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Eltville

Geschichte:

Die Anfänge der kurfürstlichen Burg zu Eltville reichen in die erste Hälfte des 14. Jhs. zurück. Anlass für den Bau waren die Wirren der ersten Mainzer Stiftsfehde zwischen 1328 und 1336. Diese besaß ihre Ursache in der doppelten Ernennung von Nachfolgekandidaten auf den Mainzer Erzbischofsstuhl. Der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg wurde vom Mainzer Stift zum Administrator des Erzbistums bestimmt, während Papst Johannes XXII. Heinrich von Virneburg nominierte. Letzterer genoss die Unterstützung der Mainzer Bürgerschaft und konnte sich deshalb in der Stadt festsetzen. Balduin konnte als Administrator zwar über die Stiftsburgen verfügen, durfte aber keine neue Burg errichten. Um seine Position zu verbessern, erwirkte er beim Kaiser Stadtrechte für Eltville und ließ den Ort 1332 ummauern.
Nach dem Ende der Stiftsfehde ließ der siegreiche Heinrich von Virneburg an Stelle einer älteren Anlage, die vermutlich im sogenannten Zollkrieg 1301 zerstört wurde, von 1341 bis 1343 im Südosteck der Stadtbefestigung eine Burg erbauen. Bis zum Bau der Martinsburg in Mainz ab 1478 diente Eltville neben Aschaffenburg häufig als Residenz der Mainzer Kirchenfürsten. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges 1635 zerstört, wurde die Anlage von Giovanni Angelo Barella 1682 wiederhergestellt und erweitert. 1806 gelangte die Anlage an das Herzogtum Nassau und 1867 an Preußen. Bis 1930 war in der Burg ein Forsthaus untergebracht. 1936 konnte die Stadt Eltville die Burg erwerben. Heute dient die Burg musealen Zwecken und beherbergt Ausstellungsräume. (Jens Friedhoff/Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die frühere Forschung ging davon aus, dass die Burg schon am Ende der 1320er Jahre unter dem Erzbischof Balduin von Luxemburg begonnen wurde und von Erzbischof Heinrich von Virneburg fortgeführt wurde. Die jüngere Forschung nimmt hingegen an, dass unter Balduin lediglich die Stadtbefestigung von Eltville aufgeführt wurde, Burg samt Wohnturm hingegen erst 1341-43 unter Heinrich von Virneburg errichtet wurden. Als Baumeister wird der Eltviller Steinmetz Merkelin genannt. Vermutlich 1487 wurden die Befestigungsanlagen modernisiert, zudem wurde der Palas im Süden und ein Westflügel errichtet. Nachdem die Anlage im Dreißigjährigen Krieg schwere Schäden durch schwedische Truppen erlitten hatte, wurden der Palas und der Westflügel 1635 abgebrochen und der Graben im Westen zugeschüttet. Der Wohnturm blieb im Unterschied zum Palas erhalten, erhielt aber ein neues Dach. Der zweigeschossige Ostflügel wurde in der Barockzeit 1682 unter Verwendung des vorangegangenen Torbaus nördlich des Wohnturms errichtet. In den Revolutionskriegen wurde Eltville 1793 von den Franzosen von der gegenüberliegenden Rheinseite aus beschossen. Nach dem Übergang an Preußen 1867 setzten Erhaltungsmaßnahmen ein. 1880 wurde die Burg durch Brand beschädigt und 1857 sowie 1904/05 erhielt der Turm neue Dachbekrönungen. Im Zuge von Restaurierungen, die der Düsseldorfer Regierungsbaurat Ernst Stahl 1938 durchführte, wurden historisierende Elemente entfernt. Ab 1970 investierte die Stadt Eltville etwa 2 Mill. DM in die Sanierung der Anlage und die Einrichtung eines neuen Museums. Gräben und Zwinger im Westen wurden parkartig gestaltet. (H.-J. H. / J. F./S.E.)

Baubeschreibung:

Die Eltviller Burg liegt mit einer Maximalausdehnung von ca. 65 x 45 m unmittelbar am nördlichen Rheinufer. Sie ist von einer heute noch vollständig erhaltenen Ringmauer mit einem Tor im Norden umgeben. Mit seinen 27 m Höhe ist der nach Süden vorspringende, quadratische Wohnturm in der Südostecke das beherrschende Element der Anlage. An drei seiner Ecken erheben sich über einem Bogenfries polygonale Ecktürmchen. Nur in der Nordwestecke ist zum Hof hin ein polygonaler Treppenturm angebaut. Westlich schließt an den Turm entlang der Rheinseite die Ruine des ehemals dreistöckigen Palas mit Kreuzstockfenstern und einer Latrine im angrenzenden Mauereckturm an. Der Ostflügel war ursprünglich dreigeschossig und kürzer, nach seiner Zerstörung 1632 wurde er bis 1883 unter dem Architekten Giovanni Agnelli Barella zweigeschossig und verlängert wieder aufgebaut. Vom damals ebenso zerstörten Westflügel sind nur noch geringe Reste vorhanden. Ein Nordflügel unbekannten Alters und Ausprägung ist nur noch anhand eines Maueransatzes erschließbar. Er wird wie auch der Westflügel als Wirtschaftsbau anzusprechen sein.
Außen an die Ringmauer schließt sich ein tiefer gelegener Zwinger mit Ecktürmen an, der bis zum Leinpfad reicht. Im Norden und Westen sind schmälere Zwinger und ein tiefer, gemauerter Trockengraben vorgelagert. An die Nordostecke schließt die Stadtmauer an, so dass die Ostseite durch den heute verfüllten Stadtgraben gesichert war. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Vor 1903 und 1936 Grabungen und bauhistorische Untersuchungen durch Milani und Eichholz, Ab 2008 bauhistorische Untersuchungen. (H.-J. H.)