EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Niederurff

Geschichte:

Urkundlich wird die Burg (castrum) zu Niederurff erstmals 1272 erwähnt. Ihre Anfänge reichen vermutlich jedoch bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück. 1160 treten in den Schriftquellen die Niederadeligen von Urff in Erscheinung, die als Ministerialen des Erzstifts Mainz über Besitzungen an der Schwalm verfügten. Konrad von Urff wird 1215 bei der Gründung des Zisterzienserklosters Haina erwähnt und Johann von Urff lässt sich 1265 als Abt des Klosters Kappel nachweisen. 1309 trugen Heinrich von Urff, seine Brüder und dessen Söhne die bisher allodiale Burg zu Urff dem Grafen Heinrich von Waldeck zu Lehen auf. 1332 erlangten die Landgrafen von Hessen das Öffnungsrecht an der Stammburg der Herren von Urff. Im Sternerkrieg, dem Adelsbündnis, das sich in den 1370er Jahren gegen den Landgrafen Hermann II. von Hessen richtete, finden wir die Herren von Urff auf der Seite der Grafen von Ziegenhain im antihessischen Lager. 1458 befand sich die Burg Densberg zeitweise im Besitz der Familie von Urff. An der Burg in Niederurff hatten 1524 die Herren von Löwenstein einen Anteil. Teile der Anlage wurden im Dreißigjährigen Krieg 1634 zerstört und blieben Ruine. Bis heute befindet sich die kleine aber baulich bemerkenswerte Burg im Privatbesitz der Freiherren von Urff. (J.F.)

Bauentwicklung:

Sowohl die Ruinen als auch der noch erhaltene Teil, der unter Verwendung eines älteren Wohnturms um 1500 entstandene "Lange Bau", lassen die bauliche Entwicklung der Burg gut erkennen. Zum mittelalterlichen Baubestand der Wasserburg gehört der in seinen Grundmauern erkennbare mächtige rechteckige Wohnturm sowie der westliche Teil des "Langen Baus", der ebenfalls aus einem Wohnturm hervorgegangen ist. Der Wohnturm wurde Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise abgebrochen und der als Gärtnerwohnung dienende Südteil 1873 abgebrochen. Erhalten blieb hingegen der um 1500 entstandene "Lange Bau", der 1672 durch Ludwig von Urff erneuert wurde. Aus dieser Zeit stammt die Fachwerkkonstruktion des Obergeschosses. Bei Freilegungsarbeiten im Kernburgbereich stieß man 1907 auf eine Kasematte mit Schießscharten. (J.F.)

Baubeschreibung:

Die ehemals von einem jetzt trockenen Wassergraben umgebene Burg wurde über einem annähernd viereckigen Grundriss aufgeführt. In der Mitte der Anlage erhob sich ursprünglich ein querrechteckiger Wohnturm, von dem infolge der Niederlegung Mitte des 19. Jahrhunderts lediglich Grundmauern erhalten blieben. Nördlich dieses Wohnturmes befand sich ein zweiter Wohnturm, der um 1500 in einen langgestreckten mehrgeschossigen Wohnbau (Kemenate) einbezogen wurde. Es handelt sich um den so genannten "Langen Bau", ein drei- bis viergeschossiges Wohngebäude mit Kellergewölbe unter dem Westteil (ehem. Wohnturm) sowie einem Fachwerkobergeschoss, das 1672 entstand. Das Raumgefüge des Langen Baus ist sehr gut erhalten und weist zum Teil bemerkenswerte Details auf (u. a. spätgotische Türrahmen im Ostzimmer). Im Rittersal befinden sich ein Kamin mit gedrehten Säulen sowie mehrere ursprünglich aus der Kirche stammende zum Teil stark verwitterte renaissancezeitliche Epitaphe von Angehörigen der Adelsfamilie von Urff. Am Zugang zur Burg liegt das jetzige Herrenhaus, ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1739. (J.F.)