EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Stolzenfels

Geschichte:

Als Initiator der Burggründung Stolzenfels ist der Trierer Erzbischof Arnold II. von Isenburg (1242-1259) anzusprechen, der die Anlage als Gegenburg zur kurmainzischen Burg Lahneck errichtete. Einen ersten Hinweis auf die Existenz der Burg Stolzenfels bieten die Schriftquellen für das Jahr 1248. In einer Urkunde wird der Ritter Walter als "burggravius de Stulzenvels" als Zeuge aufgeführt. Die Talsiedlung zu Füßen der Burg erhielt 1324 Stadtrechte. 1324 ist Eberhard Brenner von Lahnstein als Burggraf und 1333 als Amtmann zu Stolzenfels bezeugt. Stolzenfels bildete den administrativen Mittelpunkt eines Amtsbezirks und sicherte die unterhalb der Burg gelegene kurtrierische Zollstelle, die 1412 rheinabwärts in das Städtchen Engers (NR) verlegt wurde. Im Spätmittelalter diente die mit zahlreichen Burglehen ausgestattete Burg den Erzbischöfen häufig als Pfandobjekt. Im Dreißigjährigen Krieg 1632, 1634-36 sowie 1646-48 von schwedischen und französischen Truppen besetzt, wurde die Anlage im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688/89 zerstört. Die Ruine, deren Reste im 18. Jahrhundert als Steinbruch genutzt worden waren, gelangte 1802 an die Stadt Koblenz, die sie 1823 dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen schenkte. Dieser ließ sie ab 1836 zunächst von J. C. von Lassaulx und später durch K. F. Schinkel wiederaufbauen. Die Burg befindet sich heute im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz (Burgen Schlösser Altertümer). (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die Geschichte des mittelalterlichen Baubestandes der Burg Stolzenfels ist bislang erst unzureichend erforscht worden. Der fünfeckige Bergfried wird von Liessem (1984) wegen der auffallenden Parallelen zum Hauptturm der Burg Ortenberg im Elsass sowohl im Hinblick auf die Grundrissform wie auch auf die mehrfach gebrochene Ringmauer in das letzte Drittel des 13. Jhs. datiert. Teile der Ringmauer werden ebenfalls der Gründungsanlage angehören. Ein Ausbau der Burg erfolgte unter den Erzbischöfen Kuno (1362-88) und Werner von Falkenstein (1388-1418). Dieser Bauphase gehören sehr wahrscheinlich der quadratische Wohnturm an der Ostseite der Burg sowie der sich nach Norden anschließende rechteckige Wohnbau an. In einer Kellereirechnung von 1432 findet sich der Hinweis auf die Ausbesserung des vom Sturm zerstörten "kleinen Kapellenturms", der evtl. mit dem südlich des Wohnturms an der Ostseite gelegenen Torhaus identisch ist. 1582 berichten die Schriftquellen von Reparaturarbeiten an Brücke, Turm und Wachthaus. Die 1688 zerstörte Burg gelangte 1823 an den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.), der den Architekten Karl Friedrich von Schinkel beauftragte, "auf alten Grundmauern ein den Bedürfnissen der jetzigen Zeitverhältnisse entsprechendes vollständiges Ganzes wiederherzustellen". Dem 1836 begonnenen Baubeginn gingen sorgfältige Bauaufmessungen voraus. Ausstattung und Ausmalung des Schlosses zogen sich bis in die 1850er Jahre hin. Im Auftrag der Rheinland-Pfälzischen-Schlösserverwaltung erfolgten seit 1963/64 mehrere Sanierungsmaßnahmen (z.B. Wiederherstellung der weißgelben Außenfarbigkeit des Schlosses). (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Eine recht zuverlässige Quelle zum mittelalterlichen Baubestand der Burg bieten die 1823 erfolgten Bauaufnahmen sowie das etwa zur gleichen Zeit angefertigte Korkmodell von Stolzenfels. An der Süd- und an der rheinseitigen Ostseite war die Hauptburg von einem breiten Zwinger umgeben. Der Zugang erfolgte an der Südwestecke über den Halsgraben durch einen Torturm. Der fünfeckige Bergfried ist von einer polygonalen Mantelmauer umgeben. Auf der Ostseite befanden sich der Torturm mit Kapelle im Obergeschoss, der mit einem kleinen Rundturm versehene quadratische Wohnturm mit Eckwarten und der längsrechteckige Palas (Wohnbau), der an seiner Nordostseite von einem polygonalen Turm flankiert wird. Weitere Gebäude lehnten sich an die westliche Ringmauer an. Die nördliche Spitze der Hauptburg nimmt ein Rundturm (im Zuge des romantischen Wiederaufbaus als sog. "Adjutantenturm" in den oberen beiden Geschossen als Achteckturm wiederhergestellt) ein. Ein weiteres rechteckiges Gebäude lag im Bereich der östlichen Zwingeranlage. (Jens Friedhoff)