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Rüdesheim, Brömserburg

Geschichte:

Die in der älteren Literatur immer wieder anzutreffende Vermutung, dass die Anlage 983 als Stützpunkt und Zollstelle der Mainzer Erzbischöfe entstanden ist, lässt sich nicht eindeutig belegen. Der Baubestand der relativ kleinen Burg datiert zum großen Teil ins frühe 12. Jahrhundert. Sehr wahrscheinlich ist die weit verzweigte erzbischöflich mainzische Ministerialenfamilie von Rüdesheim, die mit Giselbert I., zwischen 1130 und 1152 erstmals in Erscheinung tritt, mit der Burg in Verbindung zu bringen. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts befand sich die Anlage als freies Eigen (Allod) in deren Verfügungsgewalt. 1282 wird die Burg erneut als Lehen des Erzstifts Mainz bezeichnet. 1420 Ganerbenburg und im Besitz mehrerer Rüdesheimer Adelsfamilien. 1480 gelangte die Niederburg in den Alleinbesitz der Brömser von Rüdesheim, die 1668 ausstarben. Nach 1700 finden wir die Freiherren von Metternich als Herren der Burg, die 1640 von französischen Truppen teilweise zerstört wurde. Nach dem Übergang an die gräfliche Familie von Ingelheim erfolgte 1812 ein Teilausbau der Ruine zu Wohnzwecken durch Georg Moller. Seit 1941 ist die Stadt Rüdesheim Eigentümer der Anlage. (H.-J. H.; J. F.)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Burg ist bislang erst unzureichend erforscht worden. In der neueren Burgenforschung wird der Baubestand der Rüdesheimer Niederburg vage in das beginnende 12. Jahrhundert datiert. Nach bisherigem Kenntnisstand erfolgte Ende des 12. Jahrhunderts ein Um- und Ausbau der Burg, die u. a. einen mächtigen quadratischen Bergfried erhielt. Frühneuzeitliche Veränderungen der 1640 teilweise zerstörten Burg sind bis dato nicht bekannt. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte der teilweise Ausbau der Burg unter den Grafen von Ingelheim durch den Architekten Georg Moller. Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen setzten ab 1950 ein. (H.-J. H; J. F.)

Baubeschreibung:

Die burgenkundlich höchst interessante, aber bislang bauhistorisch nicht eingehend untersuchte Anlage wurde über einem rechteckigen Bering von ca. 26 x 33 m errichtet und war ursprünglich wohl durch Wassergräben gesichert. Zunächst verfügte die Niederburg über einen niedrige zinnenbekrönte Ringmauer mit Zugang im Norden, den ein quadratischer, bergfriedartiger Turm (Seitenmaß 6 x 6 m, Lichtmaß 4 Meter x 4 Meter, heute noch 20 m) in der Nordwestecke sicherte. Das herrschaftliche Wohngebäude befand sich an der Südostecke des Berings. Es handelte sich um einen als Wohnturm anzusprechenden Bau, der sich über einer Grundfläche von 8,5 x 12 m bis zu einer Höhe von 18 m erhob und bis zu vier Geschosse aufwies.
Im Zuge späterer baulicher Veränderungen erhielt die Anlage ihre heutige, gedrungen wirkende Gestalt. Die vorhandenen Wohngebäude wurden erhöht und im Norden und Osten gänzlich neue errichtet, wodurch eine vierflügelige Anlage entstand, in welche die Türme integriert wurden. Die Mauer wurde dreistöckig erhöht und auf 1,6 Meter verstärk, der höher gelegene Wehrgang war mit Zinnen auf Rundbogenfries versehen. Alle Räume im Inneren waren eingewölbt (großteils durch Tonnengewölbe, teilweise durch Kreuzgratgewölbe) und fast alle Gebäude zweiseitig erschlossen. Vergleichbare Konstruktionen und Baudetails kommen im nahegelegenen Zisterzienserkloster Eberbach vor, so dass möglicherweise ein Laienbruder aus dem Kloster als Bauleiter fungierte. Die Rundbogenfenster stammen großteils aus der Zeit des Umbaus um 1200. Ebenfalls in der Umbauphase wurde der quadratische Bergfried errichtet (10,5 x 10,5 m, Mauerstärke von bis zu 4,5 m, Höhe noch ca. 19 m, ursprünglich sicher deutlich höher), der heute noch die Silhouette prägt. Im Inneren befand sich eine Wendeltreppe, durch die auch das Verlies im Untergeschoss zu erreichen war. Betreten wurde er auf Höhe der Wehrplattform.
Der Eingang zur Burg befindet sich seit dem Umbau um 1200 auf der Westseite. Die Wasserversorgung erfolgte durch einen runden gemauerten Ziehbrunnen in der Mitte der Anlage. Südlich der Niederburg weisen freigelegte Mauerreste auf die Existenz einer Zwingeranlage hin. Die mittelalterliche Bausubstanz ist in beachtlichem Maße erhalten. Größere Beschädigungen sind in erster Linie auf die Sprengung von 1640 zurückzuführen, welche die Südostecke der Burg komplett zerstörte. (H.-J. H. / J. F.)