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Neuhaus bei Schorndorf, abgegangene Burgstelle

Geschichte:

In einer Urkunde vom 25.12.1274 zählt das Mainzer Domkapitel die durch Erzbischof Werner seit 1259 erworbene Besitzungen bzw. Einlösungen auf („edificavit novum castrum apud scharpenstein“). Darunter wird eine neu erbaute Burg in der Nähe der Burg Scharfenstein genannt. Somit spricht vieles dafür, dass die Burg damals vom Erzstift neu angelegt und auch vergeben wurde.
Ob es sich nach Rosers Meinung ursprünglich um eine Burg der Rheingrafen handelte und ob ein Eberhard von Nicastel mit der Burg in Verbindung zu bringen ist, muss strittig bleiben. (H.-J. H)

Bauentwicklung:

Richter nennt einen Ritter Eberhard von Nicastel, der in Geisenheim begütert war. Wäre der mit der Burg in Verbindung zu bringen, müsste sie 1225 bereits existiert haben. Roser hält Neuhaus für eine Burg der Rheingrafen. Würde das stimmen, spräche der Name Neuhaus nicht für eine neue Burggründung sondern eine erneuerte Burg. Mit Ausnahme der Nennung als Neues Haus zwischen 1259 und 1274 ist nichts über die Baugeschichte der Burg bekannt. Roser hält den abgegangenen Turm typmäßig für früher als gegen Ende des 13. Jh. erbaut, was Kunze bestreitet. Ein zu Füßen der Burg neu gegründetes Kloster wurde 1322 wegen Beunruhigung durch die Scharfensteiner wieder verlegt. Wäre die Burg damals noch ausreichend besetzt gewesen, wäre das zu verhindern gewesen. Vermutlich war sie damals bereits verlassen. (H.-J. H)

Baubeschreibung:

Zweiteilige Burg, durch einen 1875 noch 15 m breiten und 3 m tiefen Abschnittsgraben vom ansteigenden Vorgelände getrennt. Zugang nur durch die Vorburg möglich, vielleicht an Stelle der heutigen Erdbrücke. Ca. 50 m lange und bis zu 18 m breite ovale Vorburg ohne Reste von Bauten. In der Spornspitze die Kernburg hinter einem 8 m breiten, 3 m tief in den Felsen gearbeiteten 30 m langen Abschnittsgraben. Rechteckiger Grundriss von 33 x 14 m. Etwa 6 m hinter dem Graben stand ein 9 x 9 m großer Turm. Zumindest seine Untergeschosse waren aus Stein. Die Kernburg war vermutlich ummauert, es zeigen sich stellenweise Fundamente. Im 19.Jh. soll Mauerwerk zum Bau einer Brücke über den Sülzbach abgefahren worden sein. (H.-J. H)

Arch-Untersuchung/Funde:

Nach Roser wurden Fußbodenplatten von 15 x 15 cm Größe aus weißlichem Ton mit Prägestempel gefunden; zahlreiche Lesefunde: Keramik des 14. Jhs., Bodenfliesen, Dachschiefer, ein Halbbogen (Tür- oder Fenstersturz ?) aus Buntsandstein, 1 Fingerring mit Kruzifix, wohl Gold, wohl Ende 13./Anf. 14. Jh.