend zwei Vorburgen auf separaten, jeweils durch kleinere Halsgräben abgetrennten Felsköpfen, die erste mit Mauerwerksresten einer Schildmauer. (H.-J. H; Ergänzungen durch R.F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Dachschiefer mit Nagellöchern