EBIDAT - Die Burgendatenbank

Eine Initiative der Deutschen Burgenvereinigung Menu

Rüdesheim, Boosenburg

Geschichte:

Die urkundlichen Nachrichten zur Oberburg (Boosenburg) in Rüdesheim reichen in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. 1275/76 befand sich die im Kern wohl hochmittelalterliche Burg im Besitz der Herren von Rüdesheim mit dem Flügelwappen, die sich ihrerseits in die Linien der Fuchs von Rüdesheim, Winter von Rüdesheim und der von Spor teilten. Nach dem Erlöschen des Hauptstammes gelangte die Burg in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts an die Familie Boos von Waldeck. In der Folgezeit kam die ruinöse Anlage 1830 an die Grafen von Schönborn und schließlich 1868 an die Familie von Sturm, die dort ein Weingut einrichtete. Seit 1939 befindet sich die Burganlage im Besitz der Familie Jung, die dort ebenfalls ein Weingut betreibt. (H.-J.H.; J.F.)

Bauentwicklung:

Bislang ist die der Rüdesheimer Niederburg (Brömserburg) benachbarte Oberburg nicht eingehend bauhistorisch untersucht worden. Der noch erkennbare Baubestand reicht wohl nicht vor das 12. Jahrhundert zurück. Vermutlich wurde die im Wesentlichen aus einem quadratischen Hauptturm mit Ringmauer bestehende Anlage im 15. oder 16. Jahrhundert von Wohnbauten umgeben. Nach dem Übergang an die Grafen Schönborn 1830 trug man die rings um den Turm platzierten baufälligen Wohngebäude ab. 1872/73 entstand im Bereich der Kernburg eine Villa im neugotischen Stil. Der gut erhaltene romanische Hauptturm wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um ein Stockwerk erhöht und erhielt einen Zinnenkranz. Vor 1939 wurden in einem Teil der Gräben Weinkeller eingerichtet, die überbaut wurden. Nach 1939 entstand im obersten Geschoss ein Weinprobierraum, 1991 wurde der Turm neu verfugt. (H.-J. H. / J. F.)

Baubeschreibung:

Die hochmittelalterliche Burg bestand im Wesentlichen aus einem quadratischen Hauptturm, der von einer Ringmauer umgeben war. Der ca. 30 x 33 m große Bering war von einem ca. 9 m breiten Graben umgeben, nahezu mittig stand dort in 4 bis 6,5 m Abstand der fast quadratische Hauptturm mit einer Grundfläche von ca. 10 x 10 m. Ursprünglich war er 28 m hoch, wurde aber im 19. Jh. auf ca. 38 m erhöht (nach Jung 36 m). Sein Oberbau weist doppelte Rücksprünge auf, der oberste Teil ist verjüngt und mit neuen Zinnen versehen. Ein Hocheingang lag wohl an der Ostseite, im Westen befindet sich eine weitere Türöffnung, möglicherweise ein Abtritt. Die um den Turm und die Ringmauer gruppierten Wohngebäude, die nach 1830 niedergelegt wurden, gehörten einer spätmittelalterlichen Erweiterung der Burg an. An der Ostseite befand sich bis 1836 ein zweigeschossiger Wohnbau, von dem aus in 14 m Höhe der Zugang in den Turm möglich war. Das heutige Erscheinungsbild der Burg wird im Wesentlichen durch den neugotischen Villenbau sowie den wohlerhaltenen romanischen Hauptturm mit neugotischem Zinnenkranz bestimmt. (H.-J. H.; J. F. )

Arch-Untersuchung/Funde:

Keine