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Ducové

Geschichte:

Von der Funktion her wird hier zum ersten Mal in Großmähren der Herrschaftssitz eines Fürsten mit seinem Gefolge faßbar. Die Verwaltungs- und Residenzfunktion dieser repräsentativ gestalteten Anlage wird durch seine ausgezeichnete militärstrategische Lage an einem Flussfurt ergänzt.
Die Kirche mit Verbindungen vor allem in das Gebiet von Aquileia in Norditalien ist ein Beweis für das Wirken anderer Missionare vor und nach der Ankunft der Solun-Brüder.
Das Gehöft in Ducove ging nach der Mitte des 10. Jahrhunderts in den Anfangsphasen der Formierung des ungarischen Staates zugrunde. Damals wurde die Rotunde izur Ruine. Auf die Kontinuität der einheimischen Besiedlung deutet die Belegung des umfangreichen Friedhofs im Bereich des damaligen Herrenhofes hin. Es darf auch von einer Kontinuität der Verwaltungsstruktur in dieser Region ausgegangen werden. Dafür spricht die Erwähnung der Burg Bana zwischen Hlohovec und Beckov, in der ebenso bekannten wie angezweifelten Anonymus-Chronik, im Zusammenhang mit der Landnahme durch die altmagyarischen Häuptlinge. Möglicherweise handelt es sich um einen literarischen Widerhall der frühungarischen Landnahme erst nach 955.
In den ältesten schriftlichen Quellen über Ducove aus dem 14. und 15. Jahrhundert stehen die Namen „Ducrew" und „Ducibrod" . Man hört hier die herzogliche Wortwurzel „dux". Der Titel „duka" war bei den slawischen Fürsten im Mitteldonauraum üblich, was indirekt auch die oben erwähnte Anonymus-Chronik belegt. Die Waagfurt bei Ducove ist noch für das 17. Jahrhundert belegt. Auch der Name des Nachbarortes Moravany nad Vähom besitzt angeblich eine frühmittelalterliche Wurzel.
(A. R.)

Baubeschreibung:

Der Dolomitische Sporn Kostolec hat eine etwa 0,75 ha große ebene Fläche, die im Norden von einem mächtigen bronzezeitlichen Wall umgeben war. Die günstig gelegene, unmittelbar über die Waagaue ragende Felskuppe nutzte die slawische Elite des 9. Jahrhunderts zum Aufbau eines Herrschaftssitzes - ein Gehöft mit trapezförmigem Grundriss von etwa 0,5 ha Größe. Die Befestigung bestand aus einer mächtigen Palisade aus Eichenpfählen. Von einer an der Waag und einem Seitenarm verlaufenden Fernstraße führte quer zum Abhang ein Weg zum Gehöft, auf den ein Absatz im Abhang deutlich hindeutet.
Das Tor mit einer Breite von 160 cm befand sich an der Südseite der Palisadenbefestigung.
Das innere Areal des Gehöftes war durch Palisaden in vier Teile gegliedert. Es gab hier Blockbauten des einstöckigen „Palast"-Typs von 15 x 5 m und des zwei- bis dreistöckigen „Turm"-Typs von 4 x 4 m Größe mit Mörtelfußboden. Es wurden auch Spuren von wirtschaftlichen Einrichtungen festgestellt. Im Südteil des Gehöftes stand unweit des Eingangs ein christlicher Sakralbau. Die Rotunde mit U-förmiger Apside hat einen außergewöhnlich genau abgemessenen Grundriss. Bei der Rotunde wurden insgesamt 28 Bestattungen aus der Mitte des 9. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts freigelegt. Es sind überwiegend Männergräber (22), häufig mit Sporen ausgestattet. (A. R.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Komplexe archäologische Entdeckungen in den J. 1968-1975 (AÚ SAV, A. Ruttkay)