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Idstein

Geschichte:

Die Anfänge der 1102 in der urkundlichen Überlieferung erstmals als Etichestein bezeichneten Burg zu Idstein reichen bis in beginnende 12. Jahrhundert zurück. Vermutlich wurde die Anlage um 1100 von Graf Udalrich im Auftrag Heinrichs IV. gegründet. Im 11. und 12. Jahrhundert war Idstein Reichslehen, das 1120 in den Besitz der Mainzer Erzbischöfe überging und von diesen den Grafen von Nassau als Lehen überlassen wurde. Bei der ersten nassauischen Erbteilung von 1255 wurde Idstein bereits als Herrschaftsmittelpunkt des nassauischen Besitzes bezeichnet, den die Grafen als Vögte der Abtei Bleidenstadt verwaltete und schließlich ihrem entstehenden Territorium einverleibt hatten. Südlich der Lahn bildete Idstein die früheste Residenz der Grafen von Nassau. Zeitweilig hielt sich der spätere König Adolf von Nassau zu Idstein auf, der dem Ort 1287 Stadtrechte verlieh. Von 1355 bis 1605 war Idstein Residenz der älteren Linie der Grafen von Nassau-Idstein, die 1546 die Reformation einführten. 1629 bis 1721 fungierte Idstein als Residenz der 1688 in den Fürstenstand erhobenen jüngeren Linie Nassau-Idstein. Auf dem nördlichen Teil des ausgedehnten Burgareals entstand 1614-1634 das heutige Schloss Idstein. Durch den Übergang an Nassau-Usingen im Jahr 1721 büßten Schloss und Ort ihre Funktion als Residenz ein. Das Schloss blieb bis 1883 Landesarchiv. Heute beherbergt das Renaissanceschloss eine Schule, während in den zum Teil noch bis in das ausgehende 15. Jahrhundert zurückreichenden Verwaltungsgebäuden der Vorburg Teile der Stadtverwaltung untergebracht sind. (J.F.)

Bauentwicklung:

Baugestalt und Ausdehnung der im Kern wohl hochmittelalterlichen Burganlage zu Idstein sind unbekannt. Die erhaltenen nachmittelalterlichen Bildquellen (u. a. die Ansicht in der Hessischen Chronik von Wilhelm Dilich von 1605) zeigen bereits das Resultat der baulichen Entwicklung zu einer Schlossanlage der Renaissance. Teile der im 12. Jahrhundert erwähnten Burganlage sind sehr wahrscheinlich im Südflügel des heutigen Schlosses enthalten. Es handelt sich um einen zweigeschossigen mittelalterlichen Steinbau, der um 1550 um ein Fachwerkgeschoss erhöht wurde. Im Zuge eines weiteren Bauabschnitts bis 1590 wurde der Baukörper winkelförmig erweitert und erhielt einen Treppenturm an der Hofseite. Der zweigeschossige Ostflügel erhielt ein Fachwerkobergeschoss. 1614 begann Graf Ludwig II. von Nassau-Idstein mit dem Aus- und Weiterbau des Schlosses, das - wie eine 1617 datierte Entwurfszeichnung des Baumeisters Josef Heer zeigt - zu einer Vierflügelanlage erweitert werden sollte, die auffallende Parallelen zum Weilburger Hochschloss aufweist. Errichtet wurde der Nordflügel (Saarbrücker Bau), während der Südflügel nach Westen verlängert wurde und hofseitig einen Arkadengang erhielt. Die Westseite wurde durch einen weiteren Arkadengang geschlossen. In der Nordostecke errichtete man einen neuen Treppenturm. Sowohl die Treppenaufgänge als auch der vierstöckige pavillonartige Westturm wurden durch Haubendächer abgeschlossen. Der Dreißigjährige Krieg und ein Brand im Jahr 1651 verhinderten die Fertigstellung des Schlosses, das lediglich eine dreiflügelige Anlage blieb. Während der Regentschaft des Grafen (seit 1688) Fürsten) Georg August Samuel von Nassau-Idstein erfolgte bis zu dessen Tod 1721 die weitere Ausstattung der Innenräume unter der Leitung des Maximilian von Welsch. 1717 bis 1719 wurde eine Kapelle im Erdgeschoss des Westflügels eingerichtet. Nach dem Verlust der Residenzfunktion und der Verlegung des Regierungssitzes nach Usingen 1728 wurden die Dächer baulich verändert. Der Westturm verlor sein viertes Obergeschoss und die welsche Haube.
Zu den bedeutendsten Relikten der mittelalterlichen Burg zählt der runde Bergfried (Hexenturm), der um 1400 errichtet wurde und um 1500 einen kleinen runden runden Aufsatzturm, vier Wichhäuschen und einen Spitzhelm erhielt. 1723 entfernte man die vier kleinen Ecktürmchen. Der etwa 25 m hohe spitze Turmhelm wurde 1810 durch ein etwa 8 m hohes Kegeldach ersetzt. Ins ausgehende 15. Jahrhundert datiert auch das ehemalige Kanzleitor (Nassauer Wappen mit Jahreszahl 1497). Als Bauherr gilt Graf Philipp I. von Nassau-Idstein. Nördlich schließt sich eine Baugruppe des ausgehenden 16. Jahrhunderts an (Jahreszahl 1588). Südöstlich des Schlosses befindet sich ein ummauertes Areal, das den bereits 1560 erwähnten Schlossgarten aufnimmt. 1646 wurde der Ziergarten neu angelegt. Im 18. Jahrhundert trat an seine Stelle ein Zier- und Orangeriegarten im Stil des Barock. (H.-J.H.; J.F.)

Baubeschreibung:

In der Literatur ist bis heute umstritten, ob die Kernburg zu Gunsten des neuen Schlosses abgebrochen wurde, oder zwischen Stadt und Hexenturm lag. Dabei wird meist darauf verwiesen, dass der Hexenturm als Bergfried nicht in der Vorburg gestanden haben könne. Tatsache ist jedoch, dass der im Mittelalter dreiseitig zu flutende Schlossfelsen nur von der Stadt her zugänglich war, dort zeigt Dilich auch das Burgtor der kompakten dreiflügeligen Anlage mit zwei Ecktürmen zur vom Tor abgewandten Seite. Der Hexenturm sicherte also in der Vorburg stehend den Zugang.
Er ist mit Ausnahme von Kellerräumen letzter Rest der alten Burg. Er gehört zu den Butterfasstürmen, besaß einen ehemals offenen Aufsatz und war teilweise wohnlich eingerichtet. Das zweite Obergeschoss war gewölbt, heizbar und mit einer heute vermauerten Fensterarkade versehen. Von einem späteren Ausbau zeugen die Rundbogenfriese. Der Zugang lag ursprünglich 8 m hoch. Eindrucksvoll auch der 1497 erbaute Torbau zur Stadt mit der nur wenig später entstandenen Randbebauung in Richtung Hexenturm.
Bei dem im zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts begonnenen Schlossbau handelt es sich um einen dreiflügeligen Baukörper, dessen Flügel sich um einen nach Westen geöffneten Hof gruppieren. In der Nordostecke befindet sich ein heute kaum mehr in Erscheinung tretender quadratischer Treppenturm mit Satteldach. Die ursprünglichen Satteldächer mit Zwerchhäusern wurden im 18. Jahrhundert teilweise durch Mansarddächer ersetzt. Die Fassade zeichnet sich z. T. durch große Kreuzstockfenster aus. Die Mitte der südlichen Hauptfront ziert ein rechteckiger Erkervorbau, der über dem Hauptgesims turmartig in einem hohen Haubenhelm endet. Unmittelbar daneben ist das Hauptportal platziert, das Rustikaquaderung und ein großes Allianzwappen des Grafen Johann von Nassau-Idstein und seiner Gattin (um 1635) aufweist. Im Nordflügel befindet sich ein großer zweischiffiger Saal von fünf Jochen auf Rundpfeilern. Am Westende des Südflügels liegt die ehemalige Kapelle (1717-1718). Zahlreiche Räume weisen noch barocke Stuckdecken auf. (H.-J. H.; J. F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Am Hexenturm wurden 2006 bauhistorische Forschungen durch das Freie Institut für Bauforschung und Dokumentation Marburg durchgeführt.