Geschichte:
Die Reste der zuvor völlig unbekannten Burg wurden 1984-1988 im Zuge einer archäologischen Untersuchung freigelegt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um die Burg des 1056 erstmals urkundlich erwähnten Grafen "Bechdofli des Stumburg", der wohl mit dem Nahegaugrafen Berthold aus dem Geschlecht der Emichonen identisch ist. Dieser gilt als Gründer des 1074 erbauten Klosters Ravengiersburg. 1116 zerstörte der Mainzer Erzbischof Adalbert die Burg Stromberg, nachdem Kaiser Heinrich V. sie offenbar 1112 nach dem Aussterben dieser Linie der Nahegaugrafen als erledigtes Lehen eingezogen hatte. In den Schriftquellen ist von "nostrum castrum Struomburc funditus destruxit" die Rede. Auf der Grundlage der Architektur-, Münz- und Keramikfunde lässt sich die Burg in das späte 11. Jh. datieren. Ob die Burg nach ihrer Zerstörung - zumindest teilweise - wiederhergestellt oder weiter benutzt wurde, ist unklar. Zumindest die Kapelle lässt zwei weitere Bauphasen des 12. und des beginnenden 13. Jhs. erkennen. (Jens Friedhoff)
Bauentwicklung:
Die archäologischen Untersuchungen 1984-1986 machen mindestens drei Bauphasen wahrscheinlich:
1. Kernburg spätes 11. Jh.; 2. Erweiterungen u. Kapelle 12. Jh.; 3. Veränderungen in Kapelle, 13. Jh. ?
Bei den Ausgrabungen konnten allerdings keine Hinweise auf eine größerflächige oder nachhaltige Zerstörung der Burg gefunden werden. Dies stellt die schriftlich bezeugte "grundlegende Zerstörung" in Frage. Entweder übertreibt die Schriftquelle hier im Sinne eines Propagandaschreibens erheblich (A. Pöschl), oder es ist eine andere Burg im Raum Stromberg gemeint (vgl. Dörrebach ?) (Reinhard Friedrich)
Baubeschreibung:
Infolge des teilweise abgerutschten Felsens an der Westseite ist der Gesamtgrundriss der hochmittelalterlichen Burg nicht feststellbar. Ergraben wurde in den 1980er Jahren ein langgezogener, sich von Westen nach Osten erstreckender, donjonartiger Rechteckbau (Festes Haus, ca. 37 m Länge, 8 m Breite, Mauerstärke 2 m), dessen östlicher Teil durch eine Quermauer abgetrennt ist und dem im Osten eine Spitze vorgelagert ist. Vor dieser wurde in einer späteren Phase eine zweite Spitze leicht geänderter Richtung vorgemauert. Im Untergeschoss des Hauptgebäudes wurden Hufeisen und -nägel gefunden, die auf eine zumindest teilweise Nutzung als Pferdestall deuten. Architekturteile, Bleiruten, Fensterglas und Ziegelfragmente aus dem Schutt weisen auf einen repräsentativen Raum im Obergeschoss hin. Konzentrationen von Kugeltopfscherben in der Spitze könnten einen dort befindlichen Küchenbereich anzeigen.
Nördlich davon stieß man auf die Umfassungsmauern eines weiteren rechteckigen Gebäudes. Nach Süden schloss sich an den großen Rechteckbau eine quadratische Kapelle mit halbrunder Apsis sowie ein weiteres rechteckiges mehrteiliges Gebäude an. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Burgkapelle aufgrund ihres teilweise erhaltenen, prachtvoll gestalteten Mosaikfußbodens. Möglicherweise ist die Kapelle aufgrund der vorhandenen Baureste als Vierstützen-Doppelkapelle zu rekonstruieren. Somit entspricht der Sakralbau jenem Bautypus, der in der Domkapelle St. Gotthard in Mainz und der Pfalzkapelle zu Eger begegnet. Das Rosettenmosaik der Burgkapelle auf dem Pfarrköpfchen in Stromberg weist Parallelen zu den Fußböden in St. Severin und St. Pantaleon in Köln auf. (Jens Friedhoff u. Reinhard Friedrich)
Arch-Untersuchung/Funde:
Ausgrabung und archäologische Untersuchung des Burgareals 1984-88; Münzfunde des 11. Jh. (Konrad II., geprägt 1027-39; Heinrich III., geprägt 1039-1046). Nach Auswertung der Keramik wurde die Anlage von der Mitte des 11. Jhs. bis um 1200 genutzt.
Funde wie Schmiedeschlacke, 1 dengelamboss, Wetzsteine, Spinnwirtel weisen auf diverses Hauswerk im Burgbereich hin. (R.F.)