EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Weidelsburg

Geschichte:

Vermutlich reichen die Anfänge der in den Schriftquellen explizit erstmals 1265 erwähnten, auf einem exponierten Bastaltkegel gelegenen Weidelsburg bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück. Unklar ist, inwieweit ein 1121 genanntes "castrum Alstat" als Vorgängeranlage der Weidelsburg anzusprechen ist. Als Initiatoren der Burggründung kommen die Grafen von Naumburg in Betracht, deren Name sich von der unweit entfernt gelegenen Naumburg herleitet. Vermutlich haben sie die Weidelsburg um 1170/80 angelegt. 1266 veräußerten sie die Weidelsburg an das Erzstift Mainz. Wenige Jahre nach dem Übergang an das rheinische Erzstift wurde die Weidelsburg ebenso wie die Naumburg 1273 von den Landgrafen von Hessen erobert und zerstört. Die Burg blieb vorerst Ruine und wurde von Mainz 1379 an Hessen abgetreten. 1380 begannen Landgraf Hermann II. von Hessen und der Graf von Waldeck gemeinsam mit dem Wiederaufbau, der jedoch auf Einspruch des Erzstifts Mainz bereits 1382 wieder eingestellt wurde. 1398 wurde die Weidelsburg schließlich von den Herren von Hertinghausen, die vom Erzstift Mainz unterstützt wurden, wiederhergestellt. Einer zweiten Zerstörung 1402/03 folgte 1407 die Wiederherstellung. Die Burg befand sich 1431 in der Verfügungsgewalt des Reinhard von Dalwigk, der auf der Weidelsburg als Amtmann agierte und mit Agnes von Hertinghausen vermählt war. 1437 erneut in hessischem Besitz wurden die Herren von Hertinghausen und die von Dalwigk 1443 und 1448 auf der Weidelsburg von Hessen und Mainz wegen vermeintlichen Landfriedensbruchs belagert und die Burg abermals zerstört. Nach dem Wiederaufbau besetzte man die Weidelsburg mit hessischen und mainzischen Amtleuten. Seit 1448 unter hessischer Lehnshoheit lassen sich als Amtleute 1451-62 Friedrich von Pappenheim, 1460 Werner von Elben, 1462 Heinrich von Boyneburg, 1464-1472 Reinhard von Dalwigk sowie in der Folgezeit zahlreiche weitere hessische Adelige als Amtleute nachweisen. Ab 1522 hatte die Familie Wolf von Gudensberg bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die Weidelsburg als hessisches Lehen inne. Sehr wahrscheinlich geriet die Anlage Ende des 16. Jahrhunderts in Verfall und wurde schließlich als Wohnsitz aufgegeben. Eine Federzeichnung von Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1591 zeigt die Weidelsburg bereits in ruinösem Zustand. Die 1930 restaurierte und in den letzten Jahren vorbildlich sanierte und bauhistorisch untersuchte Anlage befindet sich im Besitz der hessischen Forstbehörden. Um den Erhalt der imposanten Burgruine, die zu den größten Burgen Hessens zählt, kümmert sich die Aktionsgemeinschaft zur Erhaltung der Weidelsburg, der verschiedene Vereine, Gremien, das Regionalmuseum Wolfhagener Land sowie die Städte Naumburg und Wolfhagen angehören. (J.F.)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Burg ist bislang erst ansatzweise untersucht worden. Das noch erhaltene Mauerwerk gehört vornehmlich dem ausgehenden 14. und dem 15. Jahrhundert an. Wie die hochmittelalterliche Gründungsanlage ausgesehen hat, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Ein jüngst auf der Grundlage bauhistorischer Untersuchungen angefertigtes, im Regionalmuseum Wolfhagen befindliches Modell der Weidelsburg gibt den Zustand des 15. Jahrhunderts wieder. Der östliche Wohnturm weist mit einer abgerundeten Ecke an der Außenseite eine auffallende Parallele zu der in den 1370er Jahren von Landgraf Hermann II. von Hessen erbauten Burg Hermannstein bei Wetzlar auf und dürfte in seinen Grundzügen der von Hessen und Waldeck gemeinsam begonnenen Wiederherstellung ab 1380 zuzurechnen sein. Die im Westen der Hauptburg befindliche Kemenate wird wenige Jahre später ab 1398 errichtet worden sein, während die großräumige, die gesamte Hauptburg umgebende Zwingeranlage mit ihren halbrunden Schalentürmen und zahlreichen Schlüssellochscharten sehr wahrscheinlich in das 15. Jahrhundert datiert. Wann genau die Burg als adeliger Wohnsitz aufgegeben wurde, lässt sich nach bisherigem Kenntnisstand nicht mit letzter Sicherheit sagen. In den Jahren 1930-32 wurde die gesamte Burg durch den Baurat Textor restauriert. (J.F.)

Baubeschreibung:

Die imposante, im Wesentlichen aus einem Wohnturm und einer Kemenate bestehende, von einer weitläufigen Zwingeranlage umgebene Burg nimmt den Gipfel des 504 m hohen Weidelsberges ein. Im Vorfeld der Burg blieben Fundamente eines Rundturmes erhalten, der wahrscheinlich zu einer vorgeschobenen Befestigung gehörte. Zwei Tore von Westen und Osten ermöglichen den Zugang zu dem geräumigen Vorhof, der ursprünglich ausreichend Platz für Wirtschafts- und Wohngebäude bot. Besondere Aufmerksamkeit verdient die von mehreren Schalentürmen flanierte Zwingermauer mit ihren zahlreichen Schlüssellochscharten. Die Hauptburg wird von einem Wohnturm mit abgerundeter Ecke und Steinkreuzfenstern im Osten und einer langgestreckten Kemenate im Westen dominiert. Hofseitig springt aus der Flucht der Ringmauer ein runder Turm in den Hof vor. Die beiden mächtigen turmartigen Wohnbauten lassen zahlreiche bauliche Details erkennen, wie z.B. je eine Kapellennische, runde Treppentürme im Inneren, Gewölbereste, Kamine und der östliche Wohnturm die Reste von Klauensteinen für ein Fallgatter. Zum Baubestand dieses östlichen Wohnturmes gehörten wohl auch zwei vorkragende runde Eckwarten im Bereich des Walmdaches. Die an der Westseite gelegene Kemenate wurde an der Hoffassade durch eine Nachbildung eines Neidkopfs bereichert. Der östliche Wohnturm ist durch eine Treppenanlage als Aussichtspunkt erschlossen. (J.F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Im Zuge der in den 1930er Jahren durchgeführten Instandsetzungen fanden auch Grabungen im Bereich der Burg statt. Das Fundmaterial ist jedoch verschollen. (J.F.)